Flugverkehr-Chaos: Glasfaserschaden und GPS-Ausfälle legen Tausende lahm

Ein Kabelbruch in den USA und GPS-Probleme bei Embraer-Jets verursachten zahlreiche Flugausfälle; dauerhafte technische Lösungen stehen noch aus.

Der internationale Flugverkehr sieht sich mit erheblichen operativen Herausforderungen konfrontiert, nachdem zwei voneinander unabhängige technische Vorfälle den Betrieb massiv beeinträchtigt haben.

In den Vereinigten Staaten führte die Beschädigung einer Glasfaserleitung zu einem weitreichenden Ausfall der Flugsicherung an der Ostküste, während global auftretende GPS-Probleme bei modernen Kurzstreckenjets der Embraer-E2-Serie zahlreiche Fluggesellschaften zur Einstellung von Verbindungen zwangen.

Glasfaserschaden legt US-Flugverkehr an der Ostküste lahm

Am 21. September 2026 kam es zu einem kritischen Ausfall der Primär-Kommunikationsschaltung am FAA-Facility Philadelphia TRACON. Ursprung der Störung war ein Bautrupp eines NJ-Transit-Projekts, des sogenannten Delco-Lead-Projekts, der zwischen New Brunswick und North Brunswick rund 600 Fuß eines Backup-Glasfaserkabels durchtrennte. Die betroffenen Leitungen befanden sich unmittelbar neben einer Amtrak-Strecke in New Jersey.

Die Auswirkungen auf den Flugbetrieb waren massiv. Betroffen waren unter anderem die Flughäfen Newark Liberty, Philadelphia International, JFK, LaGuardia, Teterboro und Boston Logan. Laut FAA-Statusseite begannen die ersten Ground Stops in Teterboro und Philadelphia, gefolgt von Newark Liberty gegen 10 Uhr.

Die Abflugverspätungen in Newark und Philadelphia erreichten Spitzenwerte von bis zu 150 Minuten. Um 12:48 Uhr wurde das New York TRACON (N90) als „ATC Zero“ deklariert, nachdem Funk und Radar ausgefallen waren.

In Newark wurden die kommerziellen Ankünfte für fast acht Stunden vollständig ausgesetzt. Daten von FlightAware und Flightradar24 zufolge kam es landesweit zu rund 7.000 Verspätungen oder Annullierungen.

Allein in Newark wurden über 600 Flüge gestrichen, in Philadelphia waren es 197. Verkehrsminister Sean Duffy gab gegen 18 Uhr bekannt, dass die Leitungen repariert wurden und der Flugbetrieb langsam wieder aufgenommen werde. Die Reparaturdauer wurde mit etwa 8¼ Stunden angegeben.

Modernisierungsbedarf der Flugsicherungsinfrastruktur

FAA-Administrator Bryan Bedford erläuterte, dass durch die Kabeldurchtrennung auch die Ersatzschaltung am Philadelphia TRACON ausfiel. Der Vorfall unterstreicht die Anfälligkeit der alternden Infrastruktur. Obwohl der Newark-Luftraum bereits 2024 organisatorisch an das Philadelphia TRACON übertragen wurde und ein Glasfaser-Upgrade im Juli 2025 eigentlich zwei unabhängige Pfade garantieren sollte, führte der physische Schaden zum Systemkollaps.

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Der US-Kongress hat bereits 12,5 Mrd. US-Dollar für die Modernisierung des Flugsicherungssystems bewilligt. Verkehrsminister Duffy fordert jedoch weitere 17,5 Mrd. US-Dollar, während Administrator Bedford den Bedarf bis Ende 2028 auf zusätzliche 20 Mrd. US-Dollar beziffert.

Aktuell seien etwa 64 % der Kupfer-Telekommunikationsinfrastruktur ersetzt; der vollständige Austausch soll laut Bedford bis September 2027 abgeschlossen sein. Die FAA betonte zudem, dass der Vorfall nicht auf eine Cyber-Attacke zurückzuführen sei, obwohl ein zeitgleich veröffentlichter GAO-Bericht vor Sicherheitslücken in unverschlüsselten Textnetzwerken der Fluglotsen warnte.

Weltweite GPS-Ausfälle bei Embraer-Jets

Parallel zur Infrastrukturkrise in den USA meldeten am 22. September 2026 mehrere Fluggesellschaften massive Probleme mit den Modellen Embraer E190-E2 und E195-E2. Ein systematischer GPS-Empfangsausfall beim Hochfahren der Flugzeuge am Boden zwang Betreiber weltweit zu Annullierungen. Besonders betroffen war die brasilianische Azul Linhas Aéreas, die 43 Maschinen am Boden lassen musste.

Das Problem betrifft das System Honeywell Primus Epic 2.0, das in rund 200 Flugzeugen bei 24 verschiedenen Airlines im Einsatz ist. Zu den betroffenen Unternehmen gehören neben Azul auch KLM Cityhopper, Porter, Virgin Australia, Binter, Helvetic, Luxair und Mexicana.

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Laut Embraer Technical Services besteht eine temporäre Lösung in einem System-Reset, allerdings kann der Fehler jederzeit erneut auftreten und einen Start verhindern. Ein dauerhafter Software-Patch durch den Hersteller Honeywell steht noch aus.

Embraer und Honeywell haben zur Untersuchung der Ursache einen gemeinsamen Krisenraum eingerichtet. Betroffen ist insbesondere die PBN/RNP-Navigation, was den Einsatz der Flugzeuge in modern kontrollierten Lufträumen stark einschränkt. Die betroffenen Fluggesellschaften reagierten mit Gebührenverzichten für Umbuchungen bis zum 24. September 2026.