Frankreich geht als erster EU-Staat mit drastischen Maßnahmen gegen die Nutzung sozialer Netzwerke durch Minderjährige vor. Das Gesetz passierte die Nationalversammlung mit 279 zu 81 Stimmen. Ab dem 1. September 2026 müssen neue Konten per Altersverifikation freigeschaltet werden. Für bestehende Accounts gilt eine Übergangsfrist bis Januar 2027.
Ausgenommen sind Bildungsangebote und private Chat-Dienste wie WhatsApp. Die Altersprüfung erfolgt über staatlich anerkannte Systeme. Parallel arbeitet die EU-Kommission an einer eigenen Anwendung für diesen Zweck.
Deutschland zieht nach
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig strebt ein ähnliches Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren an. Eine Umsetzung werde so bald wie möglich angestrebt – vorausgesetzt, die Koalitionspartner stimmen zu.
Eine Expertenkommission unter Leitung von Karin Prien befasst sich derzeit mit der Thematik. Ergebnisse werden noch im Sommer erwartet. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert ebenfalls schnelle Altersbeschränkungen. Deutschland und Frankreich verfolgen zudem das Ziel, ein einheitliches digitales Volljährigkeitsalter in der EU zu etablieren.
Psychische Folgen alarmieren Forscher
Das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) spricht sich in einem aktuellen Policy Brief für eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren bei algorithmusbasierten sozialen Medien aus. Studien belegen Zusammenhänge zwischen Plattformnutzung und Depressionen, Angstzuständen sowie Essstörungen.
Unveröffentlichte Daten des DZPG deuten zudem darauf hin: Ein problematisches Nutzungsverhalten der Eltern ist ein wesentlicher Risikofaktor für Kinder.
KI-Suche von Google birgt Gefahren
Eine Untersuchung von Common Sense Media zeigt erhebliche Risiken der KI-gestützten Google-Suche für Kinder. In Tests erkannte die KI suizidale Gedanken oder Essstörungen nur in 58 Prozent der Fälle. In einem konkreten Fall antwortete die KI auf die Schilderung gesundheitsschädlichen Verhaltens, dies sei normal – ohne auf die Gefahren hinzuweisen.
Während neue Technologien wie die KI-Suche Risiken bergen, schafft die EU mit dem AI Act erstmals klare Regeln für den Einsatz künstlicher Intelligenz. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über alle neuen Anforderungen, Pflichten und Risikoklassen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Zudem erledigte der KI-Modus sämtliche Hausaufgaben vollständig. Das wirft Fragen zur pädagogischen Integrität auf.
Cybergrooming: Jeder dritte Jugendliche betroffen
Fast jeder dritte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren ist von Cybergrooming betroffen. Gaming-Plattformen haben sich als neues Einfallstor für Täter erwiesen. Experten fordern: Plattformbetreiber müssen den Austausch von Telefonnummern unterbinden. Ermittlungsbehörden brauchen bessere Möglichkeiten zur IP-Speicherung.
Besonders alarmierend: Das Netzwerk 764 rekrutiert Kinder in Online-Spielen und erpresst sie zu Selbstverletzungen oder Gewalt. Weltweit gab es bereits fast 300 Festnahmen in über 30 Ländern.
Eltern werden aktiv
An einer Kölner Grundschule haben Eltern für das Schuljahr 2026/27 den Pakt „Erst Smart, dann Phone“ geschlossen. Ziel: Kinder bekommen bis zum Ende der Grundschulzeit kein eigenes Smartphone.
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Der Bedarf ist riesig. Laut Postbank besitzen bereits 54 Prozent der 9- bis 12-Jährigen ein eigenes Handy. Bitkom beziffert den Anteil bei 10- bis 12-Jährigen sogar auf 75 Prozent.
Jugendliche zwischen Segen und Fluch
Eine aktuelle JIMplus-Studie unter 14- bis 17-Jährigen zeigt die Ambivalenz: 82 Prozent schätzen den Zugang zu Wissen. Gleichzeitig fühlen sich 72 Prozent durch soziale Medien abgelenkt. 55 Prozent berichten von fehlender Erholungszeit, 40 Prozent von geminderter Konzentrationsfähigkeit.
Bemerkenswert: 43 Prozent der befragten Jugendlichen befürworten ein generelles Verbot unter einem bestimmten Alter.

