Der französische Rechnungshof Cour des comptes ruft den Staat dazu auf, seine Abhängigkeit vom US-Konzern Microsoft spürbar zu reduzieren. Nach den Vorstellungen der Finanzprüfer soll die Verwaltung innerhalb von drei bis vier Jahren auf freie Bürosoftware umsteigen.
Ein solcher Schritt sei ein Garant für digitale Unabhängigkeit und zugleich ökonomisch deutlich vorteilhafter für die Staatskasse. Dies geht aus einem Bericht zur Büro- und Kollaborationssoftware im staatlichen Sektor hervor, dessen offizielle Veröffentlichung für den 22. Oktober 2026 angesetzt ist.
Hohes Einsparpotenzial bei Lizenzkosten
Nach Berechnungen des Rechnungshofs könnte der französische Staat durch einen konsequenten Umstieg auf freie Softwarelösungen bis zu 130 Millionen Euro pro Jahr im Vergleich zu Microsoft 365 einsparen.
Auch die staatliche Digitaldirektion Dinum sieht erhebliche wirtschaftliche Vorteile: Während die freie und souveräne Bürosoftware-Suite pro Arbeitsplatz und Jahr mit rund 100 Euro zu Buche schlage, koste eine Lizenz für Microsoft 365 rund 250 Euro.
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Die Ausgaben für IT-Werkzeuge belasten den Etat bereits spürbar. Im Jahr 2025 gab der Staat bei einem gesamten Digitalbudget von 5,5 Milliarden Euro rund 100 Millionen Euro für Büro- und Kollaborationswerkzeuge aus. In dieser Summe sind nachgeordnete Betreiber, Kliniken und Gebietskörperschaften noch nicht enthalten.
Vier Fünftel dieser Lizenzausgaben flossen an Microsoft. Hinzu kommt, dass der US-Anbieter im vergangenen Juli die Tarife für den Großteil seiner Produktpalette angehoben hatte, was unter anderem mit neuen Funktionen für künstliche Intelligenz begründet wurde.
Zugleich verzögern sich Alternativen im Cloud-Bereich: Das von den Unternehmen Orange und Capgemini gegründete Projekt Bleu wartet weiterhin auf die notwendige SecNumCloud-Zertifizierung.
Bisherige Erfahrungen und bestehende Schwachstellen
Dass quelloffene Programme im staatlichen Alltag bestehen können, zeigen zwei große Behörden: Sowohl die Gendarmerie als auch die Finanzverwaltung setzen bereits weitgehend auf LibreOffice. Zudem flossen bisher rund 40 Millionen Euro an staatlichen Mitteln in einzelne Module der Dinum-Suite, darunter Lösungen wie Tchap, Visio, France Transfert, Messagerie und Fichiers. Die dabei erzielten Ergebnisse stuft der Rechnungshof als überzeugend ein.
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Gleichzeitig verweist die Kontrollbehörde auf bestehende Hürden. Das Modul Messagerie gelte derzeit noch nicht als tragfähige Alternative für den flächendeckenden Einsatz bei Millionen von Beamten. Viele Bedienstete betrachteten die staatliche Suite bislang eher als bloße Ergänzung zu den gewohnten Microsoft-Diensten statt als vollwertigen Ersatz.
Zudem bemängelt der Rechnungshof den geplanten Schritt, das Werkzeug Resana zum Ende des Jahres abzuschalten, und fordert stattdessen eine intensivere Zusammenarbeit mit externen Digitalunternehmen.
Für die künftige Weiterentwicklung empfiehlt der Rechnungshof, die einzelnen Fachministerien ab 2027 enger in die Ausarbeitung der Roadmap und in die Governance der Suite einzubinden. Diese Ministerien sollen nach den Plänen der Prüfer einen gemeinsamen finanziellen Beitrag von insgesamt 3 bis 4 Millionen Euro leisten, wobei der Verteilungsschlüssel noch offen ist.
Erste Schritte in diese Richtung existieren bereits: Das Verteidigungsministerium beteiligte sich im Jahr 2025 über eine entsprechende Vereinbarung bereits mit einer Million Euro an den Kosten.

