Nach scharfer Kritik aus Politik und Bildungswesen passt Google seine Vorgaben für den Bildungsbereich an: Schulen können die Google-Suche für Schülerkonten künftig wieder eigenständig aktivieren, ohne zugleich alle generativen KI-Dienste freigeben zu müssen.
Allerdings bleiben KI-gestützte Funktionen wie die sogenannten AI Overviews weiterhin fest in die Suchmaske integriert. Ursprünglich sollten Schülerkonten im K-12-Bereich den Zugriff auf die Suchmaschine gänzlich verlieren, falls Schuladministratoren die KI-Werkzeuge nicht ausdrücklich für den Unterricht einschalten.
Neuer Standard für KI-Dienste und angepasste Lernwerkzeuge
Bislang waren Anwendungen aus der Gemini-Reihe für Schulen, die Google Classroom einsetzen, standardmäßig aktiviert. Künftig sollen die KI-Produkte hingegen als Grundeinstellung ausgeschaltet bleiben.
Chris Phillips, Vice President für den Bildungsbereich bei Google, hatte gegenüber der New York Times zuvor betont, dass die Suche und künstliche Intelligenz tief miteinander verzahnt seien und ein Zugriff auf die Suchmaschine ohne KI daher nicht möglich sei. Der Konzern stellte die Anpassung so dar, dass den Schulen dadurch mehr Auswahl gegeben werde und nicht weniger.
Zusätzlich stellte Google neue KI-Produkte für den Schulbetrieb sowie erweiterte Kontrollmöglichkeiten für Lehrkräfte in Aussicht, um die Werkzeuge im Klassenzimmer einzuschränken.
Bei einer Freigabe stehen den Einrichtungen zwei Optionen zur Verfügung: das reguläre Gemini-Modell sowie das Programm Guided Learning, ein virtueller Tutor, der Schülern Hilfestellungen gibt, ohne direkte Lösungen vorzugeben. Diese Funktion wird innerhalb der AI Overviews erprobt; erste Testläufe an ausgewählten Schulen in den USA beginnen ab November 2026.
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Scharfe Reaktionen aus Politik und Verbänden
Die ursprüngliche Kopplung hatte erhebliche Gegenwehr hervorgerufen. US-Senator Bernie Sanders stufte das Vorgehen des Konzerns als Erpressung ein. Zohran Mamdani, Bürgermeister von New York City, verwies auf die Monopolmacht des Unternehmens und hielt fest, dass kein Konzern die Befugnis haben dürfe vorzuschreiben, wie Kinder unterrichtet werden.
Rohit Chopra, Minister für Unternehmens- und Verbraucherdienste in Kalifornien, mahnte, große Technologieunternehmen sollten Schulen nicht mit Druckmitteln begegnen.
Widerspruch kam auch von Gewerkschaften und Kinderschutzorganisationen: Randi Weingarten, Präsidentin der Lehrergewerkschaft American Federation of Teachers, bezeichnete die Regelung als bedauerlich, während Josh Golin von der Organisation Fairplay dem Konzern den Einsatz von Zwangsmethoden vorwarf.
Am 3. November 2026 betonte die frühere FTC-Vertreterin Lina Khan, der Fall zeige die Gefahr auf, die entstehe, wenn ein unregulierter Monopolist die Kontrolle über eine unverzichtbare Dienstleistung ausübe.
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Bedenken zur Kindersicherheit und Marktmacht
Vorbehalte gegen die KI-Offensive existieren bereits seit Längerem. Anfang Oktober forderten 13 Elternorganisationen in einem offenen Brief, sowohl Gemini als auch YouTube an Schulen abzuschalten. Zudem leiteten die US-Senatoren Richard Blumenthal und Josh Hawley im Oktober 2026 eine Untersuchung zu generativer KI in Klassenzimmern ein.
Die bereits im Mai 2024 von Google eingeführten AI Overviews wurden von der Organisation Common Sense Media mit einem unannehmbaren Risiko bewertet. Ausweichmöglichkeiten nutzen teils andere Konzepte: So erlaubt der Suchmaschinenanbieter DuckDuckGo die vollständige Deaktivierung generativer KI-Features.
Die Debatte trifft auf eine weitverbreitete Infrastruktur. Über 150 Millionen Lehrkräfte und Schüler nutzen weltweit Google Classroom. Laut einem Branchenbericht von Schoolytics aus dem Jahr 2023 greifen fast zwei Drittel aller schulischen Aufgaben auf mindestens ein Produkt des Konzerns zurück.

