FTC verschärft Kampagne gegen Betrugsmaschen

Die FTC geht mit neuen Regeln gegen Identitätstäuschung vor. Verbraucher verloren 2024 fast drei Milliarden Dollar durch Betrug.

Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC geht massiv gegen Betrugsbanden vor, die sich als Behörden oder Unternehmen ausgeben. Allein 2024 verloren Verbraucher fast drei Milliarden Dollar durch solche Maschen.

Schlag gegen Telefonbetrug und MLM-Firmen

Ende April zerschlug die FTC ein großangelegtes Telefonbetrugsnetzwerk. Die Täter gaben sich als Regierungsbeamte oder Krankenkassenmitarbeiter aus und lockten Opfer mit angeblichen Krankenversicherungen. Im Visier der Ermittler stehen unter anderem Ahmed Ibrahim Shokry und Amani Ibrahim Shokry mit ihren Firmen American Collective und Innovative Partners. Sie sollen gezielt Menschen ohne Krankenversicherung kontaktiert haben – oft mit der falschen Behauptung, eine Verlängerungsgebühr sei nötig, um den bestehenden Schutz zu erhalten.

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Parallel dazu ging die Behörde gegen Führungskräfte des MLM-Unternehmens LifeWave vor. Am 27. April reichte die FTC Klage gegen Steven und Gina Merritt ein. Die beiden sollen neuen Mitgliedern Einkünfte von bis zu 25.000 Dollar pro Woche versprochen haben – obwohl firmeneigene Unterlagen belegen, dass 79 Prozent der aktiven Teilnehmer 2024 gar nichts verdienten.

Diese Fälle sind Teil einer neuen Strategie der FTC. Erst im Frühjahr gründete die Behörde eine eigene „Healthcare Task Force“, die sich speziell auf Betrug im Gesundheitssektor konzentriert. Kommissionschef Andrew N. Ferguson betont, die Task Force solle mit voller Härte gegen Unternehmen vorgehen, die durch Täuschung Preise treiben und Patienten den Zugang zur Versorgung erschweren.

Neue Regeln erweitern Handlungsspielraum

Grundlage für die aktuelle Offensive ist die „Government and Business Impersonation Rule“, die seit April 2024 in Kraft ist. Sie gibt der FTC erstmals die Befugnis, direkt vor Bundesgerichten zu klagen. Das bedeutet: Die Behörde kann nicht nur Rückzahlungen für geschädigte Verbraucher fordern, sondern auch empfindliche Strafen verhängen – bis zu 53.088 Dollar pro Verstoß.

Vor dieser Regelung waren die Möglichkeiten der FTC deutlich begrenzter. Heute kann sie gezielt gegen diejenigen vorgehen, die sich fälschlich als Behörden oder Unternehmen ausgeben. Im ersten Jahr nach Inkrafttreten leitete die Kommission fünf große Verfahren ein und ließ 13 Websites abschalten, die illegal die FTC selbst imitierten. Diese betrügerischen Domains nutzten oft abgewandelte Versionen offizieller Melde-URLs, um Opfer zur Preisgabe sensibler Daten zu verleiten.

Christopher Mufarrige, Direktor des Büros für Verbraucherschutz, stellt klar: „Die Milliardenverluste durch Betrüger sind nach wie vor erschreckend. Wir werden unsere erweiterten Befugnisse rücksichtslos gegen die Täter einsetzen.“ Besonders perfide: Die Betrüger nutzen die Namen bekannter Unternehmen, um Vertrauen zu erschleichen – eine Taktik, die ihre Erfolgsquote deutlich erhöht.

Vom Telefonanruf zur digitalen Falle

Die Methoden der Betrüger wandeln sich rasant. Während früher vor allem Telefonanrufe die erste Kontaktaufnahme waren, setzen Täter heute verstärkt auf SMS und E-Mails. 2024 verloren Verbraucher 470 Millionen Dollar durch Betrug, der mit einer Textnachricht begann – ein Fünf-facher Anstieg gegenüber 2020.

Die häufigsten Tricks moderner Betrüger:

  • Gefälschte Sicherheitswarnungen: Nachrichten, die angeblich von Banken oder Amazon stammen, warnen vor verdächtigen Aktivitäten und fordern Opfer auf, Geld auf „sichere“ Konten zu überweisen.
  • Phishing bei Aboverlängerungen: Mitteilungen über angeblich auslaufende Abos von Tech-Support oder Antivirenprogrammen.
  • Falsche Paketbenachrichtigungen: Angebliche Probleme mit einer Paketzustellung, oft unter dem Namen der US-Post, mit der Aufforderung, „Nachgebühren“ zu zahlen.
  • Angebliche Rechtsprobleme: Betrüger geben sich als Polizei oder Behörden aus und behaupten, das Opfer habe unbezahlte Geldstrafen.
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Auch die Zahlungsmethoden haben sich verändert. Banküberweisungen und Kryptowährungen dominieren: Banküberweisungen machen rund 40 Prozent der gemeldeten Verluste aus, Kryptowährungen weitere 21 Prozent. Diese Methoden sind bei Betrügern beliebt, weil die Transaktionen schnell ablaufen und Verbraucher sie kaum rückgängig machen können.

Wer verliert wie viel?

Die finanziellen Schäden verteilen sich ungleich. 2024 erreichten die Gesamtverluste durch Betrug 12,5 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Betrugsmeldungen blieb mit 2,6 Millionen relativ stabil, doch der Anteil der Geschädigten stieg von 27 Prozent (2023) auf 38 Prozent (2024).

Anlagebetrug bleibt mit 5,7 Milliarden Dollar die teuerste Kategorie, doch Identitätstäuschung ist die am häufigsten gemeldete. Besonders stark gestiegen sind die Verluste durch angebliche Regierungsbeamte: von 171 Millionen Dollar (2023) auf 789 Millionen Dollar (2024).

Die Altersstruktur zeigt ein interessantes Muster: Jüngere Verbraucher zwischen 20 und 29 Jahren werden häufiger Opfer, verlieren aber geringere Beträge. Menschen über 70 hingegen erleiden seltener einen Verlust, wenn es aber passiert, sind die Summen deutlich höher. Ältere Menschen sind daher bevorzugte Ziele für teure Maschen wie Gewinnspiele, Anlagebetrug oder den „Enkeltrick“.

Ausblick: Noch schärfere Regeln geplant

Die FTC denkt bereits über weitere Verschärfungen nach. Eine ergänzende Regelung soll das Verbot der Identitätstäuschung auch auf Privatpersonen ausweiten. Zudem sollen diejenigen belangt werden können, die Betrügern die technischen Mittel zur Verfügung stellen – etwa KI-generierte Deepfakes oder spezielle Software.

Da Betrüger ihre Techniken ständig verfeinern, will die FTC künftig enger mit anderen Bundesbehörden zusammenarbeiten. Erst im Frühjahr unterzeichneten FTC und die Kommunikationsbehörde FCC eine Absichtserklärung zur verstärkten Kooperation bei Verbraucherschutzfragen, insbesondere bei illegalem Telefonmarketing und SMS-Betrug.

Branchenbeobachter erwarten, dass die FTC auch 2026 mit spektakulären Verfahren Schlagzeilen machen wird – mit besonderem Fokus auf neue Technologien, die massenhaften Identitätsbetrug ermöglichen. Die Behörde selbst betont: Sie werde niemals Geld fordern, Drohungen aussprechen oder Preise gegen Zahlung versprechen. Verbraucher sollten bei unerwarteten Aufforderungen zu Banküberweisungen oder Kryptozahlungen stets misstrauisch bleiben.