Mit Beginn des neuen Schuljahres am 1. September 2026 tritt in Frankreich ein umfassendes Verbot für die Nutzung von Mobiltelefonen an allen Schulen in Kraft. Die Neuregelung schließt erstmals auch die Oberstufen (Lycées) mit ein. Bildungsminister Geffray begründete die Maßnahme mit der dringenden Notwendigkeit, die Gesundheit der Schüler zu schützen, und bezeichnete die Einführung des Verbots als einen gesundheitlichen Notfall.
Die gesetzliche Grundlage für diese Verschärfung bildet das Gesetz Nr. 2026-813, welches am 24. August 2026 promulgiert wurde. Während an französischen Schulen der Sekundarstufe I (Collèges) bereits seit 2018 ein solches Verbot besteht, gilt die Regelung nun für alle Jahrgänge.
Das Verbot umfasst neben Mobiltelefonen ausdrücklich auch Smartwatches und Kopfhörer. Ausnahmen sind lediglich für medizinische Zwecke sowie für Schüler mit Behinderungen vorgesehen. Auch Klassen der höheren Berufsbildung (BTS) und Vorbereitungsklassen (Prépas) sind von der Regelung ausgenommen.
Dezentrale Umsetzung und technische Hürden
Die konkrete Ausgestaltung des Verbots liegt in der Verantwortung der einzelnen Schulen. Den Einrichtungen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, um die Geräte während der Unterrichtszeit sicher zu verwahren. Dazu gehören spezielle Taschen, Schließfächer, Wandhalterungen oder Sammelboxen.
Allerdings sorgt die Kurzfristigkeit der Maßnahme für organisatorische Schwierigkeiten. Minister Geffray wies darauf hin, dass das Verbot erst nach einer entsprechenden Änderung des jeweiligen Schulreglements kirchenrechtlich wirksam wird.
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In vielen Bildungseinrichtungen sei eine vollständige Umsetzung zum Stichtag am 1. September 2026 daher noch nicht möglich. Schulleiter müssen die neuen Regeln zunächst mit den zuständigen Gremien abstimmen. François Resnais, Schulleiter in Paris, kritisierte in diesem Zusammenhang die mangelnde Vorbereitung und die kurzfristige Kommunikation der neuen Vorgaben.
Unterschiedliche Strategien an den Lycées
Trotz der Kritik zeigen sich einige Regionen bereits gut vorbereitet. Laut dem zuständigen Rektorat sind in der Académie de Montpellier rund 75 Prozent der Lycées bereit für die Umsetzung. Am dortigen Lycée Georges Frêche werden Mobiltelefone in speziellen Boxen gesammelt.
Während die Nutzung im Unterricht und im Dokumentationszentrum (CDI) untersagt ist, bleibt sie im Außenbereich der Schule erlaubt. Für die rund 270 Internatsschüler dieser Einrichtung gilt zudem eine verpflichtende Abschaltung der Geräte ab 23 Uhr. Bei Verstößen drohen Sanktionen, die von der Konfiszierung für den Rest des Tages über Zusatzaufgaben bis hin zum Nachsitzen reichen.
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Andere Schulen wählen strengere Ansätze. Am Lycée Robert Weinum in Saint-Martin, das von 825 Schülern besucht wird, gilt das Verbot für das gesamte Gebäude. In Cahors hat das Lycée Clément Marot, das bereits seit Juni 2025 ein Verbot in den Klassenzimmern praktizierte, die Regelung nun auf alle Innenräume ausgeweitet.
Im Gegensatz dazu müssen am Lycée Gaston Monnerville in Cahors die genauen Modalitäten erst noch erarbeitet werden. Sophie Sarraute, zuständige Bildungsdirektorin im Departement Lot, betonte ihre Bereitschaft, die betroffenen Schulen bei diesem Prozess eng zu begleiten.
Gespaltene Meinungen in Gewerkschaften und Schülerschaft
Die Reaktionen auf die Ausweitung des Verbots fallen gemischt aus. Innerhalb der Lehrergewerkschaften herrscht Uneinigkeit: Während der Verband Snalc die Maßnahme befürwortet, äußert Snes-Fsu Kritik. Schülervertreter wie der 15-jährige Gabriel Krafft bezeichnen das generelle Verbot als übertrieben.
Statistiken belegen unterdessen, dass bereits vor der gesetzlichen Neuregelung etwa 28 Prozent der Lycées ähnliche interne Beschränkungen eingeführt hatten. Die Erfahrungen aus den Collèges seit 2018 deuten laut Beobachtungen auf eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit der Schüler hin.
Dennoch konnte die Maßnahme andere Probleme nicht vollständig lösen; so sind weiterhin rund 20 Prozent der Schüler von Cybermobbing betroffen. Parallel zum Handyverbot verfolgt Präsident Macron bereits weitere Pläne zur Regulierung des digitalen Konsums und strebt ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren an.

