Gemini: Klage wirft Winklevoss-Brüdern gezielte Täuschung vor

Eine Sammelklage in New York beschuldigt die Kryptobörse Gemini, Anleger mit falschen Wachstumsversprechen vor und nach ihrem Börsengang getäuscht zu haben. Der Kurs stürzte daraufhin um über 80 Prozent ab.

Eine Sammelklage in New York wirft der Kryptobörse Gemini und ihren Gründern vor, Anleger während und nach dem Börsengang im September 2025 systematisch getäuscht zu haben. Der Vorwurf: ein abgekartetes „Ködern-und-Austauschen“-Manöver, das den Aktienkurs um über 80 Prozent einbrechen ließ.

Der Vorwurf: Geplanter Strategie-Bruch nach Börsengang

Im Kern steht ein dramatischer Kurswechsel, der wenige Monate nach dem Gang an die Nasdaq folgte. Die Klage behauptet, die IPO-Unterlagen vom September 2025 hätten ein klares Bild gezeichnet: Das frische Kapital sollte in die globale Expansion der Kernbörse fließen. Anleger vertrauten auf dieses Wachstumsversprechen.

Doch bereits im Februar 2026 verkündete Gemini die radikale Wende zu „Gemini 2.0“. Plötzlich rückten Prognosemärkte in den Fokus, nicht mehr der Exchange-Handel. Begleitet wurde der Schwenk von einer Massenentlassung (25 Prozent der Belegschaft) und dem überraschenden Rückzug aus Schlüsselmärkten wie der EU und Großbritannien. Die Kläger sehen darin keinen spontanen Schachzug, sondern eine lange geplante Kehrtwende, die das Börsenprospekt von Anfang an irreführend machte.

Börsencrash und Führungs-Exodus

Die finanziellen Folgen sind verheerend. Nach einem Ausgabepreis von 28 Dollar und einem kurzzeitigen Hoch bei 40 stürzte die Gemini-Aktie auf rund 6 Dollar ab – ein Minus von über 80 Prozent. Die Ankündigung von „Gemini 2.0“ am 5. Februar löste einen massiven Tagesverlust aus.

Die Glaubwürdigkeitskrise eskalierte am 17. Februar: Der COO, CFO und Chief Legal Officer verließen zeitgleich das Unternehmen. Dieser Führungs-Exodus nährte weitere Zweifel an der Stabilität des Konzerns. Mehrere Anwaltskanzleien haben inzwischen Aktionäre über die Sammelklage und Fristen informiert.

Winklevoss-Brüder im Fadenkreuz

Die Klage zielt direkt auf die Gründer Tyler und Cameron Winklevoss (CEO und Präsident). Ihnen wird vorgeworfen, von der geplanten Strategieänderung gewusst und diese während des IPO-Prozesses verschwiegen zu haben. Noch im November 2025 betonten Führungskräfte öffentlich ihr Engagement für die Internationalisierung – eine Botschaft, die Monate später obsolet war.

Die Kläger im Fall Methvin v. Gemini Space Station, Inc., et al. argumentieren, dies stelle einen Vertrauensbruch und eine Pflichtverletzung dar. Ein etwaiger Gerichtsprozess würde stark auf interne Kommunikationen fokussieren. Sie sollen Aufschluss darüber geben, wann der Strategiewechsel tatsächlich beschlossen wurde. Ein jüngster Quartalsumsatzanstieg von 39 Prozent konnte den Ärger der Anleger nicht besänftigen.

Ein Prüfstein für Tech-IPOs

Der Ausgang des Verfahrens könnte wegweisend sein. Er wird genau prüfen, inwieweit IPO-Angaben rechtlich bindend sind, wenn ein Unternehmen kurz darauf sein Geschäftsmodell radikal ändert. Für den gesamten Tech- und Krypto-Börsengangmarkt ist der Fall eine Warnung: Transparenz und konsistente Kommunikation mit Investoren sind nicht verhandelbar.

Für Gemini beginnt nun ein zweifacher Kampf: vor Gericht und um die verlorene Glaubwürdigkeit. Die Klage zeigt, wie schnell Vertrauen in Milliardenhöhe verdampfen kann, wenn Aktionäre das Gefühl haben, bewusst in die Irre geführt worden zu sein.