Google, Microsoft und Workday haben Ende Mai eine Reihe von agentischen KI-Tools vorgestellt, die eigenständig komplexe Aufgaben in Unternehmensanwendungen erledigen können. Statt passiver Chat-Assistenten sollen nun proaktive digitale Mitarbeiter ganze Arbeitsabläufe ohne ständige menschliche Kontrolle steuern.
Google bringt den Dauerläufer „Gemini Spark“
Google hat seinen immer aktiven KI-Agenten Gemini Spark für Abonnenten von Google AI Ultra in den USA freigeschaltet. Das auf der Entwicklerkonferenz Google I/O am 19. Mai angekündigte System läuft auf virtuellen Cloud-Maschinen – rund um die Uhr, selbst wenn das Gerät des Nutzers ausgeschaltet ist.
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Der Agent ist tief in die Google-Workspace-Suite integriert: Gmail, Kalender, Docs und Sheets stehen ihm offen. In ersten Tests zeigte Gemini Spark beeindruckende Fähigkeiten: Er erstellte mehrseitige Reisepläne und überwachte automatisch Preisänderungen im Zwei-Wochen-Rhythmus. Doch die frühen Evaluierungen offenbarten auch Schwächen. So hat der Agent keinen Zugriff auf Google Keep, liefert in Newsletter-Zusammenfassungen kaputte Links und – ein heikler Punkt – könnte laut Entwicklerangaben eigenständig Informationen teilen oder Käufe tätigen. Für solche Transaktionen hat Google einen speziellen Agent Payment Protocol eingeführt.
Microsoft und Anthropic: Excel als Programmiersprache
Microsoft hat seine Office-Suite mit neuen agentischen Funktionen ausgestattet. Excel, PowerPoint, Word und Outlook erhalten die Fähigkeit, eigenständig zu arbeiten. Dahinter steckt ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Mukul Singh, das zwei Jahre dauerte. Der Durchbruch: Die Forscher behandelten Excel kurzerhand als einfache Programmiersprache – das erlaubt KI-Agenten, Tabellen zu verstehen und autonom zu manipulieren.
Parallel dazu veröffentlichte Anthropic am 30. Mai dynamische Workflows für seine Plattform Claude Code. Große Programmieraufgaben werden dabei in parallele Unter-Agenten zerlegt, die sich gegenseitig validieren – ein sogenannter Generator-Validator-Loop. Salesforce, das bereits im April auf diese Methode umstellte, meldet beeindruckende Produktivitätssteigerungen. Die Zahl der abgeschlossenen Arbeitseinheiten stieg um 50,8 Prozent, und eine API-Migration mit 33 Schnittstellen wurde in 13 Tagen erledigt – statt der ursprünglich veranschlagten 231 Tage.
Zukäufe und Spezialdienste: Die neue Welle der Enterprise-KI
Auch andere Unternehmenssoftware-Riesen rüsten auf – durch Eigenentwicklungen und strategische Übernahmen. Asana kaufte am 28. Mai StackAI für 75 Millionen Euro. Die No-Code-Plattform ermöglicht den Bau von KI-Agenten für Systeme wie Salesforce und Oracle. CEO Dan Rogers sieht darin den nächsten Schritt: Asana solle zum Betriebssystem für Teams werden, die aus Menschen und KI-Agenten bestehen.
Workday brachte ebenfalls zwei spezialisierte Agenten auf den Markt. Ein Reise-Agent plant und bucht Reisen, erstellt gleichzeitig Spesenabrechnungen. Der ITSM-Agent Sana automatisiert die Einarbeitung neuer Mitarbeiter und die IT-Bereitstellung. Die Workday-Führung deutete an, dass das klassische IT-Ticket-System langfristig durch solche orchestrierenden Agenten ersetzt werden könnte.
Einen anderen Weg geht Workspot: Das Unternehmen startete am 29. Mai seine Plattform GUIDE auf AWS. Das Tool nutzt Computer Vision und logische Schlussfolgerungen, um Arbeitsabläufe in verschiedenen Anwendungen zu automatisieren – ganz ohne klassische Programmierschnittstellen. Branchenforscher von McKinsey schätzen, dass solche Automatisierungen weltweit bis zu 4,4 Billionen Euro an Produktivitätswachstum freisetzen könnten. Die Realität sieht allerdings anders aus: Bislang fühlt sich nur ein Bruchteil der Führungskräfte bereit, diese KI-gesteuerten Workflows tatsächlich einzuführen.
