Google reorganisiert seine KI-Spitze: Demis Hassabis gibt die operative Führung von DeepMind ab, Langzeit-Manager Jeff Dean verlässt den Konzern nach 27 Jahren. Der Umbau kommt zu einem kritischen Zeitpunkt – das Unternehmen kämpft mit Verzögerungen bei seinen KI-Modellen und wachsendem Wettbewerbsdruck.
Die Ankündigung schlug am Mittwoch hohe Wellen: Alphabet, Googles Mutterkonzern, stellt seine KI-Führungsriege grundlegend neu auf. Die Umstrukturierung betrifft die beiden prägendsten Figuren der KI-Forschung des Unternehmens – und markiert einen Wendepunkt in der Strategie des Tech-Riesen.
Hassabis wechselt in die Aufsichtsrolle
Demis Hassabis, bisheriger CEO von Google DeepMind, übernimmt den Vorsitz des Forschungsbereichs und wird zusätzlich Chief Scientist bei Alphabet. Die operative Verantwortung geht an Koray Kavukcuoglu, der zum Senior Vice President aufsteigt. Er soll die Entwicklung der kommenden Modellgenerationen, darunter Gemini 4, vorantreiben.
Hassabis bleibt zudem an der Spitze von Isomorphic Labs, dem Arzneimittelforschungs-Ableger von DeepMind. Der Umbau erfolgt in einer Phase des Wachstums: Die Gemini-App verzeichnet inzwischen über 950 Millionen monatliche Nutzer, die offenen Gemma-Modelle wurden mehr als 900 Millionen Mal heruntergeladen.
Jeff Dean gründet Startup Discovery Loop
Parallel zum Führungswechsel verlässt Jeff Dean den Konzern. Der langjährige Chief Scientist war 27 Jahre bei Google und gilt als einer der Väter der modernen KI-Infrastruktur des Unternehmens. Er gründet mit mehreren prominenten Google-Forschern – darunter Sanjay Ghemawat, Oriol Vinyals und Quoc Le – das Startup Discovery Loop.
Das Unternehmen will den wissenschaftlichen Prozess automatisieren und Systeme zur rekursiven Selbstverbesserung entwickeln. Google tritt als Gründungsinvestor und Cloud-Partner auf und sichert Rechenkapazitäten für mindestens ein Jahr zu. Auch externe Geldgeber wie Radical Ventures und Khosla Ventures beteiligen sich an der Finanzierung. Dean trat zuletzt Ende Juli öffentlich bei der Y-Combinator-Startup-Schule vor mehreren tausend Gründern auf.
Während Tech-Giganten neue KI-Modelle entwickeln, müssen Unternehmen hierzulande bereits konkrete gesetzliche Anforderungen erfüllen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Verzögerungen und Marktreaktionen
Die Neuaufstellung kommt nicht zufällig: Interne Berichte sprechen von erheblichen Verzögerungen bei der Modell-Roadmap. Gemini 3.5 Pro hätte ursprünglich im Juni erscheinen sollen – daraus wurde nichts. Mehrere Spitzenforscher wechselten zudem in den vergangenen Monaten zu Wettbewerbern.
Die Börse reagierte verhalten: Alphabet-Aktien fielen nach der Ankündigung um rund vier Prozent. Dabei läuft das Infrastrukturgeschäft eigentlich stark – die Cloud-Erlöse stiegen im zweiten Quartal um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar. Alphabet kündigte zudem Investitionen von bis zu 205 Milliarden Dollar in den Ausbau der KI-Kapazitäten an.
Wer sich mit dem Einsatz moderner KI-Systeme befasst, muss auch die damit verbundenen regulatorischen Hürden in Europa kennen. Die EU-KI-Verordnung stellt neue Regeln auf, die viele noch nicht kennen – dieser kostenlose Report klärt auf, was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act sichern
Die Frage ist nun: Kann Google mit dem neuen Führungsteam den Anschluss halten – oder verliert der Konzern im Wettrennen um die KI-Vorherrschaft weiter an Boden?

