Google testet eine Funktion, die Nutzern den Wechsel zu seinem KI-Assistenten erheblich erleichtern soll. Sie könnten ihre gesamten Gesprächsverläufe von Konkurrenten wie OpenAI und Anthropic mitbringen – und so den größten Hinderungsgrund für einen Anbieterwechsel ausräumen.
Die im Beta-Code entdeckte Funktion mit dem Arbeitstitel „Import AI chats“ zielt darauf ab, den Übergang zu Gemini nahtlos zu gestalten. Statt bei null anzufangen, könnten Nutzer ihre exportierten Chat-Protokolle hochladen. Gemini würde sofort ihre Vorlieben, vergangenen Projekte und ihren Gesprächsstil verstehen. Dieser Schachzug bekämpft direkt den „Chatbot-Lock-in“-Effekt: Die Scheu, eine Plattform zu verlassen, in die man viel Zeit für den Aufbau einer personalisierten Historie investiert hat.
Strategischer Schub für Daten-Portabilität
Das Tool erscheint in Gemini als Beta-Option im Anhang-Menü. Es weist Nutzer an, zunächst ihre Chat-Historie von einer anderen KI-Plattform herunterzuladen und die Datei dann direkt in Gemini hochzuladen. Die genauen Dateiformate sind noch unklar, doch die Absicht ist klar: die Kontinuität langjähriger Gespräche und Projekte zu bewahren.
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Dieser Fokus auf Daten-Portabilität könnte das Wettbewerbsfeld im rasch wachsenden Markt für generative KI neu ordnen. Die Gesprächshistorie der Nutzer wird zu einem wertvollen Vermögen – sie trainiert die KI zu einem effektiveren Werkzeug. Indem Google eine Brücke für diese Daten baut, senkt es die „Wechselkosten“ und konkurriert mit dem Prinzip der Nutzerdatenhoheit. Analysten vermuten, dass dies andere große KI-Entwickler unter Druck setzen könnte, ähnliche Import-/Export-Funktionen anzubieten. Das könnte zu einem offeneren, interoperablen Ökosystem führen.
So könnte der Import funktionieren
Aktiviert man die Funktion, erscheint ein Dialogfeld, das durch den Export von Daten aus Diensten wie ChatGPT oder Claude und den anschließenden Upload führt. ChatGPT-Nutzer können ihre Daten bereits über das Einstellungsmenü exportieren und per E-Mail-Link herunterladen.
Die importierten Konversationen werden in der Google-Aktivität des Nutzers gespeichert. Ein Hinweis innerhalb der experimentellen Funktion besagt, dass diese importierten Daten zur Verbesserung von Googles Diensten genutzt werden können – einschließlich des Trainings seiner generativen KI-Modelle. Das ist ein erheblicher Vorteil für Google: Das Unternehmen erhält einen Datenschatz darüber, wie Nutzer mit Konkurrenzmodellen interagieren, und gewinnt Erkenntnisse über deren Stärken und Schwächen. Nutzer behalten jedoch die Möglichkeit, diese Aktivität zu verwalten oder zu löschen.
Angriff auf die Marktführerschaft von ChatGPT
Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der der Wettbewerb im KI-Chatbot-Markt eskalierter denn je ist. Aktuelle Daten zeigen: Während ChatGPT dominant bleibt, gerät sein Marktanteil unter Druck. Zwischen Januar 2025 und Januar 2026 verzeichnete Geminis Web-Traffic einen Anstieg von 647 %. Googles Anteil am KI-Chatbot-Verkehr stieg so von 5,3 % auf 22 %. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil von ChatGPT an den Web-Besuchen von 86,6 % auf 64,6 %.
Indem Google den Reibungspunkt der Datenmigration angeht, unternimmt das Unternehmen einen kalkulierten Versuch, etablierte Nutzer anderer Plattformen abzuwerben. Für viele ist der Hauptgrund, bei einem Dienst wie ChatGPT zu bleiben, nicht nur dessen Fähigkeiten, sondern die umfangreiche Historie und der Kontext, die um ihre Bedürfnisse herum aufgebaut wurden. Googles Strategie scheint zu sein, diesen Vorteil zu neutralisieren.
Datenschutz und neuer Branchenstandard
Es gibt noch keinen offiziellen Zeitplan für die Veröffentlichung der Import-Funktion. Ihr Erscheinen in Beta-Versionen deutet jedoch auf einen baldigen, breiteren Rollout hin. Die Entwicklung ist Teil einer größeren Anstrengung Googles, Gemini ständig neue Fähigkeiten zu verleihen.
Die Einführung eines Chat-Import-Tools wirft wichtige Fragen zum Datenschutz auf. Die explizite Erwähnung, dass importierte Daten für das Training von Googles KI-Modellen verwendet werden, ist ein zentraler Transparenzpunkt. Wenn KI-Interoperabilität zur Normalität wird, dürfte der Fokus darauf liegen, wie Nutzerdaten plattformübergreifend gehandhabt, gesichert und genutzt werden. Diese Entwicklung von Google könnte einen neuen Branchenstandard setzen und den Wettbewerb um die wertvollen Konversationsdaten, die die nächste KI-Generation antreiben, weiter anheizen.
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