Der Microsoft-Mitgründer sagte seine Keynote auf dem India AI Impact Summit kurzfristig ab. Die Absage fällt in eine Zeit intensiver Diskussionen um seine früheren Kontakte zu Jeffrey Epstein.
New Delhi – Einen Paukenschlag gab es zum Auftakt des India AI Impact Summit: Bill Gates, einer der erwarteten Hauptredner, sagte seine Keynote am Donnerstag kurzfristig ab. Die Absage des Microsoft-Mitgründers erfolgte nur Stunden vor seinem geplanten Auftritt auf einem der wichtigsten Technologie-Gipfel des Jahres. Die Bill & Melinda Gates Foundation begründete den Schritt mit dem Wunsch, den Fokus der Veranstaltung auf ihre Kernziele zu lenken. Konkretere Gründe nannte sie nicht.
Die überraschende Entscheidung fällt in eine Phase, in der Gates‘ frühere Verbindungen zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erneut intensiv diskutiert werden. Erst Ende Januar hatte das US-Justizministerium Dokumente veröffentlicht, die Fragen zu dem Umfang der Beziehung aufwarfen. Gates hat die Treffen nach Epsteins Verurteilung 2008 bereits mehrfach als „Fehler“ bezeichnet und betont, es sei nur um philanthropische Gespräche gegangen.
Doppelter Ausfall für KI-Gipfel
Der Ausfall von Gates ist ein herber Rückschlag für den Gipfel, der Indien als führende Stimme in der KI-Governance des globalen Südens positionieren soll. Bereits zuvor hatte mit Nvidia-CEO Jensen Huang ein weiterer Top-Manager aus Krankheitsgründen abgesagt. Dennoch fand das Treffen im Bharat Mandapam in New Delhi mit hochrangigen Gästen statt. Neben Indiens Premierminister Narendra Modi und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron waren Google-CEO Sundar Pichai und OpenAI-Chef Sam Altman vor Ort.
Besonders pikant: Die Gates Foundation hatte Gerüchte über eine Absage noch 48 Stunden zuvor dementiert. Gates hielt sich bereits in Indien auf und hatte zuvor an offiziellen Terminen teilgenommen. Die plötzliche Kehrtwende nährt Spekulationen, dass die anhaltende Epstein-Kontroverse für Gates und die Veranstalter zu groß geworden war.
Modi setzt auf sichere KI-Entwicklung
Trotz der Absagen verlagerte sich der Fokus schnell auf die verbliebenen Redner und konkrete Ergebnisse. Premierminister Modi warb in seiner Rede für einen „kind- und familiengeleiteten“ Ansatz in der KI-Entwicklung und betonte Sicherheit und Regulierung. Der Gipfel konnte zudem substanzielle Investitionszusagen für den Ausbau der KI-Infrastruktur in Indien verbuchen. Dies unterstreicht die wachsende strategische Bedeutung des Landes in der globalen Tech-Landschaft.
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Das abrupte Ende von Gates‘ geplanter Teilnahme zeigt, wie persönliche Kontroversen großer Persönlichkeiten internationale Großevents beeinflussen können. Für Veranstalter wird deutlich: Die Buchung von Top-Referenten birgt stets Reputationsrisiken. Analysten sehen einen Trend, in dem vergangene Verbindungen durch neue Dokumentenlagen schnell wieder hochkochen und die eigentliche Mission von Stiftungen oder Unternehmen in den Hintergrund drängen können.
Langfristige Schatten für die Philanthropie?
Die Gates Foundation betonte ihr unverändertes Engagement für Gesundheits- und Entwicklungsprojekte in Indien. Doch der Vorfall auf dem KI-Gipfel dürfte nachhallen. Er unterstreicht die Herausforderungen, vor denen prominente Persönlichkeiten bei der Pflege ihres öffentlichen Images stehen. Selbst in der schnelllebigen Tech-Welt, die nach vorne blickt, können die Schatten der Vergangenheit lang sein und selbst mächtige Akteure zum Kurswechsel zwingen.
Für die aufstrebende KI-Branche in Indien bleiben die in New Delhi geführten Debatten über Governance und Investitionen entscheidend. Die Absage eines Bill Gates ist dabei nur eine Fußnote – aber eine, die zeigt, wie fragil die Planung auf der großen Bühne der internationalen Politik sein kann.





