Google Phone-App: Echtzeit-Schutz vor KI-Deepfakes ab Juni

Google führt Echtzeit-Erkennung für Deepfake-Anrufe ein. Die Funktion startet auf Pixel-Geräten und soll auf Android 12+ folgen.

Ab Juni 2026 erkennt die Software Stimmmanipulationen und Deepfake-Anrufe in Echtzeit – und blockiert sie. Der Rollout startet auf Pixel-Geräten und soll schrittweise auf Smartphones mit Android 12 und neuer kommen.

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Echtzeit-Warnung bei gekaperten Nummern

Die neue Funktion prüft Anrufe unter anderem durch verschlüsselte Datenabgleiche und eine digitale Verifikation bei RCS-Verbindungen. Erkennt das System eine manipulierte Stimme oder den Verdacht auf eine gekaperte Telefonnummer, gibt es eine Warnung aus oder trennt die Verbindung.

Der Schritt ist eine Reaktion auf die explosionsartige Zunahme von KI-Attacken. Branchenberichten zufolge stieg die Zahl KI-gestützter Angriffe im ersten Halbjahr 2026 um das 37-Fache. Sogenanntes Vishing – Voice Phishing – gilt laut Analysen von Mandiant bereits seit 2025 als einer der häufigsten Infektionswege. Weltweit verursachten Betrugsmaschen im Jahr 2025 Schäden von rund 442 Milliarden US-Dollar.

Seniorin in Thüringen verliert 100.000 Euro

Aktuelle Fälle aus Deutschland zeigen die Dringlichkeit. In Schmalkalden übergab eine Seniorin Anfang Juni nach einem Schockanruf 100.000 Euro in bar. Die Täter gaben vor, das Geld für ein dringend benötigtes Medikament für ihren angeblich erkrankten Sohn zu brauchen.

In Altenburg registrierte die Polizei gleichzeitig vermehrt Anrufe falscher Bankmitarbeiter. Eine 85-Jährige gab ihre PIN preis, eine andere Seniorin wurde misstrauisch und informierte die Behörden. In Neuruppin verlor ein 77-Jähriger eine fünfstellige Summe – er hatte zunächst geringe Beträge in Kryptowährungen investiert und wurde später mit einem angeblichen Millionenvermögen getäuscht.

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Versicherungen haften nicht immer

Die rechtliche Lage für Betrugsopfer bleibt kompliziert. Das Amtsgericht Bernau entschied (Az. 10 C 212/25), dass Hausratversicherungen mit Cyberschutz-Klauseln nicht automatisch zahlen müssen, wenn Versicherte ihre IBAN oder Kreditkartendaten in einem Chat preisgeben und Zahlungen in einer Banking-App bestätigen. Die Begründung: Diese Daten seien keine vertraulichen Zugangsdaten wie PIN oder TAN.

Ab August 2026 verschärft der EU AI Act die Regeln für KI-Anbieter. Bei Verstößen drohen Strafen bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Parallel bauen Innenministerien Spezialeinheiten gegen KI-Kriminalität aus – die Hemmschwelle zur Erstellung sexualisierter Deepfakes sinke.

Forscher warnen vor autonomen KI-Würmern

Während die Verteidigung aufrüstet, entwickeln sich auch die Angriffswerkzeuge weiter. Ein im Juni 2026 veröffentlichter Bericht der Universitäten Toronto und Cambridge beschreibt einen autonomen KI-Wurm. Er verbreitet sich selbstständig in Netzwerken und generiert passgenaue Exploits für Sicherheitslücken – selbst für solche, die zum Zeitpunkt des Trainings der Sprachmodelle noch unbekannt waren. In Testumgebungen griff die Software rund 75 Prozent eines isolierten Netzwerks erfolgreich an.