Geldwäsche-Skandal: ABLV Bank soll 2,1 Milliarden Euro gewaschen haben

Gerichte verhängen Haftstrafen, während KI-gestützte Kriminalität und Milliardenstrafen für Banken die Finanzwelt herausfordern.

Die europäischen Justizbehörden gehen derzeit massiv gegen bandenmäßigen Betrug und Geldwäsche vor. Während deutsche Gerichte mehrjährige Haftstrafen verhängen, warnen Experten vor der wachsenden Bedrohung durch KI-gestützte Kriminalität.

Harte Urteile und neue Verfahren

Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilte Anfang der Woche drei Mitglieder einer Betrügerbande zu langjährigen Haftstrafen. Eine 25-jährige Frau und ein 20-jähriger Mann erhielten jeweils sechs Jahre Haft, ein weiterer 20-Jähriger wurde zu viereinhalb Jahren verurteilt. Das Gericht bewertete das Vorgehen der Gruppe, die mit sogenannten Schockanrufen operierte, als besonders verwerflich.

Zu den Opfern zählten eine 88-jährige Frau aus Frankfurt sowie ein 86-jähriger Mann aus Offenbach, dem eine Münzsammlung im Wert von rund 175.000 Euro entwendet wurde. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Parallel dazu startete in Bamberg ein Prozess gegen zwei Männer (28 und 45). Die Anklage lautet auf gewerbs- und bandenmäßigen Betrug in über 400 Fällen. Die Beschuldigten sollen rund 170 Händlerkonten auf Amazon übernommen und einen Schaden von mehr als 200.000 Euro verursacht haben. Sechs Verhandlungstage sind bis September angesetzt.

In Kiel eröffnete zudem ein Verfahren gegen einen 43-jährigen Firmenchef wegen vorenthaltener Sozialabgaben. Der Schaden: über 3,6 Millionen Euro.

KI und die neue Dimension des Betrugs

Experten von Watchlist Internet beobachten eine zunehmende Professionalisierung des Finanzbetrugs durch Künstliche Intelligenz und Deepfakes. Die Masche: Potenzielle Opfer werden mit geringen Einstiegsbeträgen zwischen 150 und 250 Euro gelockt – am Ende stehen oft Verluste von über 100.000 Euro.

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Wie widerstandsfähig kriminelle Strukturen sind, zeigt das Beispiel der Phishing-Plattform Tycoon 2FA. Europol zerschlug Anfang des Jahres rund 300 zugehörige Domains – doch die Techniken tauchen laut Sicherheitsanalysten unter neuen Namen wie Mamba 2FA oder Sneaky 2FA wieder auf. Die Plattform war zuvor für monatlich rund neun Millionen Angriffe verantwortlich.

Milliardenstrafen für Banken

Auch etablierte Finanzinstitute geraten unter Druck. Das US-Finanzministerium verhängte eine Rekordstrafe von 125 Millionen US-Dollar gegen die UBS – die höchste jemals gegen einen Wertpapierhändler verhängte Sanktion. Hintergrund: Versäumnisse bei der Überwachung von Auslandsüberweisungen mit einem Volumen von über 10 Milliarden US-Dollar.

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In Deutschland rügte die BaFin jüngst die NordLB wegen Defiziten in der Geldwäscheprävention. Und auch die ABLV Bank steht im Fokus: Einem Bankier und einem Geschäftsmann wird vorgeworfen, über ein Netzwerk aus Reinigungsfirmen und Offshore-Gesellschaften 2,1 Milliarden Euro gewaschen zu haben.

Die globale Dimension

Die Vereinten Nationen und die EU schlagen Alarm wegen des Cyberbetrugs in Südostasien. Über 300.000 Menschen werden dort Schätzungen zufolge gezwungen, in spezialisierten Zentren Online-Betrug zu begehen. 2023 generierte diese kriminelle Branche in der Region einen Umsatz zwischen 18 und 37 Milliarden US-Dollar.

Die lokale Strafverfolgung setzt derweil auf die Mithilfe der Bevölkerung: Die Polizei Bremen fahndet nach einem Mann, der im vergangenen Jahr mit gefälschtem Ausweis ein Konto eröffnete, um fünfstellige Beträge aus Betrugsstraftaten entgegenzunehmen.