Geistige Leistungsfähigkeit im Alter und der Schutz vor kognitivem Verfall stehen seit Jahrzehnten im Fokus der neurologischen und gerontologischen Forschung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei strukturierten Interventionen, die gezielt einzelne mentale Funktionen trainieren.
Die Erkenntnisse aus langjährigen Nachbeobachtungen großer Studienprojekte zeigen, wie sich spezifische Trainingsformen auf den geistigen Erhalt und das spätere Auftreten von Demenzerkrankungen auswirken können.
Langzeiteffekte strukturierter Trainingsprogramme
Einen zentralen Bezugspunkt der kognitiven Interventionsforschung bildet die ACTIVE-Studie, die 1998 in sechs US-Metropolen gestartet wurde. An der Untersuchung nahmen 2.832 Erwachsene im Alter ab 65 Jahren teil. Das Durchschnittsalter der Probanden lag zu Beginn bei 73,6 Jahren; rund 75 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen und 26 Prozent Afroamerikaner.
Das Programm umfasste zehn Sitzungen von jeweils 60 bis 75 Minuten Dauer über einen Zeitraum von fünf bis sechs Wochen. Trainiert wurden dabei entweder das Gedächtnis, das logische Schlussfolgern oder die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Ein Teil der Probanden – 39 Prozent der Teilnehmer – erhielt nach 11 sowie nach 35 Monaten ergänzende Auffrischungssitzungen.
Nach zehn Jahren, bei einem erreichten Durchschnittsalter von 82 Jahren, zeigten die Daten fortbestehende Unterschiede zwischen den Gruppen. Beim logischen Schlussfolgern erreichten 73,6 Prozent der ehemals Trainierten das ursprüngliche Ausgangsniveau oder schnitten besser ab, während dieser Wert in der Kontrollgruppe bei 61,7 Prozent lag.
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Im Bereich der Verarbeitungsgeschwindigkeit hielten 70,7 Prozent der Trainingsgruppe ihr Niveau oder übertrafen es, verglichen mit 48,8 Prozent in der Kontrolle. Ein messbarer Gedächtnisgewinn war nach zehn Jahren hingegen nicht mehr nachweisbar.
Bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben berichteten rund 60 Prozent der Personen aus den Trainingsgruppen über gleichbleibende oder geringere Schwierigkeiten im Vergleich zu 49,3 Prozent der Kontrollgruppe. Leistungsbasierte Tests zeigten dabei jedoch keinen Effekt.
Verarbeitungsgeschwindigkeit und Demenzrisiko
In weiteren Auswertungen der ACTIVE-Kohorte untersuchten Wissenschaftler den Einfluss auf konkrete Demenzdiagnosen. Eine Analyse von Edwards an der University of South Florida erfasste im Jahr 2017 insgesamt 260 Demenzfälle über einen Zeitraum von zehn Jahren. Dabei wiesen Teilnehmende des Trainings zur Verarbeitungsgeschwindigkeit ein um 29 Prozent geringeres Risiko auf.
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Eine weiterführende Untersuchung von Coe an der University of Pennsylvania verknüpfte die Studiendaten von 2.021 Teilnehmern über den Zeitraum von 1999 bis 2019 mit Medicare-Aufzeichnungen. In der Kontrollgruppe erhielten 239 von 491 Personen (48,7 Prozent) im Laufe von 20 Jahren eine Demenzdiagnose.
Probanden, die das Geschwindigkeitstraining mit den zusätzlichen Auffrischungssitzungen kombiniert hatten, verzeichneten mit 105 Fällen unter 264 Teilnehmenden (40 Prozent) ein um rund 25 Prozent geringeres Risiko gegenüber den 49 Prozent in der Kontrolle.
Ohne die Auffrischungssitzungen zeigte sich hingegen kein messbarer Effekt. Über den gesamten Nachbeobachtungszeitraum verstarben 77 Prozent der Teilnehmer bei einem Durchschnittsalter von 83,9 Jahren.
Studienautorin Dr. Marilyn Albert wertet diese Befunde als Beleg dafür, dass sich das Demenzrisiko aktiv senken lässt. Innerhalb der ACTIVE-Studie wies ausschließlich das Training der Verarbeitungsgeschwindigkeit einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Reduktion des Demenzrisikos auf.
Ausblick auf weiterführende Studien
Die Frage, in welchem Umfang verstärkte Trainingsprogramme kognitive Reserven weiter stabilisieren können, wird gegenwärtig in nachfolgenden Großprojekten untersucht. Dazu zählt die PACT-Studie, die mit 7.500 Teilnehmern ein intensiviertes kognitives Training analysiert. Mit den Ergebnissen dieser Forschungsarbeit wird für das Jahr 2028 gerechnet.

