Auf der Konferenz Gemini at Work 2026 hat Google Cloud am 8. Oktober 2026 den Gemini Agent vorgestellt. Der universelle Arbeits-Assistent führt komplexe Unternehmensaufgaben eigenständig aus und greift bei Bedarf nicht nur auf hauseigene Systeme, sondern auch auf Modelle des KI-Entwicklers Anthropic zurück.
Multimodale Orchestrierung und Zusammenarbeit mit Fremdmodellen
Der Vorstandsvorsitzende von Google Cloud, Thomas Kurian, umriss das Konzept dahinter: Anwender gäben dem Agenten übergeordnete Ziele vor statt einzelner Schritt-für-Schritt-Anweisungen. Das System zerlegt diese Vorgaben selbstständig in Teilaufgaben und bindet Anwendungen wie Gmail, Google Drive, Docs, Sheets, Slides und Kalender sowie Drittanbieter wie Microsoft 365, Slack, Jira, Confluence, Salesforce und ServiceNow ein.
Kern des Dienstes ist eine Orchestrierungsschicht mit intelligentem Routing zur Steuerung von Kosten und Ergebnisqualität. Aufgaben lassen sich automatisch oder manuell zwischen Modellen aufteilen.
Neben Gemini Flash für einfache Abläufe und dem Modell Argon für langfristige Aufgaben kann das System Teilaufgaben auch an Modelle der Reihe Anthropic Claude übergeben. Später sollen weitere offene und proprietäre Modelle folgen. Google hatte das Flaggschiffmodell Gemini 4 Argon eine Woche zuvor angekündigt, allerdings noch nicht öffentlich freigegeben.
In unternehmenseigenen Benchmarks erreichte Argon auf Terminal-Bench 4.0 einen Wert von 57,4 Prozent gegenüber 66,4 Prozent bei Claude Opus 5.5; auf FrontierSWE v2 lag Argon bei 55,0 Prozent im Vergleich zu 62,3 Prozent bei Claude.
Identität im Unternehmensnetzwerk und kontinuierlicher Betrieb
Google Cloud konzipiert den Assistenten als sogenannten Coworker Agent. Das System erhält eine reguläre Firmenadresse unter einer spezifischen Domain-Endung, einen eigenen Kalender, Speicherplatz in Google Drive sowie einen Eintrag im internen Mitarbeiterverzeichnis.
Kolleginnen und Kollegen können den Agenten per Erwähnung im Chat ansprechen. Änderungen in Dokumenten und Systemen werden in Versionshistorien und Prüfprotokollen unter dem Namen des Agenten festgehalten.
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Die Ausführung ist nicht an ein lokales Endgerät gebunden: Der Agent setzt Prozesse in der Cloud fort, selbst wenn der Rechner geschlossen wird, und kann Sub-Aufgaben parallel oder sequenziell über Stunden oder Tage hinweg abarbeiten.
Das System verfügt über vier Speichertypen – für Sitzungen, Semantik, Prozeduren und Episoden – und berücksichtigt Teamzugehörigkeiten sowie Genehmigungsbefugnisse. Eine Übersicht namens Task Inbox visualisiert Delegationen, Programmcodes und Arbeitsfortschritte.
Sicherheitskontrollen und Markteinführung
Auf Unternehmensebene setzt Google Cloud auf eine kryptografisch attestierte Identität, rollenbasierte Zugriffskontrollen, Sandboxing und zentrale Schnittstellen. Zur Kostenbegrenzung lässt sich in der Cloud-Abrechnung ein festes KI-Budget pro Projekt festlegen; bei Erreichen pausiert der Agent, bis er manuell freigegeben wird.
Google geht davon aus, dass lediglich 10 bis 15 Prozent eines typischen Workflows ein Spitzenmodell erfordern, wodurch sich die Kosten rechnerisch um rund ein Drittel reduzieren ließen.
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Die Enterprise-Edition befindet sich derzeit in einer geschlossenen Testphase für ausgewählte Kunden, darunter On, Shopify und PayPal. Branchenpakete für Finanzdienstleistungen und den Rechtssektor sind ebenfalls in der Vorabversion verfügbar.
Einen offiziellen Einführungstermin oder Preise nannte Google Cloud bislang nicht; für bestehende Kunden von Gemini Enterprise soll der Funktionsumfang ohne Aufpreis enthalten sein. Laut dem Marktforschungshaus Futurum wird die allgemeine Verfügbarkeit für Nordamerika Ende Oktober 2026 erwartet, wobei Gemini Enterprise regulär bei 30 US-Dollar pro Nutzer und Monat liegt.
Google Cloud verzeichnete im zweiten Quartal einen Umsatz von 24,8 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von 82 Prozent im Vorjahresvergleich entspricht, bei einem Auftragsbestand von 514 Milliarden US-Dollar. Fast 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen nutzen bereits Gemini Enterprise, während Google-CEO Sundar Pichai die monatlich aktiven Nutzer von Gemini auf über eine Milliarde bezifferte.
Gleichzeitig wächst der regulatorische Fokus auf autonome Systeme: Die britische Datenschutzbehörde ICO leitete kürzlich eine Untersuchung zu den Risiken agentenbasierter KI ein. Analysten von Gartner prognostizieren zudem, dass 40 Prozent der Unternehmen den Einsatz autonomer Agenten bis 2027 aufgrund unzureichender Kontrollmechanismen wieder reduzieren könnten.

