Ein US-Gericht sprach einen ehemaligen Google-Mitarbeiter schuldig, hochsensible KI-Geheimnisse für chinesische Unternehmen gestohlen zu haben. Es ist der erste Spionagefall dieser Art im Bereich Künstliche Intelligenz.
Der 38-jährige Linwei „Leon“ Ding wurde auf sieben Anklagepunkte der wirtschaftlichen Spionage und sieben Punkte des Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen schuldig gesprochen. Das Urteil fiel nach einem elftägigen Prozess. Ding drohen bis zu 15 Jahre Haft pro Spionagepunkt und zehn Jahre pro Diebstahlspunkt. Ein Statusgespräch ist für den 3. Februar 2026 angesetzt, das Strafmaß wird später verkündet.
Systematischer Diebstahl der KI-Kronjuwelen
Die Beweise im Prozess zeichneten das Bild eines kalkulierten Plans. Ding nutzte seinen Zugang als Software-Ingenieur, um zwischen Mai 2022 und April 2023 über 2.000 Seiten streng vertraulicher Dokumente aus dem Google-Netzwerk zu kopieren. Er lud die Daten in seinen persönlichen Cloud-Speicher.
Gestohlen wurden keine Randnotizen, sondern die Blaupausen für Googles Wettbewerbsvorteil: die detaillierten Architekturpläne der firmeneigenen KI-Supercomputer. Diese sind für das Training großer KI-Modelle wie Gemini unverzichtbar. Zu den gestohlenen Geheimnissen zählten die Designs der hauseigenen Tensor Processing Units (TPUs), GPU-Systeme, die Orchestrierungssoftware und die spezielle SmartNIC-Technologie für Hochgeschwindigkeits-Datenverarbeitung.
In Fällen wie dem Diebstahl von KI‑Kronjuwelen rücken neue Regeln stärker in den Fokus. Die EU‑KI‑Verordnung (AI Act) schreibt seit August 2024 umfangreiche Pflichten vor – von Risikoklassifizierung über Kennzeichnung bis zu ausführlichen Dokumentationsanforderungen. Unternehmen, die KI‑Systeme entwickeln oder kritische Infrastruktur betreiben, müssen jetzt Compliance, Nachweisdokumente und Fristen kennen, sonst drohen Sanktionen. Unser kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt in klaren Schritten, was jetzt zu tun ist. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen
Doppelleben zwischen Google und chinesischen Start-ups
Während Ding bei Google angestellt war, baute er parallel Karriereoptionen in China auf. Er verhandelte über die Position des Chief Technology Officer bei einem chinesischen Tech-Start-up und gründete später sein eigenes KI-Unternehmen, dessen CEO er wurde. Vor Investoren gab er an, die Google-Infrastruktur nachbauen zu können.
Um seine Abwesenheit zu vertuschen, ließ er seinen Mitarbeiterausweis in den USA von einem Kollegen scannen, während er sich tatsächlich in China aufhielt. Zudem bewarb er sich um ein chinesisches „Talent“-Förderprogramm. In seiner Bewerbung schrieb er, er wolle dem Land helfen, eine Computerinfrastruktur „auf internationalem Niveau“ aufzubauen.
Vom internen Alarm zur Festnahme
Googles eigene Sicherheitssysteme schlugen Alarm, als sie die ungewöhnlichen Datenübertragungen bemerkten. Das Unternehmen leitete eine interne Untersuchung ein und zog die US-Behörden hinzu. Die Ermittler deckten Ding’s Vertuschungsversuche auf. Kurz vor seinem Rücktritt Ende 2023 unterzeichnete er eine eidesstattliche Versicherung, dass er keine Firmengeheimnisse behalten habe. Kurz danach buchte er ein One-Way-Ticket von San Francisco nach Peking.
Die Verteidigung argumentierte vor Gericht, die Dokumente seien keine Geschäftsgeheimnisse und es gebe keinen Beweis für einen Verkauf oder die Nutzung für ein Konkurrenzprodukt. Die Geschworenen folgten jedoch der Anklage, die einen systematischen Diebstahl wertvollen geistigen Eigentums zugunsten ausländischer Akteure belegte.
Signalwirkung für Silicon Valley und die nationale Sicherheit
Das Urteil sendet eine klare Botschaft an das Silicon Valley und die globale Tech-Branche. US-Behörden werten den Fall als wichtigen Sieg im Schutz amerikanischer Innovation vor ausländischer Einflussnahme. Der stellvertretende Justizminister für nationale Sicherheit sprach von einem „kalkulierten Vertrauensbruch“ an der Schwelle zu den weltweit fortschrittlichsten KI-Technologien.
Der Fall unterstreicht die immense Herausforderung für Unternehmen, ihre KI-Schlüsseltechnologien vor Insider-Bedrohungen zu schützen. Im globalen Wettlauf um die KI-Vorherrschaft ist der Schutz proprietärer Hardware und Software längst zu einer Frage der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit geworden. Das Strafmaß in Dings Fall wird als Gradmesser für den künftigen Umgang mit Hochtechnologie-Spionage aufmerksam verfolgt werden.
Übrigens: Übergangsfristen und Kennzeichnungspflichten der EU‑KI‑Verordnung laufen zeitnah – wer jetzt reagiert, ist im Vorteil. Der kostenlose Leitfaden zeigt praxisnah, wie Sie ein Prüf‑ und Dokumentationskonzept aufbauen, welche Nachweise bei Audits helfen und wie Sie interne Prozesse für Entwickler und Zulieferer rechtssicher gestalten. So sind Sie besser vorbereitet, falls Ermittlungen oder Sicherheitsprüfungen anstehen. Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung kostenlos sichern





