GMX und WEB.DE: 38 Millionen Kunden nutzen passwortlose Anmeldung

GMX und WEB.DE führen passwortlose Anmeldung ein. Microsoft stellt bis 2027 auf Passkeys um. Trotz Fortschritten bleiben Lücken.

Die deutschen E-Mail-Dienste GMX und WEB.DE setzen ab sofort auf passwortlose Authentifizierung. Ab dem 22. Juli 2026 können rund 38 Millionen Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Konten per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder gerätespezifischer PIN sichern. Der Schritt gilt als Meilenstein im Kampf gegen Phishing-Angriffe.

Schluss mit Passwort-Frust

Das neue Verfahren bindet die Anmeldung direkt an die jeweilige Webseite. Ein gestohlener Zugangscode nützt Angreifern damit nichts mehr – er funktioniert nur auf der echten GMX- oder WEB.DE-Seite. Wer lieber beim klassischen Passwort bleibt, kann das weiterhin nutzen. Die Dienste lassen beide Verfahren parallel zu.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Bedrohungslage hat sich dramatisch verschärft: Allein 2025 waren kompromittierte Zugangsdaten an 22 Prozent aller Sicherheitsvorfälle beteiligt. Erst am 20. Juli zerschlugen das Bundeskriminalamt und US-Ermittler die Phishing-Plattform „Kratos“ – ein Dienst, der seit 2024 monatlich rund 15.000 Betrugskampagnen ermöglicht hatte.

Microsoft zieht nach – mit harter Deadline

Nur einen Tag später legte Microsoft nach. Ab 1. September 2026 werden Passkeys zum Standard für die Unternehmensidentitätsplattform Entra ID. SMS- und sprachbasierte Zwei-Faktor-Authentifizierung stellt der Konzern zum 1. Februar 2027 komplett ein.

Der Grund: KI-gestützte Phishing-Angriffe werden immer gefährlicher. Laut Microsoft erreichen sie inzwischen Klickraten von bis zu 54 Prozent – mehr als viermal so viel wie bei herkömmlichen Methoden mit zwölf Prozent.

Anzeige

Angesichts der rasant steigenden Erfolgsraten von KI-gestütztem Phishing wird der Wechsel zu modernen Anmeldeverfahren immer dringlicher. Dieser kostenlose Report zeigt Ihnen, wie Sie Passkeys bei großen Diensten wie Amazon, Microsoft und WhatsApp sofort einrichten und so Ihre Konten effektiv schützen. Jetzt kostenlosen Passkey-Ratgeber herunterladen

Passkeys erobern das Smart Home

Auch andere Plattformen treiben die Entwicklung voran. Googles Systemupdate vom Juli 2026 bringt Passkeys auf Android-TV. Nutzer können sich künftig per Smartphone am Fernseher anmelden – ohne lästige Passworteingabe mit der Fernbedienung.

Yubico präsentierte am 21. Juli den YubiKey 5.8. Der neue Sicherheitsstick unterstützt den CTAP-2.3-Standard und ermöglicht hardwaregestützte digitale Signatureen – etwa für Identitäts-Wallets oder KI-Agenten. Bis zu 16 verschiedene Dienste lassen sich damit absichern.

Die Finanzbranche zieht nach: OneSpan launchte am 22. Juli DigipassONE. Die Plattform bündelt verschiedene Authentifizierungsmethoden für Banken – von FIDO2 bis zu digitalen Ausweisen – ohne dass Institute ihre bestehende Infrastruktur ersetzen müssen.

Anzeige

Während immer mehr Plattformen auf passwortlose Logins umstellen, ist die Technologie hinter Passkeys für viele Nutzer noch neu. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden, warum Experten diese Methode als sicherste Alternative empfehlen, die Hackern künftig keine Chance mehr lässt. Sichere Alternative zu Passwörtern gratis entdecken

Noch ist Luft nach oben

Die Zahlen klingen beeindruckend: Die FIDO-Allianz meldete im Mai 2026 rund fünf Milliarden aktive Passkeys weltweit. Doch der Teufel steckt im Detail. Aktuelle Marktbeobachtungen zeigen: 36 Prozent der 50 meistbesuchten Webseiten unterstützen Passkeys noch immer nicht.

Und auch die neue Technik ist kein Allheilmittel. Der Singapurische Identitätsdienst Singpass warnt: Während Passkeys zuverlässig gegen technischen Diebstahl von Zugangsdaten schützen, bleiben sie gegen klassisches Social Engineering machtlos. Wer seinen Zugang freiwillig herausgibt, den rettet auch die beste Kryptografie nicht.