Frankreich-Frist 1. September: E-Rechnung und Meldepflicht starten

Belgien, Luxemburg und Portugal treiben die digitale Mehrwertsteuer voran. Unternehmen drohen Strafen bei verspäteter Umstellung auf Echtzeit-Meldungen.

Die EU-Mitgliedsstaaten beschleunigen ihre Gesetzgebung für die Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter (ViDA). Belgien, Luxemburg und Portugal haben jüngst Maßnahmen verabschiedet, die von traditionellen Steuererklärungen hin zu strukturierten E-Rechnungen und Echtzeit-Meldungen führen. Ziel der bis 2035 angelegten Initiative: jährlich rund 11 Milliarden Euro Steuerbetrug verhindern.

Belgien und Luxemburg legen Zeitpläne fest

Mitte Juli billigte der belgische Ministerrat einen Gesetzesentwurf zur Einführung der Echtzeit-Meldepflicht für Geschäftskundentransaktionen (B2B). Das neue System soll am 1. Januar 2028 in Kraft treten und verlangt von Lieferanten und Kunden die Meldung von Rechnungsdaten. Es ersetzt die bisherige jährliche Kundenliste und baut auf Belgiens verpflichtender B2B-E-Rechnung auf, die bereits am 1. Januar 2026 startet.

Nur zwei Tage später, am 17. Juli 2026, verabschiedete der Luxemburger Regierungsrat einen Gesetzesentwurf zur Ausweitung der E-Rechnungspflicht auf inländische B2B-Geschäfte. Die Einführung erfolgt gestaffelt: Ab 1. Januar 2028 müssen alle Unternehmen E-Rechnungen empfangen können. Die Ausgabepflicht gilt für große und mittlere Firmen ab 1. Juli 2028, für alle übrigen ab 1. Januar 2029. Luxemburg setzt dabei auf das internationale Peppol-Vier-Ecken-Modell, plant aber vorerst kein nationales Echtzeit-Meldesystem wie Belgien.

Frankreichs Deadline rückt näher – Portugal aktualisiert Steuerformulare

Die Steuerbehörden in Europa setzen zunehmend auf vorausgefüllte Umsatzsteuererklärungen auf Basis elektronischer Daten. Bereits am 16. Juli 2026 aktualisierte Portugal seine periodische Umsatzsteuermeldung, um detailliertere Angaben zu erfassen – darunter Felder für Standard- und ermäßigte Steuersätze sowie die Differenzbesteuerung. Die meisten Änderungen treten Mitte 2027 in Kraft, einige Felder zu Umsatzsteuergruppen gelten bereits seit 1. Juli 2026.

In Frankreich rückt der Stichtag für die verpflichtende E-Rechnung und E-Meldung am 1. September 2026 näher. Erste Dienstleister arbeiten bereits mit Pilotkunden wie dem Baukonzern VINCI SA über zertifizierte Plattformen im Factur-X-Format – inklusive der vorgeschriebenen zehnjährigen Archivierung. Branchenzahlen zeigen: 56 Prozent der Unternehmen hatten Schwierigkeiten bei der Expansion wegen verpasster Fristen, 36 Prozent mussten bereits Strafzahlungen leisten.

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Auch Polen treibt seine nationale E-Rechnungsplattform KSeF voran. Große Unternehmen müssen ab 1. Februar 2026 compliant sein, der allgemeine Rollout folgt im April 2026, die kleinsten Firmen ziehen Anfang 2027 nach. Experten betonen: Trotz vorausgefüllter Erklärungen bleiben Unternehmen für die korrekte steuerliche Behandlung von Ausnahmen und Reverse-Charge-Verfahren verantwortlich.

Neue Regeln für Plattformen und Online-Handel

Die Automatisierungswelle erfasst auch den grenzüberschreitenden Handel und digitale Plattformen. Seit 1. März 2026 gilt in der EU die zweite Phase des Import-One-Stop-Shop (IOSS), die die 150-Euro-Freigrenze abschaffte. In Nordamerika führte Kanada im Juli 2026 eine 3-Prozent-Digitalsteuer ein.

Besonders einschneidend: Die neuen „Deemed Supplier“-Regeln der ViDA-Initiative. Ab 1. Juli 2028 werden Kurzzeitvermietungsplattformen wie Airbnb und Booking.com selbst für die Umsatzsteuer haftbar, wenn der eigentliche Anbieter nicht steuerlich registriert ist. Betroffen sind Aufenthalte bis zu 30 Nächten – Mitgliedsstaaten können die volle Umsetzung jedoch bis Anfang 2030 verschieben.

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Wirtschaftliche Anreize und technische Hürden

Der Umstieg auf strukturierte E-Rechnungen verspricht erhebliche Kosteneinsparungen. Branchenanbieter beziffern die möglichen Einsparungen auf 70 bis 85 Prozent im Vergleich zu fragmentierten lokalen Compliance-Projekten. Standardisierte Systeme verursachen zwar einmalige Einrichtungs- und jährliche Transaktionskosten, liegen aber deutlich unter manuellen Prozessen.

Doch Analysten von Thomson Reuters warnen: Viele multinationale Konzerne hinken bei den Vorbereitungen hinterher. Einem Unternehmen wurde wegen Compliance-Verstößen sogar für 90 Tage der Zugang zum rumänischen Markt verwehrt. Steuerexperten setzen daher zunehmend auf KI-gestützte Compliance-Tools in ERP-Systemen wie SAP und Oracle, um komplexe Steuerentscheidungen zu automatisieren. Die EU-Frist für verpflichtende strukturierte E-Rechnungen bei allen innergemeinschaftlichen B2B-Transaktionen endet am 1. Juli 2030 – wer jetzt nicht handelt, könnte teuer bezahlen.