Die großen Technologiekonzerne haben diese Woche eine neue Generation autonomer KI-Agenten vorgestellt, die komplexe Arbeitsabläufe in Unternehmen eigenständig steuern können. Google, OpenAI, AWS und Oracle setzen damit den nächsten Schritt in der Entwicklung künstlicher Intelligenz – weg von einfachen Chatbots hin zu Systemen, die eigenverantwortlich Aufgaben über verschiedene Softwareplattformen hinweg erledigen.
Google rüstet Gemini Spark auf
Am Dienstag dieser Woche erhielt Googles KI-Agent Gemini Spark ein umfangreiches Update. Der Assistent kann nun direkt Dateien in Google Docs, Sheets und Slides bearbeiten – sowohl geteilte als auch private Dokumente. Hinzu kommen Funktionen zur Bildverwaltung und ein neues Canvas-Panel. Google gibt an, dass Spark durch parallele Datenverarbeitung 50 Prozent schneller arbeitet als zuvor.
Die Neuerungen sind zunächst für Abonnenten des AI-Ultra-Tarifs verfügbar – allerdings nicht in der EU, Großbritannien, der Schweiz und Nigeria. Zeitgleich veröffentlichte Google seinen ersten Südostasien-Report: Die Zahl der aktiven Gemini-Nutzer in der Region hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. 70 Prozent aller Anfragen erfolgen demnach in Landessprachen. Google reagiert prompt und bietet Gemini Spark nun auch in lokalen Sprachen für Ultra-Abonnenten in der Region an.
OpenAI bringt ChatGPT Work an den Start
OpenAI zog am Montag nach und präsentierte mit ChatGPT Work eine neue Enterprise-Plattform. Angetrieben wird sie von der GPT-5.6-Modellfamilie, die aus den Varianten Sol, Terra und Luna besteht. Das Spitzenmodell Sol erreichte beim Branchentest „Agents‘ Last Exam“ 53,6 Punkte und ließ damit Konkurrenten wie Claude Fable 5 hinter sich.
ChatGPT Work ist zunächst für Pro-, Enterprise- und Education-Nutzer verfügbar. Plus- und Business-Kunden sollen bald folgen. Die Preise: Fünf Dollar pro Million Eingabe-Tokens für Sol, 30 Dollar pro Million Ausgabe-Tokens. Ergänzend startete OpenAI eine öffentliche Beta von „Sites“ und führte „Scheduled Tasks“ für wiederkehrende automatisierte Arbeitsabläufe ein.
AWS und Oracle setzen auf autonome Agenten
Auch die Cloud-Anbieter treiben die Entwicklung voran. AWS erweiterte seinen Dienst Amazon Quick um autonome KI-Agenten, die rund um die Uhr arbeiten und sich in Slack, Salesforce und Gmail integrieren lassen. Insgesamt kamen 16 neue Schnittstellen hinzu – darunter Figma, Snowflake und Shopify. Für besonders sensible Aktionen bleibt ein Mensch im Entscheidungsprozess („Human-in-the-Loop“).
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Oracle präsentierte am Montag eine KI-native Entwicklungsumgebung für sein AI Agent Studio. Die Plattform bietet No-Code-, Low-Code- und Pro-Code-Werkzeuge, um sogenannte Fusion Agentic Applications für Personalabteilungen, Lieferketten und Kundenerfahrung zu erstellen. Die Anwendungen laufen nativ in Oracle Fusion Apps und verfügen über integrierte Governance- und Prüffunktionen. Oracle zufolge stehen bereits über 80.000 zertifizierte Experten bereit, um die neue Architektur zu unterstützen.
Spezialisierte Agenten für Finanzen und Recht
Auch in Nischenbranchen halten die KI-Agenten Einzug. Die London Stock Exchange Group (LSEG) brachte am Sonntag Workspace AI Search auf den Markt – einen conversational Agent für Finanzrecherchen, der in Microsoft Teams integriert ist. Das Tool liefert Zitate aus LSEG-Datensätzen und soll künftig mit Microsoft 365 Copilot zusammenarbeiten.
Im Rechtsbereich integrierte Wolters Kluwer am Montag seine Legal-Intelligence-Plattform mit dem Libra AI Workspace in den Niederlanden. Niederländische Juristen erhalten damit erweiterten Zugang zu Experteninhalten.
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Die Orchestrierungsebene wächst
Workflow-Plattformen passen sich der neuen Agentenlandschaft an. Zenphi erweiterte am Dienstag seine native Asana-Integration. Künftig können Agenten von Google, OpenAI und Claude Aufgaben über Google Workspace hinweg steuern – gestützt durch verwaltete No-Code-Workflows.
Branchenbeobachter sehen einen grundlegenden Wandel: Die Strategie für Unternehmensanwendungen werde zunehmend von diesen KI-Abhängigkeiten bestimmt. Die Integration von KI ersetzt die reine Nutzerakzeptanz als zentrale Kennzahl. Der Fokus der Unternehmens-IT verschiebt sich von einzelnen Anwendungen hin zu einer übergreifenden Orchestrierungs- und Intelligenzebene.

