Google zementiert seine Führungsposition in der KI-gesteuerten Wissenschaft: Eine große Aktualisierung für Gemini 3 Deep Think verwandelt das spezialisierte Modell in eine Denkmaschine für komplexe Forschungs- und Ingenieursaufgaben. Die Neuerung zielt darauf ab, unstrukturierte Probleme in Laboren und Entwicklungsabteilungen zu lösen.
Der Schritt markiert eine Abkehr von generischen Chatbots hin zu hochspezialisierten „Reasoning Engines“. Diese sollen mit den lückenhaften und chaotischen Daten des echten Forschungsalltags umgehen können. Neue Benchmarks deuten darauf hin, dass das Modell in Mathematik, Programmierung und theoretischer Physik neue Maßstäbe setzt.
Vom Konzept zum greifbaren Prototyp
Kern der Aktualisierung ist ein Fokus auf „agentische“ Arbeitsabläufe. Das System kann nun mehrstufige Pläne entwerfen und ausführen, um ein Ziel zu erreichen. Es wurde für Herausforderungen entwickelt, bei denen es keine klaren Leitplanken oder eine einzige richtige Lösung gibt.
Eine herausragende neue Funktion ist die Fähigkeit, handgezeichnete Skizzen in druckbare 3D-Dateien zu verwandeln. Ingenieure laden eine grobe 2D-Zeichnung hoch. Deep Think analysiert diese, modelliert die komplexe 3D-Geometrie und generiert eine datei für den 3D-Druck. Diese „Sketch-to-Reality“-Brücke geht weit über einfache Bildgenerierung hinaus und zielt auf den lukrativen Markt für CAD-Software und Rapid Prototyping.
Neue Benchmark-Rekorde in Mathematik und Physik
Google untermauerte die Fähigkeiten des Modells mit einer Reihe technischer Benchmarks. Demnach erreicht Gemini 3 Deep Think eine Punktzahl von 48,4 % im „Humanity’s Last Exam“. Dieser Test gilt als ultimative Herausforderung für KI-Modelle an der Grenze des Möglichen.
Im Bereich des kompetitiven Programmierens erzielte das Modell eine Elo-Zahl von 3455 auf Codeforces. Damit läge es unter den besten menschlichen Programmierern weltweit. Google bestätigte zudem „Goldmedaillen-Niveau“ bei der Internationalen Mathematik-Olympiade 2025 sowie in den schriftlichen Teilen der Physik- und Chemie-Olympiade.
Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis von 84,6 % auf ARC-AGI-2. Dieser Benchmark misst allgemeines Schlussfolgern und Anpassungsfähigkeit, nicht Auswendiggelerntes. Experten werten dies als substanziellen Sprung in der Fähigkeit, neue Muster eigenständig zu erfassen.
Enterprise-Release und die Schattenseite des Erfolgs
Seit dem 12. Februar ist der aktualisierte Deep Think-Modus für Google AI Ultra-Abonnenten verfügbar. Erstmals bietet Google den Zugang auch über eine API für ausgewählte Forscher und Unternehmen an. Das Ziel: Die Integration in firmeneigene F&E-Abläufe.
Der Launch erfolgt jedoch vor dem Hintergrund wachsender Sicherheitsbedenken. In einem parallelen Bericht gab Google bekannt, „häufige Model-Extraction-Angriffe“ abgewehrt zu haben. Demnach versuchten hochsophistizierte Angreifer – darunter mutmaßlich staatlich unterstützte Gruppen aus China, Iran und Nordkorea –, die proprietäre Logik der Gemini-Modelle zu klonen.
Diese Angriffe bombardieren die API mit über 100.000 maßgeschneiderten Prompts, um das Modell zur Offenlegung seiner internen Denkprozesse zu zwingen. Google spricht von einem Versuch des geistigen Diebstahls und hat gezielte Abwehrmaßnahmen implementiert.
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Marktimplikationen: KI als unverzichtbarer Partner
Das Upgrade folgt auf die Erstveröffentlichung der Gemini-3-Suite im November 2025. Der Fokus auf Deep Think spiegelt einen Branchentrend wider: Führende KI-Labore priorisieren langsames, deliberatives „System-2“-Denken für komplexe Aufgaben gegenüber den schnellen Antworten früherer Chatbots.
Indem Google wissenschaftliche Forschung ins Visier nimmt, nutzt es die Expertise seiner Tochter DeepMind, die für Durchbrüche wie AlphaFold verantwortlich ist. Die Integration in praktische Ingenieurwerkzeuge unterstreicht eine Strategie: KI soll zum unverzichtbaren „Co-Wissenschaftler“ werden, nicht nur zum Produktivitäts-Assistenten.
Die Zuverlässigkeit der KI bei kritischer Infrastruktur und experimenteller Wissenschaft bleibt die entscheidende Hürde. Kann das Modell mit „chaotischen“ Daten umgehen, ohne Halluzinationen zu produzieren? Falls die Benchmark-Ergebnisse sich in der Praxis bewähren, könnte 2026 einen Schub an KI-generierten Patenten und physischen Prototypen bringen. Der Bericht über die Sicherheitsbedrohungen zeigt jedoch: Je wertvoller diese Modelle werden, desto heftiger wird der Wettlauf um ihren Schutz – und ihren Diebstahl.





