Google reagiert auf massive Kritik von Verlagen und rückt Quellen-Links in seinen KI-Ergebnissen stärker in den Fokus. Das Update soll den Einbruch der Besucherzahlen auf Nachrichtenseiten stoppen.
Seit Google seine KI-Übersichten flächendeckend einsetzt, klagen Verlage über einen dramatischen Rückgang an Lesern von ihren Websites. Die KI beantwortet Fragen direkt auf der Ergebnisseite – Nutzer klicken seltener auf die klassischen Links. Für eine Branche, die von Werbeeinnahmen und Abos lebt, war das ein Schock. Jetzt lenkt der Tech-Riese ein.
Verlage in der Abwärtsspirale
Das Problem ist grundlegend: Warum sollte jemand einen Artikel lesen, wenn die KI die Antwort schon zusammenfasst? Zahlreiche Nachrichtenseiten und Blogs meldeten seit der Einführung der KI-Übersichten sinkende Zugriffszahlen. Die Sorge: Wenn KI zur primären Informationsschnittstelle wird, verliert die ursprüngliche Inhaltserstellung an Wert. Diese Debatte hat längst auch die Europäische Kommission erreicht, die die Nutzung von Verlagsinhalten durch Googles KI prüft.
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„Für viele Verlage war das eine existenzielle Bedrohung“, sagt ein Branchenkenner. Die Abhängigkeit von Google-Traffic ist enorm. Die KI durchbrach das jahrelang funktionierende Geschäftsmodell.
So will Google die Klicks zurückholen
Die neue Oberfläche soll Nutzer gezielt zu den Originalquellen führen. Die wichtigste Änderung betrifft die Desktop-Suche: Fährt man mit der Maus über eine Link-Gruppe in der KI-Antwort, öffnet sich ein Pop-up-Fenster. Es zeigt eine Liste der Quellen mit Artikelbeschreibungen und Bildern – eine Art Mini-Vorschau, die zum Anklicken einlädt.
Auch auf Mobilgeräten werden die Link-Symbole in den KI-Antworten klarer und prominenter dargestellt. Googles Vizepräsident für Suche, Robby Stein, schrieb in einem Social-Media-Post, die Änderungen sollen helfen, Webinhalte besser zu entdecken. Interne Tests hätten gezeigt, dass Nutzer mit dem neuen Design leichter auf Quellseiten gelangen.
Die große KI-Rechenschaft der Medienbranche
Googles Update ist nur ein Teil eines riesigen Umbruchs. Während die Traffic-Sorgen Schlagzeilen machen, nutzen Verlage KI längst selbst. KI-Tools für Content-Erstellung, Recherche und SEO-Optimierung gehören in vielen Redaktionen zum Alltag. Gleichzeitig entsteht ein neuer Markt für Lizenzvereinbarungen.
Große Medienhäuser wie News Corp schließen bereits Verträge mit KI-Entwicklern. Kleinere Verlage haben es schwerer, eine faire Vergütung durchzusetzen. Als Vermittler treten nun Plattformen wie Microsoft oder Dow Jones‘ Factiva auf. Sie wollen es Verlagen ermöglichen, selbst Bedingungen für die KI-Nutzung ihrer Inhalte zu stellen.
Ein fragiles Gleichgewicht
Die Kehrtwende zeigt die symbiotische Beziehung zwischen Tech-Giganten und Inhalte-Schaffenden. Ohne die hochwertigen Informationen der Verlage hätten die KI-Modelle keine aktuellen und faktenbasierten Daten. Umgekehrt sind Verlage seit jeher auf Suchmaschinen angewiesen, um Leser zu finden.
Branchenanalysten sehen das Update als wichtigen Schritt, der den Grundkonflikt aber nicht löst. Die Debatte verschiebt sich von der Sichtbarkeit hin zu fairer Bezahlung und Lizenzmodellen. Die Skepsis der Verlage bleibt. Die technische Frage, wie sie sich einfach aus KI-Zusammenfassungen ausschließen können, ist weiterhin strittig.
Wohin geht die Reise?
Verlage werden in den kommenden Wochen genau prüfen, ob die Änderungen ihren Traffic tatsächlich steigern. Dieses Update wird nicht das letzte Wort sein. KI-Modelle entwickeln sich von generativen Tools zu „agentischen“ Systemen, die mehrstufige Aufgaben erledigen. Die Art, wie Nutzer mit Informationen umgehen, wird sich weiter tiefgreifend ändern.
Die Kernfragen bleiben: Wie werden Inhalte in einer KI-getriebenen Welt bewertet? Können Lizenzmodelle auch für kleinere Verlage funktionieren? Googles Entscheidung für sichtbarere Links ist reaktiv. Die Branche braucht eine proaktivere und umfassendere Neuausrichtung dafür, wie Inhalte künftig erstellt, verbreitet und monetarisiert werden.





