GitHub plant drastische Einschränkungen für Pull Requests

Microsofts Entwicklerplattform erwägt drastische Maßnahmen wie einen Pull-Request-Kill-Switch, um überlastete Projektbetreuer vor nutzloser KI-Flut zu schützen.

GitHub erwägt einen „Kill-Switch“ für Pull Requests, um die Flut KI-generierter Code-Spam einzudämmen. Die Microsoft-Tochter reagiert damit auf eine wachsende Krise, die Open-Source-Projekte an den Rand der Belastbarkeit bringt.

KI-Flut überfordert Open-Source-Wächter

Die Plattform steht vor einem Dilemma: Eigene KI-Tools wie GitHub Copilot haben die Schwelle für Code-Beiträge gesenkt – und gleichzeitig eine Flut nutzloser oder fehlerhafter Pull Requests ausgelöst. Projekt-Maintainer berichten, dass sie bis zu 90 Prozent ihrer Zeit mit der Prüfung sinnloser Beiträge verschwenden. Viele stammen von KI-Assistenten, die Code liefern, der auf den ersten Blick plausibel, bei genauer Prüfung aber fehlerhaft ist.

„Das ist ein kritisches Problem für die Community“, erklärt GitHub-Produktmanagerin Camilla Moraes. Die Überlastung führt bereits zu Maintainer-Burnout. Projekte wie das Terminal-Programm Ghostty oder das Datentransfer-Tool curl haben KI-generierte Beiträge bereits vorsorglich verboten.

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Notfall-Toolkit für überlastete Projektbetreuer

Als Reaktion erwägt GitHub drastische Maßnahmen. Im Gespräch sind:

  • Ein „Kill-Switch“, um Pull Requests komplett zu deaktivieren
  • Die Beschränkung auf vorab genehmigte Mitwirkende
  • Eine einfache Löschfunktion für unerwünschte Beiträge

Langfristig plant die Plattform ausgefeiltere Lösungen. Dazu gehören granulare Berechtigungseinstellungen und eigene KI-Triage-Tools, die minderwertige Beiträge automatisch erkennen und markieren sollen. Auch eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierten Code wird erwogen.

Vertrauenskrise in der Open-Source-Welt

Die Debatte offenbart einen Grundkonflikt im KI-Zeitalter. „Die Herkunft des Codes ist entscheidend“, argumentieren viele Entwickler. Die natürliche „Druckminderung“ durch den Aufwand, Code manuell zu schreiben, sei weggefallen. Maintainer fühlten sich zunehmend als kostenlose Prompt-Ingenieure und Debugger für KI-Modelle.

Diese Vertrauenskrise breitet sich aus. Große Projekte wie ESLint, Bitcoin Core und LLVM diskutieren inzwischen eigene Richtlinien für KI-generierten Code. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie die Community mit der KI-Flut umgeht.

Wendepunkt für die Open-Source-Kultur

GitHub steht an einem Scheideweg. Die geplanten Änderungen könnten das offene, kollaborative Fundament der Plattform neu definieren. Die große Herausforderung wird sein, einen Balanceakt zu meistern: Projekte vor Spam zu schützen, ohne die offene Kultur zu ersticken, die Innovation erst ermöglicht.

Ohne wirksame Werkzeuge droht eine Abwärtsspirale. Überlastete Maintainer könnten ihre Projekte abschotten – und damit genau jene Innovation behindern, die KI-Tools eigentlich beschleunigen sollten. Die Entscheidungen von GitHub werden die Zukunft der Open-Source-Zusammenarbeit maßgeblich prägen.

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