Der Microsoft-Mitgründer hat seine Keynote beim India AI Impact Summit kurzfristig abgesagt. Die Absage wirft einen Schatten auf das hochkarätige Treffen, das Indiens Führungsanspruch in der KI-Regulierung untermauern sollte.
Die Stiftung des Milliardärs gab am Donnerstagmorgen bekannt, dass Bill Gates nicht wie geplant auf der Bühne stehen werde. Man wolle sicherstellen, dass der Fokus auf den Kernzielen des Gipfels liege, hieß es in einer Erklärung. Vertreten wird die Bill & Melinda Gates Foundation stattdessen von Ankur Vora, dem Präsidenten der Afrika- und Indien-Büros.
Organisatorisches Chaos und prominente Absagen
Es ist bereits der zweite hochkarätige Ausfall binnen einer Woche. Zuvor hatte bereits Nvidia-Chef Jensen Huang seine Teilnahme abgesagt. Die Abwesenheit zweier Schlüsselfiguren der Tech-Branche trübt die Stimmung auf einem Gipfel, der Indien als globalen KI-Knotenpunkt etablieren sollte.
Vor Ort berichten Teilnehmer von erheblichen logistischen Problemen. VIP-Bewegungen und Straßensperrungen führten zu massiven Verkehrsbehinderungen in Neu-Delhi. Ausstellungshallen blieben unerwartet für das Publikum geschlossen, was viele ausstellende Startups vor leere Stände stellte.
Ein peinlicher Vorfall ereignete sich zudem mit einem Roboter-Hund, der als einheimische Innovation präsentiert wurde. Tatsächlich handelte es sich jedoch um ein in China gefertigtes Serienmodell. Die beteiligte Universität musste ihren Stand räumen. Solche Pannen stellen die Glaubwürdigkeit des ambitionierten Tech-Standorts infrage.
Modi wirbt für „sichere KI“ und lockt Milliarden-Investitionen
Trotz der Rückschläge verlief das inhaltliche Programm auf höchster Ebene. Premierminister Narendra Modi skizzierte seine Vision für eine demokratische und sichere KI-Landschaft. Er forderte einen besonderen Schutz für Kinder und Familien in der digitalen Sphäre – ähnlich wie bei der Gestaltung von Lehrplänen.
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Die Bühne vereinte zudem die härtesten Konkurrenten der Branche: Google-CEO Sundar Pichai, OpenAI-Chef Sam Altman und Anthropic-CEO Dario Amodei waren anwesend. Ihr gemeinsamer Auftritt unterstreicht die strategische Bedeutung des indischen Marktes.
Der Gipfel mündete in gewaltige Finanzzusagen. Berichten zufolge wurden mehr als 100 Milliarden Euro für KI-Investitionen zugesagt. Konglomerate wie die Adani Group und Tech-Giganten wie Microsoft wollen das Geld in Rechenzentren, Infrastruktur und Talentförderung stecken.
Hintergrund: Medienrummel um alte Epstein-Verbindungen
Beobachter bringen Gates‘ Absage mit der aktuellen Medienberichterstattung in Verbindung. Das US-Justizministerium hatte im Januar 2026 Dokumente veröffentlicht, die auch E-Mails im Umfeld des verstorbenen Finanziers Jeffrey Epstein betrafen.
Die neu aufgetauchten Unterlagen aus dem Jahr 2013 haben eine Welle von Nachfragen ausgelöst. Gates hat in der Vergangenheit stets betont, seine Treffen mit Epstein seien ein Fehler gewesen und ausschließlich wohltätigen Gesprächen gewidmet. Dennoch schien die aktuelle Nachrichtenlage seine Präsenz auf einem internationalen Forum zum unkalkulierbaren Risiko werden zu lassen.
Indiens KI-Ambitionen auf dem Prüfstand
Eigentlich sollte der Gipfel ein Meilenstein werden. Die Teilnahme des französischen Präsidenten Emmanuel Macron neben Modi unterstrich die geopolitische Dimension: Indien und Europa wollen in der Technologie eine Partnerschaft als Gegenpol zu US-amerikanischer und chinesischer Dominanz bilden.
Langfristig wird der Erfolg aber nicht an gehaltenen Reden, sondern an der Umsetzung der milliardenschweren Investitionsversprechen gemessen werden. Die Kapitalgeber signalisieren weiterhin großes Vertrauen in Indiens Potenzial als KI-Supermacht.
Doch die chaotischen Abläufe dieser Woche wirken als Warnschuss. Will Indien dauerhaft als Gastgeber für hochrangige Tech-Diplomatie ernst genommen werden, muss es zeigen, dass es auch unter globaler Beobachtung und bei logistischen Herausforderungen professionelle Weltklasse-Events stemmen kann.





