Der Microsoft-Mitgründer sagte seinen Auftritt in letzter Minute ab – und lenkt die Aufmerksamkeit auf alte Kontroversen. Die Absage ist ein Rückschlag für den hochkarätig besetzten Gipfel, der Indien als globale KI-Macht etablieren soll.
New Delhi – Eigentlich sollte Bill Gates eine der Hauptattraktionen sein. Doch nur Stunden vor seiner geplanten Keynote auf dem India AI Impact Summit 2026 zog der Milliardär und Philanthrop seine Teilnahme überraschend zurück. Stattdessen sprach Ankur Vora, Präsident der Bill & Melinda Gates Foundation für Afrika und Indien. Die offizielle Begründung: Man wolle den Fokus auf die Kernziele des Gipfels bewahren.
Doch diese Erklärung wirkt wie eine Schutzbehauptung. Denn die Stornierung erfolgte abrupt. Noch zwei Tage zuvor hatte die Stiftung Gerüchte über eine Absage dementiert und Gates‘ Teilnahme bestätigt. Der Philanthrop war bereits seit dem 16. Februar im Land, für Termine zu Landwirtschaft und Gesundheitstechnologie. Seine plötzliche Abkehr von der Hauptbühne des KI-Gipfels nährt daher Spekulationen.
Im Fadenkreuz der Epstein-Affäre
Hinter der Entscheidung steht wohl die erneute mediale Aufmerksamkeit für Gates‘ vergangene Verbindungen zu Jeffrey Epstein. Die Veröffentlichung von Dokumenten des US-Justizministeriums Ende Januar hat die Kontroverse neu entfacht. Insider berichten, dass sowohl die indische Regierung als auch die Organisatoren fürchteten, Gates‘ Präsenz könnte zum ungewollten Hauptthema werden.
Die Sorge: Die Debatte würde sich von Indiens KI-Ambitionen hin zu den persönlichen Verstrickungen des Tech-Pioniers verschieben. Gates hatte zuvor eingeräumt, die Treffen mit dem verurteilten Sexualstraftäter seien ein Fehler gewesen und hätten nur philanthropische Themen betroffen. Die Absage erscheint somit als taktischer Schachzug, um den Gipfel vor unerwünschten Schlagzeilen zu schützen.
Ein Gipfel mit Geburtswehen
Die Absage des zweiten prominenten Redners – nach Nvidia-Chef Jensen Huang – ist nur ein Problem von vielen. Der Gipfel kämpft mit erheblichen organisatorischen Schwierigkeiten. Anwohner und Teilnehmer beklagen chaotische Verkehrsverhältnisse in New Delhi aufgrund weiträumiger Straßensperrungen für VIPs.
Skurrile Vorfälle trüben das Bild zusätzlich. Eine indische Universität wurde von der Messe verwiesen, nachdem sie einen kommerziell erhältlichen Roboterhund aus chinesischer Produktion als eigene Erfindung präsentiert hatte. Zudem wurden Ausstellungshallen am Donnerstag überraschend für die Öffentlichkeit geschlossen, was bei zahlenden Ausstellern für Unmut sorgte. Die Häufung der Pannen wirft Fragen nach dem Management der prestigeträchtigen Veranstaltung auf.
Ambitionen trotz Turbulenzen
Trotz der Rückschläge verfolgt Indien sein Ziel unbeirrt weiter: Das Land will sich als führende Stimme in der globalen KI-Governance etablieren und Investitionen anlocken. Dazu setzt es auf prominente Unterstützung. Premierminister Narendra Modi eröffnete den Gipfel gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.
An ihrer Seite: Google-CEO Sundar Pichai, OpenAI-Chef Sam Altman und weitere Top-Manager der Tech-Branche. Dieser Schulterschluss zeigt Wirkung. Während des Gipfels sagten Konzerne und Tech-Firmen Investitionen in KI-Projekte im Umfang von über 100 Milliarden Euro zu. Das unterstreicht die immense Anziehungskraft des indischen Marktes.
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Der schmale Grat der globalen Bühne
Der Vorfall um Bill Gates demonstriert die komplexe Gemengelage aus Technologie, Geopolitik und persönlicher Historie, die heute globale Foren prägt. Für Indien zeigt er die immense Herausforderung, eine Weltveranstaltung zu organisieren, während unvorhersehbare Kontroversen die geladenen Stars einholen können.
Die Gates Foundation betonte in ihrer Stellungnahme weiterhin ihr „volles Engagement für die gemeinsamen Gesundheits- und Entwicklungsziele in Indien“. Der Fokus liegt nun darauf, ob der Gipfel seine holprige Startphase überwinden kann. Der Erfolg wird letztlich nicht an abgesagten Rednern, sondern an konkreten politischen Weichenstellungen und nachhaltigen Partnerschaften gemessen. Die Schatten der Turbulenzen müssen verblassen, damit Indiens KI-Zukunft im Rampenlicht steht.





