Fitness-Tracker: Smartwatches überschätzen Kalorienverbrauch um 15-25%

Studien und Ärzte kritisieren unpräzise Wearable-Daten bei Kalorien, Schlaf und Blutdruck; spezialisierte Geräte zeigen bessere Ansätze.

**Aktuelle Untersuchungen werfen ein kritisches Licht auf die Genauigkeit von Fitness-Trackern und Smartwatches. Laut einer in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlichten Studie der Florida International University (FIU) überschätzen viele Wearables den tatsächlichen Kalorienverbrauch signifikant.

Die Abweichungen liegen demnach in einem Bereich von 15 bis 25 Prozent, wobei die Messgenauigkeit stark zwischen den einzelnen Herstellern variiert.**

In der Untersuchung, über die Anfang September berichtet wurde, analysierten Forscher die Daten von 58 hispanischen Erwachsenen. Dabei zeigte sich, dass die Apple Watch 8 mit einer durchschnittlichen Überschätzung von 21,6 Kilokalorien die präzisesten Werte lieferte.

Deutlich ungenauer schnitten hingegen die Garmin Forerunner 955 mit einem Plus von 68,6 Kilokalorien und die Samsung Galaxy Watch 5 mit einer Abweichung von 56,8 Kilokalorien ab. Die Fitbit Sense 2 wies nach der Bereinigung um statistische Ausreißer eine geringfügige Unterschätzung von 3,1 Kilokalorien auf.

Die Forscher stellten fest, dass die Fehlerquote mit steigendem Körperfettanteil der Nutzer zunahm, während der Hautton keinen messbaren Effekt auf die Ergebnisse hatte. Aufgrund dieser Befunde empfehlen die Studienautoren, die von Smartwatches angegebenen Kalorienwerte lediglich als Maximalwert zu betrachten.

Skepsis in der medizinischen Fachwelt

Diese Erkenntnisse decken sich mit einer aktuellen Umfrage unter mehr als 2.200 Ärzten in sechs Ländern, die von der American Medical Association (AMA) und Medscape durchgeführt wurde.

Die Mediziner betonen, dass Wearables zwar zur Motivation beitragen können, die ermittelten Daten zu Kalorienverbrauch, Stresslevel und Schlafqualität jedoch lediglich auf algorithmischen Schätzungen basieren. Sie könnten eine professionelle klinische Bewertung keinesfalls ersetzen.

Der Umfrage zufolge ist die Integration dieser Daten in den klinischen Alltag bisher kaum fortgeschritten; lediglich bei maximal 6 Prozent der Befragten findet eine vollständige Einbindung in medizinische Abläufe statt. Fachleute warnen zudem vor unbeabsichtigten Folgen: Bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Vorhofflimmern oder COPD könne eine ständige Überwachung die Ängstlichkeit verstärken.

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Rechtliche Auseinandersetzungen und psychologische Folgen

Neben der Kalorienmessung steht auch das Schlaftracking in der Kritik. Wie Anfang September bekannt wurde, sieht sich das Unternehmen Oura in Kalifornien mit einer Sammelklage konfrontiert. Eine Klägerin, die im Jahr 2025 rund 513,68 US-dollar für einen Oura Ring zahlte, wirft dem Hersteller irreführende Werbung vor.

Während Oura mit einer Genauigkeit von bis zu 95 Prozent bei der Erkennung von Schlafphasen im Vergleich zur Polysomnographie wirbt, kam eine im Fachblatt Nature veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2025 lediglich auf eine Übereinstimmung von etwa 53 Prozent. Oura bestreitet die Vorwürfe und verweist auf eigene Tests mit über 1.200 Nächten, betont jedoch auch, dass der Ring kein Medizinprodukt sei.

Gleichzeitig warnen Experten vor der sogenannten Orthosomnie – einer ungesunden Fixierung auf den „perfekten Schlaf“, die durch Tracker verstärkt werden kann. Laut einer Umfrage unter mehr als 2.000 Befragten in den USA vertrauen Betroffene den Daten ihrer Tracker oft mehr als dem eigenen Körpergefühl.

Dr. Alanna Hare bezeichnete die von den Geräten ausgegebenen Schlaf-Scores gegenüber der BBC gar als algorithmisch konstruiert. Eine Studie der Universität Oxford stützte dies mit dem Befund, dass bereits zufällig generierte Schlaf-Werte die Tagesbefindlichkeit der Nutzer beeinflussen konnten.

Fortschritte und Defizite bei medizinischen Funktionen

Auch bei der Blutdruckmessung zeigen sich erhebliche Qualitätsunterschiede. Eine Studie der University of Utah Health, veröffentlicht im Fachmagazin JAMA, kam zu dem Ergebnis, dass Smartwatch-Messungen oft unzuverlässig sind. Die Apple Watch habe in der Untersuchung 59 Prozent der Hypertonie-Fälle nicht erkannt.

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Demgegenüber stehen spezialisierte Hardware-Lösungen: Huawei stellte mit der Watch D3 ein Modell vor, das über eine integrierte Luftmanschette für medizinische Blutdruckmessungen verfügt und EU-MDR-konform ist. Auch das Unternehmen X-trodes präsentierte mit dem „System M“ ein EKG-System auf Basis von Trockenelektroden, das in klinischen Tests eine hohe Übereinstimmung mit professionellen Referenzgeräten erreichte.

Trotz der laufenden juristischen Auseinandersetzungen und der bevorstehenden Vorbereitungen für einen Börsengang bringt Oura weiterhin neue Hardware auf den Markt. Der Oura Ring 5 wird zu Preisen zwischen 399 und 499 US-Dollar angeboten und ist kompakter als sein Vorgänger, erfordert für den vollen Funktionsumfang jedoch weiterhin ein monatliches Abonnement.