Cybersicherheitsexperten steuern 2026 in unbekanntes Terrain. Grund sind autonome KI-Agenten, nahende Quantencomputer-Bedrohungen und extrem volatile Regulierungen. Das geht aus den Top-Trends des Analysehauses Gartner hervor, die am Sonntag in Bangkok vorgestellt wurden.
KI als eigenständiger Akteur – nicht mehr nur Werkzeug
Die größte Veränderung ist der Übergang von generativer KI als Werkzeug zu „agentischer KI“. Diese autonomen Systeme können unabhängig handeln, Entscheidungen treffen und mit anderen Systemen interagieren. Sie agieren wie „nicht-menschliche Mitarbeiter“ und schaffen völlig neue Angriffsflächen.
Ein damit verbundenes Risiko ist das sogenannte „Vibe Coding“. Dabei erstellen fachfremde Mitarbeiter mit Low-Code-Plattformen und Sprachbefehlen massenhaft Software. Diese Demokratisierung der Entwicklung führt zu einer Flut unkontrollierter KI-Agenten in Unternehmensnetzwerken. Gartner warnt vor unsicherem Code und Compliance-Verstößen. Die Analysten raten zu Governance-Rahmenwerken, die diese Agenten wie menschliche Mitarbeiter überwachen.
Quanten-Countdown: Daten heute stehlen, morgen entschlüsseln
Die zweite große Bedrohung kommt von Quantencomputern. Auch wenn ein vollständig fehlertoleranter Quantencomputer noch Jahre entfernt ist, ist die Gefahr für heutige Verschlüsselung akut.
Gartner betont die Gefahr von „Harvest Now, Decrypt Later“-Angriffen. Staatliche Akteure könnten heute verschlüsselte Daten – wie Geschäftsgeheimnisse oder Gesundheitsakten – stehlen, um sie später mit ausgereifter Quantentechnologie zu knacken. Da Quantencomputer aktuelle asymmetrische Verschlüsselung voraussichtlich bis 2030 brechen werden, schließt sich das Zeitfenster zum Handeln. Unternehmen müssen sofort auf Post-Quanten-Kryptografie (PQC) umstellen.
Regulatorisches Chaos und persönliche Haftung für Manager
Geopolitische Spannungen verwandeln Cybersicherheit von einem technischen in ein geschäftskritisches Risiko. Gartner spricht von „globaler regulatorischer Volatilität“.
Ein zentraler Aspekt ist die wachsende persönliche Haftung von Vorständen und Geschäftsführern. Regulierer weltweit halten Führungskräfte zunehmend persönlich für Sicherheitspannen verantwortlich. Das erfordert eine formalisierte Zusammenarbeit zwischen Rechtsabteilung, Einkauf und IT, um Compliance sicherzustellen und die Führungsetage zu schützen.
Identity-Management für die Maschinen-Ära
Mit der Zunahme von KI-Agenten stoßen herkömmliche Identity- und Access-Management (IAM)-Systeme an ihre Grenzen. Sicherheitsrahmen für Menschen – mit statischen Passwörtern oder Biometrie – sind für autonome Agenten ungeeignet, die sich Millisekunden nach ihrer Erstellung authentifizieren müssen. Das Versäumnis, IAM an diese „Maschinen-Identitäten“ anzupassen, erhöht das Risiko für Zugriffs-bezogene Sicherheitsverletzungen erheblich.
Warum klassische Security-Schulungen versagen
Herkömmliche Sicherheitstrainings wirken nicht mehr. Eine Gartner-Umfrage Ende 2025 ergab, dass 57 % der Mitarbeiter private KI-Konten für die Arbeit nutzen. Ein Drittel gab zu, sensible Firmendaten in nicht genehmigte Tools einzugeben.
Standard-Compliance-Trainings konnten dieses Verhalten nicht eindämmen. Gartner empfiehlt einen Wechsel zu adaptivem, verhaltensbasiertem Training. Dieses geht über generische „Nicht-auf-Links-klicken“-Module hinaus und adressiert KI-spezifische Risiken wie Datenschutz in großen Sprachmodellen.
Wer sich jetzt gegen KI-Agenten, BEC und das wachsende Risiko durch „Harvest Now, Decrypt Later“-Angriffe schützen möchte, braucht mehr als Standard-Schulungen. Ein neuer Gratis-Report zu Cyber Security Awareness Trends zeigt, welche praktischen Maßnahmen, adaptive Trainings und Governance-Schritte Unternehmen sofort umsetzen sollten, um Resilienz zu stärken. Jetzt kostenlosen Cyber-Security-Report herunterladen
Ausblick: Widerstandsfähigkeit wird zum neuen Ziel
Die erfolgreichsten Unternehmen werden 2026 jene sein, die Resilienz über absoluten Schutz stellen. Angesichts sich ausdehnender Angriffsflächen und bedrohter Verschlüsselung geht es nicht mehr nur darum, Angriffe zu verhindern, sondern darum, sie zu überstehen und sich schnell zu erholen.
Bis 2028 werden laut Gartner 50 % der Unternehmen Lösungen gegen Desinformation einsetzen, um KI-verstärkte Betrugsangriffe wie Business Email Compromise (BEC) zu bekämpfen. Heute sind es nur 5 %.
Die Botschaft an Sicherheitsverantwortliche (CISOs) ist klar: Die Werkzeuge und Strategien aus der Vor-KI- und Vor-Quanten-Ära werden rapide obsolet.





