G7-Finanzminister: Gemeinsame Übungen gegen KI-Angriffe aufs Finanzsystem

Die G7-Finanzbehörden entwickeln Simulationen, um Krisenprotokolle gegen KI-gestützte Angriffe zu testen und bei Bedarf anzupassen.

•

Die Finanzminister und Zentralbankchefs der G7-Staaten haben bei ihrem Treffen in Bangkok vereinbart, sogenannte Tabletop-Übungen zur Simulation von Cyberangriffen mit Künstlicher Intelligenz auf das Finanzsystem durchzuführen.

Die Zusammenkunft fand am 15. Oktober 2026 am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank unter französischer Präsidentschaft statt. Die Einigung auf die gemeinsamen Abwehrübungen bestätigte Japans Finanzministerin Satsuki Katayama.

Tabletop-Übungen zur Überprüfung von Notfallplänen

Die Finanzminister der Staatengruppe – bestehend aus Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, dem Vereinigten Königreich und den USA – genehmigten das Vorhaben auf Ministerebene. Zuvor hatten bereits die Finanzvizeminister der G7 den Einsatz entsprechender Trockenübungen mit Blick auf hochentwickelte Basismodelle erörtert.

Die zuständigen G7-Finanzbehörden sollen nun die konkreten Szenarien ausarbeiten. Ziel der Simulationen ist es, bestehende Reaktionsprotokolle einem Praxistest zu unterziehen und Krisenhandbücher bei Bedarf anzupassen. Je nach Ausgestaltung der Szenarien ist zudem vorgesehen, private Finanzinstitute in den Ablauf einzubinden.

Katayama bezeichnete die geplanten Simulationen als eine große Weiterentwicklung und hob die Verteidigungsübungen gegen automatisierte Angriffe als wichtigen Fortschritt hervor.

Anzeige

Während staatliche Institutionen komplexe Simulationen planen, stellt die neue KI-Verordnung bereits heute konkrete Anforderungen an die Sicherheit und Dokumentation von KI-Systemen in Unternehmen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle neuen Pflichten und Risikoklassen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Während die französische G7-Präsidentschaft in einer Notiz auf Bedrohungen durch Frontier-KI hinwies und angesichts der grenzüberschreitenden Natur von Finanzdienstleistungen eine gemeinsame Vorbereitung anmahnte, blieb die offizielle Mitteilung der Gastgeber zurückhaltender. Diese erwähnte lediglich allgemeine Beratungen über die Auswirkungen von KI-Modellen auf Cyberrisiken im Finanzsektor. Der genaue Zeitplan, das Format sowie die finale Teilnehmerliste der Übungen sind derzeit noch offen.

Währungshüter warnen vor systemischen Risiken

Die Initiative der G7 folgt auf deutliche Warnungen internationaler Finanzinstitutionen vor den Gefahren moderner KI-Technologien. Der Internationale Währungsfonds stufte KI-gestützte Cyberkriminalität in seinem Bericht zur globalen Finanzstabilität als eine der drei größten Bedrohungen für die weltweite Stabilität ein.

Demnach fungieren KI-Modelle als leistungsfähige Werkzeuge für Angreifer und stellen eine Quelle systemischer Risiken dar, da Vorfälle bei kritischen Dienstleistungen das Vertrauen in Institute und das gesamte Finanzsystem untergraben könnten.

IWF-Direktorin Kristalina Georgiewa identifizierte drei zentrale Gefahrenkanäle: Ausfälle bei kritischen Zahlungs-, Transaktions- und Kontosystemen, weitreichende Störungen gemeinsam genutzter Dienste sowie einen Vertrauensverlust, wenn Institute ihre Sicherheit nicht mehr belegen können.

Anzeige

Wer sich mit dem Schutz vor modernen Cyber-Bedrohungen befasst, muss heute sowohl technische als auch rechtliche Aspekte berücksichtigen, um Sicherheitslücken effektiv zu schließen. Dieses kostenlose E-Book enthüllt, wie Unternehmen proaktiv auf neue Bedrohungen und gesetzliche Anforderungen reagieren können. Gratis-Ratgeber für IT-Sicherheit herunterladen

Georgiewa betonte, die Geschwindigkeit bei der Erkennung von Bedrohungen halte nicht mit dem Tempo und dem Ausmaß der Angriffe Schritt. Notwendig seien flexible Krisenpläne, Schutzzonen bei Bedarf, der Schutz kritischer Infrastruktur sowie Transparenz entlang der Lieferketten.

Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte in einer Erklärung anlässlich der Tagung fest, dass neue Frontier-Modelle operationelle Verwundbarkeiten und Cyberrisiken vergrößern.

Die Bank of England arbeitet unterdessen mit Geschäftsbanken an Lösungen zur Wiederherstellung von Systemen nach Zwischenfällen; ihr Vizegouverneur mahnte, Institute könnten nicht mehr automatisch von einer ausreichenden Abwehr gegen KI-Angriffe ausgehen.

Bereits zuvor hatte eine Cyber-Expertengruppe der G7 eine behördenübergreifende Simulation eines Angriffs auf die Mitgliedsstaaten abgeschlossen, während das US-Finanzministerium am 31. Juli 2026 eine langfristige Strategie für eine höhere Übungsfrequenz vorgestellt hatte.