Der Suchmaschinenriese will im Wettlauf um KI-Entwicklungstools aufholen – und setzt dabei auf die Datenbasis von App-Entwicklern.
Google hat damit begonnen, Android-Entwickler zu kontaktieren und ihnen Geld für den Zugriff auf ihre privaten Code-Repositories anzubieten. Das berichten mit der Sache vertraute Kreise Anfang Juni. Das Unternehmen lädt ausgewählte Play-Store-Entwickler zu einem vertraulichen Pilotprogramm ein, das die hauseigenen KI-gestützten Entwicklungswerkzeuge verbessern soll.
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Bezahlter Zugang gegen Lizenz
Das Programm ist klar strukturiert: Google zahlt Entwicklern für den Zugriff auf ihre Code-Bestände. Die Entwickler behalten dabei alle geistigen Eigentumsrechte an ihrer Arbeit. Die Lizenzvereinbarungen sind nicht-exklusiv, wie es aus informierten Kreisen heißt.
Die Initiative ist eine direkte Reaktion auf Googles derzeitige Position im KI-Coding-Markt. Zwar hat der Konzern auf seiner I/O-Konferenz 2026 neue Modelle wie Gemini 3.5 Flash, Gemini 3.5 Pro und Antigravity 2.0 vorgestellt. Doch die Konkurrenz ist schneller. Branchenanalysten sehen derzeit Anthropics Claude Code und Microsofts GitHub Copilot als klare Marktführer. Google-CEO Sundar Pichai hat selbst eingeräumt, dass sein Unternehmen im Bereich KI-gestützter Code-Assistenten aufholen müsse.
Rekord-Kapital für KI-Infrastruktur
Die Beschaffung spezialisierter Trainingsdaten fällt mit einer massiven finanziellen Mobilisierung zusammen. Anfang Juni legte Googles Mutterkonzern Alphabet eine Kapitalerhöhung über 80 Milliarden Euro auf – der größten in der US-Unternehmensgeschichte. Berkshire Hathaway beteiligt sich mit umgerechnet rund zehn Milliarden Euro.
Alphabets Investitionsausgaben sollen 2026 zwischen 180 und 190 Milliarden Euro erreichen, mit weiteren Steigerungen für 2027. Das kommt nicht von ungefähr: Der Konzern meldete für das erste Quartal einen Umsatz von 110 Milliarden Euro – ein Plus von 22 Prozent im Jahresvergleich. Marktforscher erwarten, dass der Markt für KI-Coding-Tools von umgerechnet 9,3 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 30 Milliarden Euro bis 2031 wachsen wird.
Neues Build-System und Cloud-Integration
Google rüstet auch technisch auf. Ende Mai veröffentlichte der Konzern „Lightbuild“ – ein deklaratives, YAML-basiertes Build-System für Android, das für bestimmte Aufgaben das bisherige Gradle-Frontend ersetzen soll. Das neue System ist speziell für KI-Agenten optimiert und reduziert den Token-Verbrauch großer Sprachmodelle um 70 Prozent.
Am 3. Juni folgte die Ankündigung von MCP-Servern für Cloud Storage auf Google Cloud. Diese sollen KI-Agenten helfen, effizienter mit unstrukturierten Daten zu arbeiten. Die technischen Neuerungen reihen sich ein in Googles Strategie, den gesamten Software-Entwicklungszyklus mit integrierten KI-Werkzeugen zu dominieren. Erst Anfang des Jahres hatte der Konzern den KI-Entwickler Windsurf für umgerechnet 2,4 Milliarden Euro übernommen.
Android-Updates für Verbraucher
Neben den Unternehmens-Neuigkeiten gibt es auch frische Funktionen für Endnutzer. Das „June Android Drop“ bringt unter anderem eine Fake-Call-Erkennung für Geräte ab Android 12 sowie eine Erweiterung der „Circle to Search“-Funktion. Die Quick-Share-Funktion wird auf weitere Geräte von Samsung, OnePlus und Xiaomi ausgeweitet.
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Zudem hat Google seine Play Services auf Version 26.21 aktualisiert. Damit können Passwörter und Passkeys zwischen dem Google Password Manager und Drittanbietern über einen neuen Industriestandard ausgetauscht werden.

