Die betriebliche Arbeitswelt vollzieht einen grundlegenden Übergang von der traditionellen Office-Automatisierung hin zu vernetzten, durch künstliche Intelligenz gestützten Kollaborationsplattformen. Während einfache Assistenzsysteme und Einzellösungen bislang isolierte Arbeitsabläufe begleiteten, rücken zunehmend koordinierte Systeme und autonome Agenten in den Mittelpunkt der Unternehmensführung und Workflow-Steuerung.
Gartner prognostiziert tiefgreifenden Umbau der IT-Organisationen
Laut einer Branchenanalyse des Forschungsunternehmens Gartner stehen den IT-Betriebs- und Infrastrukturbereichen (I&O) erhebliche Umbrüche bevor. Bis zum Jahr 2030 werden demnach 50 % der I&O-Organisationen umstrukturiert, da deren Führungskräfte vermehrt in KI-Agenten für komplexe Management-Aufgaben investieren. Allerdings schätzt Gartner, dass über 90 % dieser Organisationen gegenwärtig nicht auf eine solche Neuausrichtung vorbereitet sind.
Jonathan Forest, VP Analyst bei Gartner, hob hervor, dass sich Unternehmen einem Wendepunkt nähern: Beschäftigte, die lediglich isolierte KI-Werkzeuge bedienen, arbeiten bald langsamer und ineffizienter als Teams, die agentische KI gezielt steuern.
Ohne entsprechende organisatorische Anpassungen drohten steigende Kosten, schwindende operative Agilität, Leistungseinbußen und auf lange Sicht der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.
Auch die Unternehmensberatung Bain & Company weist darauf hin, dass Betriebe zwar bereits Milliarden in KI und Automatisierung gesteckt haben, bisher jedoch überwiegend nur geringfügige Produktivitätsgewinne erzielen. Die Berater plädieren daher für ein fortlaufendes Produktivitätssystem, in dem Mensch und Technologie zyklisch voneinander lernen.
Reibungsverluste und Nachholbedarf beim Prozess-Design
Dass Investitionen in KI-Werkzeuge nicht automatisch reibungslos greifen, belegen empirische Erhebungen. In einer von Sapio Research im Sommer 2026 durchgeführten Camunda-Studie unter 1.000 IT- und Transformationsentscheidern erklärten 78 %, dass eine Neugestaltung der Prozesse unerlässlich sei, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Zwar sehen 79 % weniger internen Widerstand gegen den Einsatz von KI in bestehenden Abläufen als gegen ein tiefgreifendes Redesign, doch 61 % gaben an, dass die Prozessanpassung hinter der angestrebten Technologie-Adoption zurückbleibe.
Versäumnisse bei den Abläufen haben konkrete finanzielle Konsequenzen: 72 % der befragten Entscheider berichteten, dass Prozessmängel zum Scheitern von KI-Initiativen beitrugen, was durchschnittliche Kosten von 1,55 Mio. USD pro Unternehmen verursachte.
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Entsprechend erwarten 82 %, dass KI-Investitionen ohne zusätzliche Ausgaben für Prozessüberarbeitungen hinter den Erwartungen zurückbleiben. Zudem verzeichneten 40 % der befragten Firmen innerhalb eines Jahres Governance- oder Compliance-Probleme rund um KI, wobei in 84 % dieser Vorfälle unzureichende Prozesse im Spiel waren.
Während 89 % der Organisationen den Einsatz als produktivitätssteigernd einstufen, teilen dies auf Mitarbeiterebene nur 64 %; 44 % der Beschäftigten mussten KI-Ergebnisse bei fehlerhaft konfigurierten Prozessen manuell korrigieren.
Diese Diskrepanz spiegelt sich in einer Erhebung von Ricoh wider: Zwar glauben 91 % der Entscheider an den erwarteten Wertbeitrag ihrer KI-Investitionen, doch 53 % der Beschäftigten empfinden die Werkzeuge als Quelle von Reibung und Mehraufwand. 55 % gaben an, dass Zeitaufwände für unzulängliche Technologie die Produktivität belasten.
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Während 90 % der Führungskräfte die Vernetzung der Werkzeuge optimistisch bewerten, fordern 76 % der Angestellten eine bessere Abstimmung der Systeme.
Kollaborationsprobleme betreffen dabei 14 % der reinen Heimarbeiter, 16 % der Beschäftigten im Büro und 25 % der hybrid Tätigen. Zudem nutzen 45 % der Mitarbeiter mindestens monatlich nicht genehmigte Schatten-KI, während 81 % der Entscheider schneller investieren, als sie die Belegschaft bei der Einführung unterstützen.
Plattformanbieter rüsten auf vernetzte Agenten und Governance um
Als Reaktion auf die Integrationsprobleme erweitern führende Softwarehersteller ihre Plattformen um ganzheitliche Architekturen. Microsoft bietet mit Work IQ für Business Applications eine öffentliche Vorabversion auf Basis von Dataverse, bei der Agenten und Assistenten Geschäftskontexte über ein gemeinsames semantisches Modell erfassen. Das System wird Ende Oktober 2026 auf der Power Platform Community Conference in Las Vegas mit neuen Integrationswerkzeugen präsentiert.
SAP bündelt Technologiekomponenten zur SAP Business AI Platform mit dem Ziel des autonomen Unternehmens, basierend auf einer Datenbasis über 7,3 Mio. Tabellen. Auf der Konferenz SAP Sapphire wurden bereits über 250 Agenten und mehr als 50 KI-Assistenten vorgestellt, die unter Einhaltung des Managementsystems nach ISO 42001 betrieben werden.
Atlassian wiederum präsentierte auf der europäischen Konferenz in Amsterdam ein Multi-Agenten-Protokoll, das die Zusammenarbeit von Software-Agenten direkt in Jira und Confluence mit nachvollziehbaren Identitäten und Berechtigungen integriert.
Auch Automatisierungsanbieter wie Make setzen auf Transparenz und Kontrollmechanismen, um Abläufe vor kritischen Schritten durch manuelle Freigaben abzusichern.

