Der Softwarekonzern stellt seine KI-Produkte auf verbrauchsabhängige Preise um – mit drastischen Folgen für Unternehmen.
Seit dem 16. Juni 2026 ist Copilot Cowork allgemein verfügbar, und der erste volle Abrechnungsmonat für GitHub Copilot auf Nutzungsbasis endet diesen Juni. Organisationen beginnen nun, die finanziellen Auswirkungen der neuen „agentischen“ Aufgaben zu spüren. Das alte Flatrate-Modell für Unternehmens-KI gehört damit der Vergangenheit an.
So funktioniert das neue Abrechnungssystem
Copilot Cowork wird über ein Credit-System abgerechnet: Jede Aufgabe kostet 0,01 Euro pro „Copilot Credit“. Voraussetzung ist eine bestehende Microsoft-365-Copilot-Lizenz. Die Kosten variieren je nach Aufgabenkomplexität erheblich:
- Leichte Aufgaben: 70 bis 200 Credits
- Mittelschwere Aufgaben: 400 bis 600 Credits
- Schwere Aufgaben (etwa komplexe Berichte mit mehreren Ausgaben): über 1.500 Credits
Im Hintergrund arbeiten verschiedene Hochleistungsmodelle, darunter Anthropics Opus 4.8 und Sonnet 4.6 sowie GPT 5.5. Ein neues „Cowork 1″-Modell, das vermutlich auf DeepSeek basiert, soll bald günstigere Optionen für leichte bis mittlere Workloads bieten.
Zur Kostenkontrolle stellt Microsoft Administratoren ein Cost Management Dashboard mit Ausgabenlimits und Alarmfunktionen zur Verfügung. Ein spezieller Befehl zeigt den Echtzeit-Verbrauch an. Für Frontier-Preview-Nutzer gilt bis zum 1. Juli 2026 noch eine Schonfrist.
GitHub Copilot: Kosten explodieren um das Zehnfache
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Besonders deutlich wird der Wandel bei GitHub Copilot. Seit dem 1. Juni 2026 gilt auch hier die nutzungsbasierte Abrechnung. Erste Berichte von Unternehmen, die agentische Workflows einsetzen – bei denen KI-Assistenten eigenständig mehrstufige Aktionen durchführen – zeigen massive Kostensteigerungen.
Einige Organisationen berichten von 10- bis 50-fachen Ausgaben im Vergleich zu den früheren Flatrate-Abonnements. Der Grund: Agentische Aufgaben verbrauchen deutlich mehr Tokens als herkömmliche Einzelfragen.
Die aktuellen Credit-Kontingente staffeln sich nach Abonnement-Stufe:
- Pro: 1.500 Credits (10 Euro/Monat)
- Business: 1.900 Credits pro Nutzer
- Pro+ und Enterprise: 3.900 bis 7.000 Credits (39 Euro/Monat)
Microsoft gewährt von Juni bis August 2026 Werbe-Credits: Business-Abonnenten erhalten zusätzlich 30 Euro pro Nutzer, Enterprise-Kunden 70 Euro. Branchenanalysten erwarten dennoch, dass sich die tokenbasierte Abrechnung innerhalb des nächsten Jahres als Standard für Unternehmens-KI durchsetzen wird.
Die Super-App-Strategie
Hinter dem Vorstoß steht Jacob Andreou, der im März 2026 als Executive Vice President für Copilot zu Microsoft kam. Gemeinsam mit Peter Sellis, verantwortlich für Design und Entwicklung, arbeitet er an einer Copilot-„Super-App“, die noch im Sommer 2026 starten soll. Sie vereint die Funktionen Chat, Cowork und Code in einer einzigen Oberfläche.
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Parallel diversifiziert Microsoft sein Modell-Angebot. Neben der bestehenden Partnerschaft mit Anthropic integriert das Unternehmen OpenAI-Modelle und sieben eigene Modelle, die Anfang des Jahres vorgestellt wurden.
Erste Erfolgsmeldungen – und Governance-Fragen
Trotz der Preisumstellung berichten erste Anwender von messbaren Produktivitätsgewinnen. Der brasilianische Finanzdienstleister Finnet integrierte Microsoft 365 Copilot in seine Abläufe und meldete Einsparungen von ein bis drei Stunden pro Mitarbeiter und Tag – vor allem bei Zusammenfassungen von Besprechungen und der Erstellung von Inhalten.
Für größere Rollouts setzt Microsoft auf Enterprise Governance durch Integration mit Microsoft Purview und Entra ID. Diese ermöglichen Prüfpfade und Vertraulichkeitskennzeichnungen. Angesichts zunehmender autonomer Aufgaben empfehlen die Verantwortlichen, klare Nutzungskategorien zu definieren – damit die teuersten Modelle nur dort eingesetzt werden, wo der höhere Credit-Verbrauch auch gerechtfertigt ist.

