Verbraucherschützer fordern mehr Verantwortung von Finanzinstituten und Tech-Konzernen.
Sparkasse vor Gericht: 650 Kläger fordern Millionen
Am Landgericht Essen startete am Mittwoch eine Güteverhandlung gegen die Sparkasse Gelsenkirchen. Ein Rechtsbeistand vertritt rund 650 Betroffene. Hintergrund: In der Weihnachtszeit 2025 wurden Schließfächer in großem Umfang geleert.
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Die Klägerseite wirft dem Institut schwere Versäumnisse vor. Fehlende Videoüberwachung im Tresorraum und im Parkhaus sowie mangelnde Patrouillen stehen im Raum. Der Gesamtschaden für alle rund 3.000 Schließfachbesitzer wird auf über 253 Millionen Euro geschätzt. Die Sparkasse weist die Vorwürfe zurück und betont, die Sicherung habe dem Stand der Technik entsprochen.
Phishing-Opfer bekommen Recht: OLG Koblenz stärkt Verbraucher
Parallel dazu festigt die Rechtsprechung den Schutz für Opfer von digitalem Betrug. Das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz entschied Mitte April 2026 (Az. 8 U 682/24): Eine Sparkasse muss einem Kunden über 56.000 Euro erstatten, die durch Phishing entwendet wurden.
Das Gericht stellte fest, dass die Überweisungen nicht autorisiert waren. Den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit konnte die Bank nicht belegen. Das bloße Anklicken eines Aktivierungslinks reiche nicht aus, um eine Haftung der Bank auszuschließen. Ein Sachverständiger widerlegte zudem die Behauptung, die Transaktionen hätten zwingend die Weitergabe eines Freischaltcodes vorausgesetzt.
Massenklage in Thailand: Neun Banken und Tech-Riesen verklagt
Der Druck auf den Sektor nimmt auch international zu. In Thailand reichte der nationale Verbraucherrat am Montag eine Zivilklage gegen neun Banken sowie Meta, LINE, Apple und Google ein. Vorwurf: Mitschuld an Online-Investitionsbetrug mit einem Gesamtschaden von über 230 Millionen Baht.
Die Kläger werfen den Banken vor, verdächtige Transaktionen nicht gestoppt zu haben. Den Plattformen wird eine Verletzung ihrer Prüfpflichten zur Last gelegt. Eine erste Anhörung ist für Anfang August geplant.
Google kämpft gegen KI-Betrug: Neue „Fake Call Detection“
Die Industrie reagiert auf die Professionalisierung der Angreifer. Google stellte eine neue Funktion zur Erkennung gefälschter Anrufe für Android-Geräte vor. Die „Fake Call Detection“ sichert Anrufe mittels verschlüsselter Verifizierungsverfahren über die hauseigene Telefon-App.
Hintergrund sind alarmierende Zahlen: Laut FBI verursachten KI-gestützte Betrugsdelikte allein in den USA im vergangenen Jahr Schäden von fast 900 Millionen US-Dollar.
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Aktuelle Bedrohungslage: Phishing-Welle bei IONOS und 1&1
Der „Cyber Roundup 2026 Claims Report“ des Versicherers Cowbell verzeichnete in den letzten anderthalb Jahren einen Anstieg der Schadensmeldungen um 40 Prozent. Besonders auffällig: 74 Prozent aller Sicherheitsvorfälle haben ihren Ursprung beim Faktor Mensch.
Verbraucherschützer warnen zudem vor einer aktuellen Phishing-Welle. Seit Montag kursieren massenhaft gefälschte E-Mails, die sich an Kunden von IONOS und 1&1 richten. Vorwand: eine angeblich fehlgeschlagene SEPA-Lastschrift. Auch im Steuerbereich nehmen Angriffe zu – hier werden gefälschte Benachrichtigungen über vermeintliche elektronische Steuerbescheide für 2026 genutzt.

