Führerschein-Reform: Digitales Lernen soll Kosten senken

Die geplante Reform des Bundesverkehrsministeriums sieht digitale Theorie, mehr Simulatorstunden und kürzere Prüfungen vor, um Kosten zu senken und Wartezeiten zu verkürzen.

Deutschlands Fahrschulen stehen vor der größten Modernisierung seit Jahrzehnten. Das Bundesverkehrsministerium plant eine umfassende Digitalisierung der Fahrausbildung – mit Online-Theorie und mehr Simulatorstunden.

Theorie-Unterricht wird komplett digital

Die starre Präsenzpflicht im Theorie-Unterricht soll fallen. Fahrschüler können künftig ihren gesamten theoretischen Unterricht über zertifizierte digitale Plattformen absolvieren. Das Bundesverkehrsministerium unter Patrick Schnieder (CDU) will damit vor allem Flexibilität erhöhen.

Besonders Menschen in ländlichen Regionen oder mit unflexiblen Arbeitszeiten profitieren von dieser Neuerung. Die Reform zielt darauf ab, die Unterrichtsqualität bundesweit zu standardisieren und gleichzeitig die Kosten zu senken. Denn digitale Lernangebote machen teure Unterrichtsräume überflüssig.

Simulatoren ersetzen Praxisstunden

Die hohen Kosten für den Führerschein sind ein zentrales Problem. Aktuell liegen sie im Schnitt bei 3.400 Euro für die Klasse B. Die Reform setzt hier auf moderne Technologie: Hochwertige Fahrsimulatoren sollen bestimmte Pflichtstunden ersetzen.

Konkret könnten Nacht- und Autobahnfahrten teilweise oder ganz im Simulator absolviert werden. Diese Stunden sind deutlich günstiger als Unterricht im realen Fahrzeug. Zudem wird die praktische Prüfung auf 25 Minuten verkürzt – das europäische Minimum.

Diese Verkürzung hat einen praktischen Nebeneffekt: Prüfer können mehr Prüfungen pro Tag abnehmen. Die monatelangen Wartezeiten der vergangenen Jahre sollen so der Vergangenheit angehören.

Mehr Transparenz für Fahrschüler

Ein weiterer Baustein ist mehr Markttransparenz. Das Ministerium plant eine öffentliche Online-Datenbank, in der Fahrschulen verglichen werden können. Preise und Bestehensquoten werden dort für jeden einsehbar sein.

Verbraucherschützer begrüßen diesen Schritt. Fahrschüler können sich künftig bewusst für eine Schule entscheiden – nicht nur nach Lage, sondern nach Leistung. Das soll den Wettbewerb ankurbeln und für faire Preise sorgen.

Gleichzeitig wird der Lernstoff entschlackt. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung schrumpft um etwa ein Drittel. Statt reiner Auswendiglernerei steht künftig das Verständnis für Verkehrssicherheit im Vordergrund.

Kontroverse Diskussionen in der Branche

Die Pläne sorgen für hitzige Debatten. Während Verbraucherschützer die geplanten Erleichterungen begrüßen, zeigen sich Fahrschulverbände skeptisch. Sie warnen vor Qualitätseinbußen bei rein digitalem Unterricht.

Die persönliche Interaktion zwischen Fahrlehrer und Schüler bleibe unverzichtbar für verantwortungsvolles Fahren, argumentieren die Kritiker. Besonders umstritten ist eine experimentelle Klausel, die Verwandten die Begleitung bei Fahrstunden ermöglichen könnte.

Bis Mitte 2026 soll der Rechtsrahmen für die Reform stehen. Gelingt die Umsetzung, könnte der Führerschein für kommende Generationen deutlich zugänglicher werden. Die Art, wie Deutschland das Fahren lernt, steht vor einem grundlegenden Wandel.