Gleichzeitig verschiebt sich der Release des Flaggschiff-Modells Gemini 3.5 Pro.
Nutzer-Feedback zwingt zum Handeln
Bereits Anfang der Woche hatte Google-Vizepräsident Josh Woodward öffentlich um Rückmeldungen zu den häufigsten Problemen der Gemini-Plattform gebeten. Die Resonanz war gewaltig: Über 1.700 Nutzer meldeten sich und benannten vor allem Schwierigkeiten bei der Integration in Googles Workspace-Umgebung, unzuverlässige Tool-Aufrufe und eine unübersichtliche Chat-Organisation als Hauptärgernisse.
Die Antwort des Konzerns lässt nicht lange auf sich warten. Geplant sind unter anderem die Einführung sogenannter Custom Skills sowie die Unterstützung des Model Context Protocol (MCP). Auch die Funktionen zur Nachrichtenbearbeitung und Spracheingabe sollen verbessert werden. Ein besonders häufig geäußerter Wunsch: die Möglichkeit, Deep-Research-Ergebnisse direkt in NotebookLM zu exportieren. Mehr Flexibilität beim Wechsel zwischen verschiedenen Modellen steht ebenfalls auf der Agenda.
Gemini 3.5 Pro kommt später – und anders
Der Zeitplan für Googles Spitzenmodell hat sich verschoben. Gemini 3.5 Pro soll nun am 17. Juli 2026 erscheinen – später als ursprünglich geplant. Grund dafür ist eine grundlegende Neuausrichtung: Google verwarf das ursprüngliche Basismodell zugunsten einer Version, die auf der Gemini-3-Architektur aufbaut.
Während Google seine Modelle optimiert, nutzen bereits viele Anwender KI, um ihren Alltag effizienter zu gestalten. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie ChatGPT und Co. ganz ohne Vorkenntnisse für die Reiseplanung oder Organisation einsetzen. Urlaub planen und Zeit sparen: KI-Alltags-Guide gratis herunterladen
Die technischen Daten des neuen Modells können sich sehen lassen: Ein Kontextfenster von zwei Millionen Tokens und spezielle „Deep Think“-Fähigkeiten für komplexe Reasoning-Aufgaben sind an Bord.
Die Verzögerung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Ende Juni hatte der Mutterkonzern Alphabet einen Marktwertverlust von rund 225 Milliarden Euro verkraften müssen. Analysten machten dafür vor allem die schleppenden Produktlaunches und den Abgang von Spitzenforschern zur Konkurrenz verantwortlich.
Gemischte Leistungswerte
Die jüngsten Benchmark-Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild. Im Android Bench vom 9. Juli belegte Gemini 3.1 Pro lediglich den fünften Platz unter den führenden Sprachmodellen. Gemini 3.5 Flash landete im Artificial Analysis Index auf Rang zehn.
Positiv sticht dagegen die Qualität von Googles KI-Übersichten (AI Overviews) hervor. Eine unabhängige Analyse bescheinigt Gemini 3 eine Trefferquote von 91 Prozent – eine deutliche Steigerung gegenüber den 85 Prozent des Vorgängermodells Gemini 2. Allerdings bleibt die Methodik solcher Studien umstritten, und Google selbst zeigt sich skeptisch gegenüber den Ergebnissen.
Der rasante Fortschritt von Systemen wie Gemini bringt nicht nur neue Funktionen, sondern auch komplexe regulatorische Anforderungen wie den EU AI Act mit sich. In diesem kostenlosen E-Book erhalten Unternehmen einen kompakten Überblick über alle neuen Pflichten und Risikoklassen der KI-Verordnung. EU AI Act Umsetzungsleitfaden jetzt kostenlos sichern
Entwickler-Tools und Enterprise-Lösungen
Parallel zu den Modell-Updates erweitert Google das Ökosystem für Entwickler. Das Gemini Developer API steht nun für Android-Apps zur Verfügung. Über die Firebase AI Logic können Entwickler Chat-, Text- und Bildgenerierung der Modelle Gemini Pro und Flash in ihre Anwendungen einbinden.
Für technische Workflows gibt es zudem ein nächtliches Update des Gemini Command Line Interface (v0.52.0), das unter anderem Fehler bei der History-Verarbeitung behebt.
Im Unternehmenssegment hat Google Cloud eine Partnerschaft mit Accenture Edge geschlossen. Gemeinsam wollen sie sogenannte „agentic AI“-Lösungen für mittelständische Unternehmen anbieten. Die Kooperation setzt auf Gemini Enterprise und die Agentic Data Cloud und deckt sechs Kernbereiche ab – darunter Kundenanalyse, Cybersicherheit und branchenspezifische Anwendungen.
Gemini erobert Gesundheits- und Suchdienste
Das KI-Modell hält zunehmend Einzug in Googles Verbraucherdienste. Nach der Umbenennung der Fitbit-App in Google Health launchte das Unternehmen im Frühjahr einen Gemini-basierten Health Coach. Der Preis: knapp neun Euro monatlich oder rund 90 Euro im Jahr. Der Dienst liefert personalisierte Einblicke zu Wohlbefinden, Schlaf und Fitness – und verzichtet laut Google auf die Nutzung von Gesundheitsdaten für Werbezwecke.
Auch bei der Suche feiert Google Erfolge: Im Mai 2026 überschritt die KI-gestützte Suche die Marke von einer Milliarde monatlicher Nutzer. Die Dynamik soll erhalten bleiben. Noch in diesem Sommer rollt Google in den USA spezialisierte Informationsagenten aus. Gemini 3.5 Flash wird dabei als Standardmodell für diese Aufgaben dienen.

