Gemini 3.5 Pro verzögert sich: Google startet Gemini-4-Vortraining

Google verschiebt Gemini 3.5 Pro und startet Vortraining für Gemini 4. Trotz Cloud-Wachstum belasten hohe Ausgaben und Personalabgänge die Aktie.

Alphabet hat am 23. Juli im Rahmen seiner Quartalszahlen eine herbe Schlappe eingestanden: Das Flaggschiff-Modell Gemini 3.5 Pro verzögert sich um mehrere Monate. CEO Sundar Pichai lenkte den Fokus auf eine komplett neue Generation größerer Modelle – während gleichzeitig die Kosten explodieren und die Stimmung in der Belegschaft kippt.

Der große Strategiewechsel

Eigentlich sollte Gemini 3.5 Pro bereits im Juni an den Start gehen. Doch technische Probleme bei der Code-Erstellung bremsten das Modell aus. Es steckt weiterhin in der Testphase mit ausgewählten Partnern. Pichai erklärte nun, dass Google für die Spitze der KI-Entwicklung deutlich größere Basismodelle benötige. Die Konsequenz: Der Konzern hat bereits mit dem Vortraining von Gemini 4 begonnen – dem nach eigenen Angaben ambitioniertesten Pretraining-Run der Firmengeschichte.

Um die Zeit bis zum großen Wurf zu überbrücken, veröffentlichte Google am 21. Juli gleich mehrere leichtere Modelle: Gemini 3.6 Flash, 3.5 Flash-Lite und 3.5 Flash Cyber. Der neue 3.6 Flash kommt mit 17 Prozent weniger Output-Tokens aus und verbessert seine Leistung im DeepSWE-Code-Benchmark auf 49 Prozent – ein Sprung von zuvor 37 Prozent.

Künftig will Google seine KI-Updates im Monatsrhythmus ausliefern. Branchenbeobachter warnen jedoch: Ein so dichter Veröffentlichungszyklus könnte die Governance- und Testkosten für Unternehmenskunden in die Höhe treiben.

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Milliarden für die KI-Infrastruktur

Die Zahlen, die Alphabet für das zweite Quartal vorlegte, sind gemischt. Der Gesamtumsatz stieg um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden Euro. Treiber war vor allem die Cloud-Sparte, deren Erlöse um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro anzogen – deutlich über den Analystenerwartungen von 64 Prozent.

Doch die Schattenseite: Die Werbeeinnahmen der Google-Suche blieben hinter den Prognosen zurück, und der freie Cashflow rutschte ins Negative. Der Aktienkurs fiel nach Bekanntgabe der Zahlen im nachbörslichen Handel um mehr als drei Prozent. Seit April hat das Alphabet-Papier bereits rund neun Prozent an Wert verloren.

Gleichzeitig dreht der Konzern bei den Investitionen kräftig auf. Die Prognose für die Kapitalausgaben wurde auf 195 bis 205 Milliarden Euro angehoben. Über das gesamte Kalenderjahr 2026 gerechnet, steuert Google auf Ausgaben von rund 190 Milliarden Euro zu.

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Unruhe in der DeepMind-Mannschaft

Die Verzögerung von Gemini 3.5 Pro fällt mit Berichten über eine schlechte Stimmung in Googles KI-Schmiede DeepMind zusammen. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter berichten von internen Reibereien, die den Zeitplan zusätzlich belastet haben.

Die Abwanderung von Spitzenkräften macht dem Konzern zu schaffen. Gemini-Co-Lead Noam Shazeer wechselte zu OpenAI, der Nobelpreisträger John Jumper heuerte bei Anthropic an. Einige Kündigungen stehen Medienberichten zufolge im Zusammenhang mit Googles Beteiligung an einem Pentagon-Aufrag.

Die Konzernführung widerspricht den Stimmungsberichten: Die Abwanderungsrate in den KI-Teams liege sogar unter dem Vorjahresniveau. Und trotz aller Turbulenzen kann Google auf beeindruckende Nutzerzahlen verweisen: Die Gemini-App zählt 950 Millionen monatlich aktive Nutzer, der KI-Modus in der Google-Suche knackte sogar die Milliarden-Marke. Die API-Nutzung erreicht derweil 22 Milliarden Tokens pro Minute.