Google Cloud Next 2026: Agentic Data Cloud soll Unternehmen revolutionieren

Google präsentiert auf der Cloud Next 2026 ein Framework für autonome Datenverarbeitung. Der Wettlauf um KI-Orchestrierung und neue Regulierungsfragen prägen die Branche.

Google stellt auf seiner Cloud-Konferenz eine neue Architektur vor, die Daten in eigenständig handelnde Systeme verwandelt.

Der Suchmaschinenriese hat am Dienstag auf der Google Cloud Next 2026 den Agentic Data Cloud präsentiert – ein Framework, das Unternehmensdaten von passiven Informationsspeichern in aktive „Handlungssysteme“ verwandeln soll. Statt wie bisher auf menschliche Abfragen zu warten, können künstliche Intelligenzen künftig eigenständig auf komplexe Datenbestände zugreifen und Geschäftsprozesse ausführen. Der Schritt markiert einen grundlegenden Wandel: Weg von der reinen Informationsabfrage, hin zu vollautonomen Abläufen im „Agenten-Maßstab“.

Anzeige

Während Cloud-Giganten die nächste Stufe der autonomen Systeme zünden, stehen ganze Technologie-Sektoren vor einem massiven Umbruch. Ein kostenloser Report enthüllt nun, welche vier Technologie-Sektoren kurz vor einem Ausbruch stehen und was das für Anleger bedeutet. Das große Tech-Comeback: Jetzt Gratis-Report sichern

Von der Abfrage zur Aktion

Das Herzstück der Neuerung ist der Knowledge Catalog, ein Metadaten-Tool, das KI-Agenten hilft, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Datenquellen zu verstehen. Ergänzt wird dies durch den Cross-Cloud Lakehouse, der BigQuery-Funktionen auf die Konkurrenzplattformen AWS und Azure ausweitet. So können Agenten Daten abfragen und bearbeiten, unabhängig davon, wo sie gespeichert sind – ein entscheidender Schritt gegen die berüchtigten Datensilos.

Für Entwickler hat Google zudem das Data Agent Kit veröffentlicht. Es integriert Claude Code, Gemini CLI und Codex in einer einheitlichen Umgebung. Mit Spanner Omni bringt Google außerdem eine Version seiner verteilten Datenbank für „abgekoppelte Edge-Umgebungen“ – etwa in der Industrie oder in abgelegenen Regionen, wo keine ständige Cloud-Verbindung garantiert ist.

Wettlauf um die KI-Orchestrierung

Die Ankündigung fällt in eine Woche voller strategischer Weichenstellungen. Zeitgleich zur Google-Konferenz präsentierte IBM auf der IBM Think in Boston sein eigenes KI-Betriebsmodell. Der Konzern setzt auf watsonx Orchestrate für die Multi-Agenten-Steuerung und kündigte die Übernahme von Confluent an, einem Spezialisten für Echtzeit-Datenströme.

Besonders spektakulär: Die KI-Startup Sierra, mitbegründet von Ex-Salesforce-Chef Bret Taylor, sammelte am Montag 950 Millionen Euro in einer Series-E-Runde ein – bewertet mit über 15 Milliarden Euro. Über 40 Prozent der Fortune-50-Unternehmen zählen zu Sierras Kunden, der jährliche Umsatz liegt bei umgerechnet rund 150 Millionen Euro. Mit Ghostwriter launchte das Startup einen „Agent-as-a-Service“-Dienst.

Finanzbranche setzt auf KI-Agenten

Die Praxis holt die Theorie ein: Der Finanzdienstleister FIS kündigte am Montag eine Partnerschaft mit Anthropic an. Gemeinsam entwickeln sie einen Financial Crimes AI Agent, der Geldwäsche-Ermittlungen von Stunden auf Minuten verkürzen soll. Banken wie BMO und Amalgamated Bank testen die Technologie bereits, der allgemeine Marktstart ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

Auch Stripe rüstet auf: Auf der hauseigenen Konferenz Stripe Sessions 2026 präsentierte das Unternehmen 288 neue Produkte – darunter eine Partnerschaft mit Google für Direktzahlungen in KI-Modi wie Gemini. Mit Link Wallets für KI-Agenten und Streaming Payments, einem tokenbasierten Abrechnungssystem, schafft Stripe die Infrastruktur für autonome Transaktionen.

Souveränität und Regulierung als neue Herausforderungen

Je autonomer die Systeme werden, desto drängender werden Fragen der Kontrolle. IBM hat am Dienstag IBM Sovereign Core vorgestellt, eine Plattform auf Basis von Red Hat OpenShift, die Unternehmen die volle Kontrolle über ihre KI-Ausführung und Datenresidenz sichert – ein entscheidender Faktor für regulierte Branchen.

Gleichzeitig zeichnet sich eine Verschärfung der Regulierung ab: Berichten zufolge arbeitet das Weiße Haus an einer Executive Order zur KI-Überwachung. Hintergrund sind Sicherheitsbedenken angesichts KI-gestützter Cyberangriffe. Einige Regierungsvertreter fordern bevorzugten Zugang zu neuen KI-Modellen aus nationalen Sicherheitsinteressen.

Anzeige

Die zunehmende Autonomie von KI-Agenten rückt auch die rechtliche Kontrolle und den EU AI Act in den Fokus von Unternehmen. Dieser kompakte Leitfaden verschafft Ihrer IT- und Rechtsabteilung den notwendigen Überblick über Pflichten, Fristen und Risikoklassen. KI-Verordnung: Kostenlosen Umsetzungsleitfaden für Unternehmen herunterladen

Arbeitsmarkt: Zwischen Hype und Realität

Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bleiben umstritten. Nvidia-CEO Jensen Huang wies auf der Milken Institute-Konferenz am Montag „Untergangsprophezeiungen“ zurück. KI sei die „beste Chance zur Reindustrialisierung der USA“ und schaffe massenhaft neue Jobs. Studien hingegen prognostizieren einen Stellenabbau von bis zu 15 Prozent in den Vereinigten Staaten.

Amazon scheint sich davon nicht beeindrucken zu lassen: Der Konzern hat kürzlich Claude Code und OpenAI Codex unternehmensweit eingeführt – nach erfolgreichen Pilotprojekten, in denen die Tools produktionsreifen Code generierten.

Ausblick: Vom Chatbot zum autonomen System

Die Entwicklungen der vergangenen Tage zeigen: Die Industrie hat das „Chatbot-Zeitalter“ hinter sich gelassen. Der Erfolg von Googles Agentic Data Cloud wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell Entwickler die neuen Werkzeuge nutzen, um statische Datenbestände in lebendige Handlungssysteme zu verwandeln.

Die Milliardenbewertungen von Startups wie Sierra und die milliardenschweren Joint Ventures von OpenAI und Anthropic – OpenAI bereitet angeblich ein „Development Company“ mit vier Milliarden Euro vor, Anthropic kündigte am Montag ein eigenes Gemeinschaftsunternehmen mit Blackstone und Goldman Sachs an – zeigen: Der Kampf um die Vorherrschaft im Enterprise-KI-Markt ist in vollem Gange. Die Cloud-Infrastruktur von Google und seinen Wettbewerbern bleibt dabei das unverzichtbare Fundament.