Die Digital- und Technologieminister der G20 haben eine Sechs-Säulen-Technologieerklärung zu Künstlicher Intelligenz verabschiedet. Das Papier legt den Schwerpunkt auf die Erprobung von KI-Systemen im öffentlichen Sektor und breit angelegte Weiterbildungsmaßnahmen für Beschäftigte.
Regulatorische Vorgaben und das Urheberrecht bleiben hingegen ausdrücklich der Gesetzgebung der einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen. Wie aus Berichten hervorgeht, folgte die Einigung auf ein Ministertreffen am 2. September in Chapel Hill im US-Bundesstaat North Carolina.
Fokus auf Praxisanwendungen und Weiterbildung
Im Zentrum der Vereinbarung stehen die sogenannten Carolina Principles. Diese sehen vor, gezielt in die Grundlagenforschung zu investieren, den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Markt zu beschleunigen und sichere Praxistests zu ermöglichen. Die Mitgliedsstaaten planen, den öffentlichen Sektor als Vorreiter für Testläufe zu nutzen.
Pilotprojekte sollen insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Verkehr, Notfallmanagement und öffentliche Verwaltung umgesetzt werden. Als grundlegende Voraussetzungen dafür nannten die Minister eine gesicherte Datenbasis, robuste Netze, ausreichende Rechenkapazitäten, qualifiziertes Personal sowie Transparenz.
Mit den begleitenden Wohlstandszielen setzen die Staaten auf freiwillige Schulungspartnerschaften, um Arbeitskräfte auf den technologischen Wandel vorzubereiten. Verbindliche Zielvorgaben für staatliche Ausgaben wurden dabei jedoch nicht festgelegt.
Fehlende Einigung auf verbindliche Regulierungen
Auf supranationale Kontrollmechanismen verzichteten die Verhandlungspartner. Die Erklärung sieht weder eine gemeinsame Aufsichtsbehörde noch ein einheitliches Testregime oder verbindliche Lizenzierungsverfahren vor.
Während die G20 auf nationale Rahmenwerke setzt, gelten in Europa bereits strikte Regeln für den Einsatz von Algorithmen. Welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Unternehmen nun konkret bei der Dokumentation beachten müssen, klärt dieser kostenlose Report auf. Anforderungen der KI-Verordnung jetzt prüfen
Auch beim Thema Urheberrecht konnte kein gemeinsamer Konsens erzielt werden, sodass weiterhin nationale Bestimmungen und Verfahren maßgeblich bleiben. Als Bewährungsprobe für die Vereinbarung gelten der bevorstehende G20-Gipfel im Dezember sowie die jeweiligen nationalen Haushaltsberatungen.
Dass die weltweiten Vorstellungen über die Steuerung von KI auseinandergehen, zeigte sich auch abseits des Treffens. Kanadas KI-Minister Evan Solomon erklärte in Toronto, dass G7 und G20 an einem pragmatischen Weg zur Regulierung arbeiteten, und forderte einen direkten Notfallkanal bei Sicherheitsfragen.
Im UN-Sicherheitsrat sprachen sich am 23. September Vertreter führender KI-Unternehmen – darunter die Unternehmenschefs Sam Altman von OpenAI, Dario Amodei von Anthropic und Clément Delangue von Hugging Face – gemeinsam mit dem Forscher Yoshua Bengio für koordinierte Sicherheitsmaßnahmen aus.
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Eine Resolution kam jedoch nicht zustande. Der US-Wissenschaftsberater Michael Kratsios lehnte im Sicherheitsrat neue globale Governance-Strukturen ab und plädierte stattdessen für nationale Rahmenwerke.
Während Frankreich und Großbritannien gemeinsame Prinzipien befürworteten, warb China für einen UN-zentrierten Rahmen, und Russland bezweifelte die Zuständigkeit des Sicherheitsrats. Somalia wiederum forderte mehr Rechenkapazitäten und afrikanische Beteiligung im Einklang mit der Kontinentalstrategie der Afrikanischen Union von 2024.
Zahlreiche regionale Initiativen zur Fachkräftebildung
Während verbindliche globale Leitplanken ausbleiben, gewinnen konkrete Ausbildungsinitiativen an Dynamik. Die Afrikanische Entwicklungsbank startete gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, Google und Apolitical am Rande der UN-Generalversammlung kostenlose Schulungen für afrikanische Verwaltungsangestellte.
Einer Untersuchung der Entwicklungsbank zufolge könnte eine inklusive KI-Nutzung bis 2035 bis zu 1 Billion US-Dollar zusätzliches Bruttoinlandsprodukt für den Kontinent generieren.
Ähnliche Programme laufen auch im Nahen Osten und in Asien an: Die Vereinigten Arabischen Emirate und der Libanon vereinbarten eine initiative zur Schulung von einer Million Menschen in generativer KI. In Singapur verpflichteten sich 23 Finanzinstitute, bis 2028 über 80.000 Beschäftigte im Bereich KI-Kompetenzen weiterzubilden.
Singapurs Vize-Premier Gan Kim Yong betonte, dass der Finanzsektor rund 14 Prozent der nationalen Wirtschaft ausmache und etwa 200.000 Personen beschäftige, weshalb Schulungen für Fach- und Führungskräfte höchste Priorität hätten.

