Ermittler in Texas und Pennsylvania haben ein internationales Betrugsnetzwerk zerschlagen, das gezielt ältere Menschen um ihre Ersparnisse brachte. Die Masche: Goldbarren-Kauf unter falschem Vorwand.
In Tarrant County (Texas) erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen 18 Personen, die Senioren systematisch zur Liquidierung ihrer Lebensersparnisse für den Kauf von Edelmetallen gedrängt haben sollen. Parallel dazu ermittelt die Polizei im Bezirk Radnor (Pennsylvania) in zwei Fällen, bei denen betagte Opfer insgesamt drei Millionen Euro verloren. Die Dimension der Schäden sei beispiellos, so die Behörden.
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Psychologischer Druck aus Callcentern
Die Täter gehen stets nach demselben Muster vor: Anrufe aus indischen Callcentern, bei denen sich die Kriminellen als Mitarbeiter von US-Behörden wie der Sozialversicherung, dem FBI oder der Handelsaufsicht ausgeben. „Sie setzen auf psychologische Manipulation“, erklärt Phil Sorrells, Bezirksstaatsanwalt von Tarrant County. „Den Opfern wird suggeriert, ihre Konten oder Identitäten seien kompromittiert.“
Ein besonders krasser Fall aus Radnor: Eine 90-jährige Frau wurde aufgefordert, ihre Rentenfonds in Goldbarren umzuwandeln – angeblich zum Schutz vor einer Beschlagnahmung. Zwischen Ende 2024 und Anfang 2026 tätigte sie neun separate Transaktionen, bis ihr gesamtes Erspartes aufgebraucht war. Erst dann erkannte sie den Betrug. Ein zweites Opfer, 78 Jahre alt, verlor 86.000 Euro nach Kontaktaufnahme über eine Social-Media-Plattform.
Die Opfer mussten die Goldbarren fotografieren – angeblich als „Nachweis“ für Bundesbehörden – und dann zur Abholung verpacken. Zur Wahrung des falschen Anscheins erhielten sie spezielle Passwörter für die Kuriere, die die Wertsachen persönlich abholten.
Massive Anklagewelle nach jahrelangen Ermittlungen
Die Anklagen in Texas sind das Ergebnis jahrelangen Fahndung. Die Bande ist seit mindestens 2018 aktiv. Allein in diesem Fall beschlagnahmten die Ermittler Gold im Wert von rund 130 Millionen Euro. Zu den 18 Angeklagten zählen mutmaßliche Kuriere, die das Gold persönlich einsammelten, sowie Juweliere, die die Beute wusch.
Bereits Anfang des Jahres durchsuchten Bundes- und Lokalbehörden mehrere Juweliergeschäfte in Irving, Frisco und Richardson (Texas). Die Ermittler gehen davon aus, dass dort die gestohlenen Goldbarren eingeschmolzen und zu Schmuck verarbeitet wurden – etwa zu Armreifen, die sich leichter nach Indien schmuggeln ließen. Ähnliche Razzien gab es in Atlanta und Orlando.
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Erst Anfang der Woche wurde ein 27-jähriger Kurier in Delaware County verurteilt. Er hatte einen 79-jährigen Kriegsveteranen betrogen. Der Kurier flog quer durch die USA – von Texas nach North Carolina – um Goldpakete abzuholen, während er über verschlüsselte Messenger-Dienste mit Komplizen kommunizierte.
Hochprofessionelle Logistik mit lokalen Kurieren
Die Ermittler beobachten eine hochorganisierte Logistikkette. Nachdem ein Opfer zum Goldkauf überredet wurde, rekrutieren die Callcenter über digitale Plattformen und Gruppenchats Kuriere nach dem „Windhundprinzip“. „Manche Kuriere wissen genau, was sie tun“, sagt Detective Brian Bell von der Polizei in Radnor. „Andere werden über Lieferdienste oder Gig-Economy-Apps ahnungslos angeworben.“
Das Gold wird oft vom Rücksitz der Opferautos in deren eigenen Einfahrten abgeholt. Dann durchläuft es mehrere Zwischenstationen – eine dezentrale Struktur, die die Rückverfolgung enorm erschwert. Bundesdaten zeigen: Innerhalb von zehn Monaten fielen über 5.100 Menschen auf diese Masche herein, der Gesamtschaden übersteigt 262 Millionen Euro.
Auch Banken schlagen Alarm. Die Täter drohen ihren Opfern oft mit rechtlichen Konsequenzen oder „Maulkörben“ und verbieten ihnen, mit Bankangestellten oder Familienangehörigen über die Goldkäufe zu sprechen. Diese Isolation ist entscheidend – sie ermöglicht den Betrug über mehrere Transaktionen hinweg, bis die Konten leer sind.
FBI warnt: Keine Behörde verlangt Goldkäufe
Das FBI und die US-Handelsaufsicht haben eindringliche Warnungen herausgegeben. „Keine legitime Behörde oder Firma wird Sie jemals auffordern, Goldbarren zu kaufen“, betonen die Ermittler. Auch die Behauptung, Geld sei auf US-Banken nicht sicher, sei frei erfunden. Niemand verlange die Umwandlung von Vermögen in Kryptowährungen oder Barren zur Lösung rechtlicher Probleme.
Die FBI-Empfehlungen:
– Unaufgeforderte Anrufe mit angeblichen Kontoproblemen sofort beenden
– Keine Pop-up-Alarmmeldungen mit „Helpdesk“-Nummern anklicken
– Behauptungen über Identitätsdiebstahl direkt bei der eigenen Bank prüfen
– Keine Adressen preisgeben oder Fremde zur Übergabe von Bargeld treffen
Ausblick: Goldpreis bleibt Anreiz für Betrüger
Die Staatsanwaltschaft von Tarrant County rechnet mit weiteren Opfern, während die Ermittlungen gegen die 18 Angeklagten und mögliche Komplizen in Pennsylvania laufen. Die Behörden arbeiten mit FBI und der Polizei von New Jersey zusammen.
Ihr Fokus liegt auf der Zerschlagung der Finanzinfrastruktur: Juweliere und Schmelzbetriebe, die das Gold umwandeln und international verschieben. Die Beschlagnahmung von 130 Millionen Euro Gold sei ein schwerer Schlag – doch Experten warnen: Der hohe Goldpreis macht diese Betrugsmasche weiterhin attraktiv. Ihr Appell: „Sprechen Sie mit älteren Angehörigen über ihre Finanzen. Aufklärung ist der beste Schutz.“





