Glasfaser-Netzöffnung: Branchenverbände einigen sich auf Fairplay-Agreement

BDEW, Breko und VKU schlagen Selbstverpflichtung zur Netzteile vor, um staatliche Regulierung abzuwenden und Doppelausbau zu stoppen.

Um den Ausbau digitaler Infrastrukturen in Deutschland signifikant zu beschleunigen, haben die Branchenverbände BDEW, Breko und VKU einen gemeinsamen Vorschlag für ein sogenanntes Fairplay-Agreement vorgelegt. Die Initiative zielt auf eine gegenseitige Öffnung von Glasfaser- und 5G-Netzen ab. Durch diese freiwillige Selbstverpflichtung der Marktteilnehmer soll eine drohende staatliche Regulierung, insbesondere auf Basis des Paragrafen 22a des Telekommunikationsgesetzes (TKG), abgewendet werden.

Strategie gegen den unwirtschaftlichen Doppelausbau

Ein zentrales Ziel des vorgeschlagenen Abkommens ist die Etablierung von Open-Access-Modellen, um den strategischen Doppelausbau von Infrastrukturen zu verhindern. Aktuellen Erhebungen zufolge verfügen derzeit 42,9 % der Haushalte in Deutschland über einen Glasfaseranschluss (Stand Juni 2025). Trotz staatlicher Unterstützung, wie etwa durch die Gigabitförderung 2.0 in Höhe von 1,8 Mrd. Euro, stellt der parallele Ausbau in bereits erschlossenen Gebieten ein Problem dar.

Die Verbände verweisen auf insgesamt 539 dokumentierte Fälle von Doppelausbau bundesweit, wobei allein 60 betroffene Orte in Hessen identifiziert wurden. Durch das Fairplay-Agreement soll sichergestellt werden, dass bestehende Netze effizienter genutzt werden, statt knappe Ressourcen für parallele Trassenführungen aufzuwenden. Die beteiligten Verbände BDEW, Breko und VKU repräsentieren dabei einen maßgeblichen Teil des Marktes und vertreten rund 60 % der vorhandenen Glasfaseranschlüsse.

Transparenz und standardisierte Schnittstellen

Die vorgeschlagene Selbstverpflichtung sieht konkrete Maßnahmen vor, um die Zusammenarbeit der Netzbetreiber zu verstetigen. Dazu gehören die Aufnahme ernsthafter Verhandlungen über Netzzugänge, die Schaffung transparenter Zugangsbedingungen sowie die Einführung standardisierter technischer Schnittstellen. Diese Standardisierung soll es verschiedenen Anbietern erleichtern, ihre Dienste über die Infrastrukturen der Wettbewerber anzubieten, ohne dass langwierige technische Anpassungen erforderlich sind.

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Während die Verbände in diesem Modell eine Chance für einen effizienteren Netzausbau sehen, stößt der Vorstoß bei der Deutschen Telekom auf Ablehnung. Das Unternehmen gilt als Hauptadressat der Initiative, wies jedoch die Vorwürfe eines gezielten Doppelausbaus zurück.

Unterschiedliche Positionen bei Verbraucherschutz und Regulierung

Aus Sicht der Verbraucher könnte eine Einigung erhebliche Vorteile mit sich bringen. Branchenexperten weisen darauf hin, dass die Öffnung der Netze zu einer größeren Auswahl an Anbietern und Tarifen führen würde. Zudem könnten unnötige Baustellen und die damit verbundenen Lärmbelästigungen reduziert werden, wenn Straßen für die Verlegung von Glasfaserkabeln nicht mehrfach geöffnet werden müssen.

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Kritik kommt hingegen vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Ein Fachsprecher des Verbandes betonte, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung der Branche allein nicht ausreiche. Der VZBV halte stattdessen eine verbindliche gesetzliche Regulierung für notwendig, um faire Wettbewerbsbedingungen und einen flächendeckenden Ausbau langfristig zu garantieren. Die Diskussion darüber, ob das vorgeschlagene Fairplay-Agreement als Instrument ausreicht, um den regulatorischen Eingriff durch die Bundesnetzagentur zu vermeiden, dürfte die Branche in den kommenden Monaten weiter beschäftigen.