Google hat am 28. Oktober 2026 mit Gemini 4 Carbon ein neues KI-Modell vorgestellt, das der Konzern als seine bislang leistungsfähigste Entwicklung für Cybersicherheit und komplexe Langzeitaufgaben einstuft. Die Ankündigung erfolgte laut Medienberichten über einen Beitrag von Google-CEO Sundar Pichai. Das Modell erscheint genau zwei Wochen nach der Veröffentlichung von Gemini 4 Argon, das seit dem 13. Oktober 2026 allgemein verfügbar ist.
Der Zugang zu Gemini 4 Carbon bleibt vorerst stark reglementiert. Google stellt das Modell zunächst ausgewählten Sicherheitsfachleuten bereit, bevor der Rollout über das hauseigene Fairwind-Programm erfolgt. Dieses Netzwerk umfasst weltweit mehr als 650 Partner, wobei Regierungsstellen, Betreiber kritischer Infrastrukturen sowie essenzielle Technologieplattformen priorisiert werden.
Die Nutzung ist an strenge Sicherheitsauflagen gebunden, darunter der Einsatz Phishing-resistenter Multi-Faktor-Authentifizierung, eine Beschränkung auf interne Abwehrteams sowie ein kontinuierliches Monitoring.
Zugelassen sind Aktivitäten wie autorisierte Angriffssimulationen, Reverse Engineering und die Analyse von Schadprogrammen. Die Erstellung von Malware sowie die Weitergabe oder der Weiterverkauf des Modells sind ausdrücklich untersagt. Ein Termin für eine breitere Freigabe an Entwickler, Unternehmen oder Verbraucher steht noch nicht fest.
Führende Werte in Sicherheits-Benchmarks
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In von Google veröffentlichten Tests zur Cybersicherheit ohne Schutzfilter erreichte das Modell im Schwachstellen-Benchmark SEC-bench Pro eine Erfolgsrate von 88,2 Prozent (pass@1 im 183-Task-Split vom Mai 2026 bei drei Versuchen). Das Konkurrenzmodell GPT-6 Astra kam hier auf 85,4 Prozent.
Im Test ExploitGym, der die Ausnutzbarkeit von Sicherheitslücken ohne Internetzugang prüft, erzielte Carbon bei einem Zehn-Stunden-Limit 54,8 Prozent und bei sechs Stunden 53,5 Prozent, während GPT-6 Astra ohne Zeitbeschränkung 42,4 Prozent erreichte. Beim Patching-Benchmark CWE-bench lag das Modell bei 71,0 Prozent.
Google verweist zudem auf interne Tests, bei denen sich die Erfolgsrate sicherer Code-Generierung im Vergleich zu Gemini 4 Argon mehr als verdoppelt habe. Beim Chrome-Team seien qualitativ hochwertige Patches mehr als zehnmal häufiger erzeugt worden als mit einem anderen Spitzenmodell, und beim Sicherheitsanbieter Wiz belegte das Modell den ersten Platz bei Web-Penetrationstests.
Gleichzeitig stieg die Halluzinationsrate im AA-Omniscience-Test auf 11 Prozent gegenüber 4 Prozent bei Argon, bei einer Genauigkeit von 58 Prozent. Carbon verfügt über ein Kontextfenster von einer Million Tokens und verarbeitet Text, Bild, Video und Sprache multimodal.
Position im Branchenwettbewerb und Preisstruktur
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Auf dem Artificial Analysis Intelligence Index v5.0 belegte Carbon mit Stand vom 30. Oktober 2026 mit 59 Punkten den ersten Platz, knapp vor Claude Opus 5.5 mit 58 Punkten und GPT-6 Astra mit 57 Punkten.
Das Modell führt dort vier von neun Einzelkategorien an, muss sich jedoch beim Coding Agent Index mit 59 Punkten dem Modell Claude Opus 5.5 geschlagen geben, das 62 Punkte erzielt. Im Offline-Test OSWorld-2.1 erreichte Claude Opus 5.5 87,2 Prozent, während Carbon auf 81,5 Prozent kam.
Google beteiligt sich vor der Veröffentlichung am freiwilligen US-Prüfprozess auf Basis des CAISI/NIST-Abkommens vom 5. Mai 2026. Zum Marktstart soll der API-Einführungspreis bei 2 US-Dollar pro Million Eingabe-Tokens und 10 US-Dollar pro Million Ausgabe-Tokens liegen, bei einem Nachlass von 95 Prozent für gecachte Eingaben.
Später soll der reguläre Preis auf 4 US-Dollar für die Eingabe und 20 US-Dollar für die Ausgabe steigen. Am 30. Oktober 2026 war das Modell jedoch weder in der Gemini-API noch im Fairwind-Katalog freigeschaltet. Beobachter werten die Ankündigung als weiteren Schritt zur Verschärfung des Wettbewerbs zwischen Google, OpenAI und Anthropic.

