Flipper One: Open-Source-Computer mit 6-TOPS-KI-Chip für 350 Dollar

Der Flipper One kombiniert ARM-Prozessor, 6-Tops-NPU und 5G. Die EVT-Phase läuft, der Preis von 350 Dollar hängt von der RAM-Krise ab.

Im Bereich der spezialisierten Computerhardware hat sich in den letzten Jahren ein Trend zu sogenannten Cyberdecks manifestiert – anpassbaren, oft mobilen Einplatinen-Computern, die für spezifische technische Aufgaben konzipiert sind. Ein zentrales Projekt in diesem Segment ist der Flipper One, ein Open-Source-Computer auf ARM-Linux-Basis, dessen technische Spezifikationen und Marktpositionierung einen detaillierten Blick auf die Anforderungen moderner Hardware-Enthusiasten erlauben. Nachdem erste Informationen zu dem Gerät bereits im Mai 2026 publik wurden, verdichten sich nun die Details zur technischen Umsetzung und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Rechenleistung und KI-Integration in der Kompaktklasse

Die technische Architektur des Flipper One basiert auf dem Rockchip RK3576. Dieser Prozessor verfügt über acht Kerne und wird durch eine spezialisierte Neural Processing Unit (NPU) ergänzt, die eine Leistung von 6 TOPS (Trillion Operations Per Second) erbringt. Diese Hardware-Konfiguration unterstreicht den Fokus auf Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) und der Netzwerkanalyse direkt am Endgerät.

In Bezug auf die Konnektivität bietet das System eine für diese Geräteklasse überdurchschnittliche Ausstattung. Neben zwei Gigabit-Ethernet-Anschlüssen verfügt das Gerät über Wi-Fi 6E und Unterstützung für 5G-Mobilfunk. Ein M.2-Key-B-Steckplatz ermöglicht zudem hardwareseitige Erweiterungen. Als Softwarebasis dient Debian 13 mit der Desktop-Umgebung KDE Plasma, was den Anspruch unterstreicht, ein vollwertiges Betriebssystem für komplexe Aufgaben zur Verfügung zu stellen.

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Wirtschaftliche Herausforderungen und die EVT-Phase

Derzeit befindet sich das Projekt in der sogenannten Engineering Verification Testing-Phase (EVT-Phase). In diesem Stadium der Produktentwicklung wird die funktionale Übereinstimmung der Hardware mit den Designspezifikationen geprüft. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum steht bislang noch nicht fest, da die globale Marktsituation die Planung beeinflusst.

Besondere Herausforderungen ergeben sich laut Branchenberichten durch eine anhaltende Krise auf dem Markt für Arbeitsspeicher (RAM). Diese Knappheit und die damit verbundenen Preisschwankungen haben direkten Einfluss auf die Kalkulation des Endkundenpreises. Trotz dieser volatilen Rahmenbedingungen streben die Entwickler einen Zielpreis von 350 US-Dollar an. Die Finanzierung der Serienproduktion soll über eine Kickstarter-Kampagne erfolgen, die für einen späteren Zeitpunkt im Jahr 2026 vorgesehen ist.

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Strategische Ausrichtung: Der PC als persönliches Werkzeug

Hinter der Entwicklung steht eine spezifische Philosophie zur Rolle moderner Computertechnologie. Pavel Zhovner, CEO von Flipper, betonte im Kontext der Projektvorstellung die strategische Bedeutung der Wiedergewinnung des persönlichen PCs. Das Ziel sei es, dem Nutzer ein hohes Maß an Kontrolle und Anpassbarkeit zurückzugeben, welche in hochintegrierten, geschlossenen Systemen oft verloren gehe.

Der Flipper One positioniert sich damit an der Schnittstelle zwischen professionellen Werkzeugen für Netzwerkadministratoren und einer Plattform für Hardware-Experimente. Die Kombination aus offener Software, modularer Hardware und integrierter KI-Beschleunigung spiegelt den Bedarf an mobilen, aber dennoch leistungsstarken Systemen wider, die unabhängig von Cloud-Infrastrukturen agieren können. Ob der angestrebte Preisrahmen angesichts der Komponentenknappheit haltbar bleibt, wird maßgeblich vom Erfolg der geplanten Crowdfunding-Kampagne und der weiteren Entwicklung auf den Halbleitermärkten abhängen.