Google TV: 300 Millionen Geräte, aber Wachstum bricht ein

Google erreicht mit seinen TV-Plattformen 300 Millionen aktive Geräte, doch das Wachstum verlangsamt sich deutlich. Hersteller setzen zunehmend auf eigene Systeme.

Googles TV-Plattformen knacken die 300-Millionen-Marke, aber der Höhenflug ist vorbei.

Auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2026 im Mai verkündete der Konzern einen Meilenstein: Google TV und Android TV zusammen kommen weltweit auf 300 Millionen monatlich aktive Geräte. Das klingt beeindruckend – und ist es auch. Zum Vergleich: 2021 waren es gerade einmal 80 Millionen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt ein Paradoxon.

Marktführung mit angezogener Handbremse

Mit einem Marktanteil von rund 31 Prozent bei den weltweit 1,1 Milliarden aktiven Smart-TVs liegt Google klar vorne. Die Konkurrenz? Samsung kommt mit Tizen auf 22 Prozent, LG mit webOS auf 18 Prozent. Doch die Wachstumsgeschichte hat einen Haken.

Früher legte die Plattform in 12 Monaten um 70 Millionen Geräte zu, dann in acht Monaten um 50 Millionen. Der jüngste Sprung auf 300 Millionen? Der dauerte rund 20 Monate – und brachte nur 30 Millionen neue Nutzer. Die Wachstumsrate fiel von 80 Prozent auf magere 11 Prozent im selben Zeitraum. Was ist passiert?

Anzeige

Warum so viele Deutsche ChatGPT nutzen – aber kaum einer weiß, wie man es richtig anwendet: Ein kostenloser Ratgeber zeigt, wie Sie die KI sofort für Ihren Alltag nutzen können – ganz ohne Vorkenntnisse. Kostenlosen KI-Ratgeber jetzt herunterladen

Hardware-Partner springen ab

Das Problem sitzt tief in der Lieferkette. Während TCL und Sony Google treu bleiben, suchen andere Hersteller ihr eigenes Glück. Philips setzt in Europa zunehmend auf Titan OS. Hisense drückt sein hauseigenes VIDAA-System. Und Panasonic? Der bietet mittlerweile Fire TV von Amazon und TiVo OS an.

Der Grund liegt auf der Hand: Wer Googles Plattform nutzt, teilt Daten und Werbeeinnahmen. Eigene Betriebssysteme versprechen mehr Kontrolle – und mehr Geld.

In Europa ist der Effekt bereits messbar. Der Marktanteil von Google TV fiel von 33 Prozent (2024) auf unter 32 Prozent (2025). Prognosen sagen: Ende 2026 könnte es unter 31 Prozent liegen. In Nordamerika sieht es nicht besser aus: Zwischen 10 und 13 Prozent, Tendenz fallend.

Hinzu kommt regulatorischer Gegenwind. In Indien lockerte ein Kartellverfahren die Bindung an Google-Dienste. Hersteller müssen nicht mehr zwingend die Google-Apps vorinstallieren. In einem der am schnellsten wachsenden Tech-Märkte der Welt öffnet das Tür und Tor für Alternativen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Amazon hat auf der Google I/O nachgelegt. Fire OS 16, basierend auf Android 16, kommt für Fire-TV-Smart-TVs. Interessant: Während die Fernseher auf Android setzen, wechseln Amazons Streaming-Sticks und der Fire TV Cube auf ein eigenes System namens Vega OS. Der Trend zur Unabhängigkeit ist unübersehbar.

Auch Walmart mischt mit. Nach der Übernahme von Vizio wächst CastOS rasant: von 6,5 Millionen Auslieferungen 2025 auf prognostizierte 15 Millionen bis 2029. Im Mai brachte Walmart den Google-TV-basierten Onn 4K Pro für schlappe 36 Euro auf den Markt – eine Kampfansage an Roku und Amazons Einstiegsgeräte.

Und dann ist da noch Swift TV. Die Plattform für werbefinanziertes Streaming (FAST) kooperiert mit GAIA OS und soll auf über 70 Millionen Geräten vorinstalliert sein. Schwerpunkt: Indien und Osteuropa.

Künstliche Intelligenz als Rettungsanker

Google setzt alles auf eine Karte: KI. Auf der I/O 2026 stand Gemini im Mittelpunkt. Seit Mai rollt Google ein kostenloses KI-Upgrade für den Chromecast mit Google TV 4K aus. Die Funktionen? Generative KI für die Suche und ein überarbeiteter Google Assistant auf Basis großer Sprachmodelle.

Doch das ist erst der Anfang. Google arbeitet mit Lenovo, JBL und LG an neuen Lautsprecher-Designs mit Gemini. Die ersten Geräte sollen Ende 2026 kommen.

Die System-Updates im Mai brachten immerhin Play Services v26.20 – mit Diebstahlschutz für Lateinamerika und erweiterten Wallet-Funktionen für Fahrzeugschlüssel. Android WebView ist jetzt auf Version 149. Doch mancher Nutzer fragt sich: Wo bleibt das große Android-16-Update für Google-TV-Hardware? Amazon ist da schneller.

Wenn Nutzer selbst Hand anlegen

Die zunehmende Kontrolle der Plattformbetreiber über Werbung und Inhalte treibt seltsame Blüten. Immer mehr Bastler nutzen KI-Tools, um eigene Patches für Android TV zu schreiben. Mit Hilfe großer Sprachmodelle generieren sie Code, der Werbung aus Streaming-Apps wie Disney Plus und Paramount Plus entfernt.

Das klingt verlockend, ist aber hochriskant. Die modifizierten App-Dateien müssen manuell per Android Debug Bridge aufgespielt werden. Zwar gewähren die Patches keinen Zugriff auf Bezahlinhalte, aber sie verstoßen gegen die Nutzungsbedingungen. Experten warnen vor Sicherheitslücken und lebenslangen Account-Sperren.

Anzeige

Diese einfachen ChatGPT-Befehle kennen die wenigsten – dabei erleichtern sie den Alltag enorm. Ein neuer Gratis-Report enthüllt die praktischsten Tricks für Einsteiger, um KI effektiv und zeitsparend einzusetzen. Gratis-Report mit Alltags-Tricks sichern

Ausblick: Der Kampf ums Wohnzimmer wird härter

Der Smart-TV-Markt fragmentiert sich rasant. VIDAA soll von 6 Prozent (2025) auf 8 Prozent (2029) wachsen. Titan OS legt ebenfalls zu. Die Hersteller wollen raus aus der Abhängigkeit von einem einzigen Software-Anbieter.

Googles Strategie? Mehr Hardware, mehr KI. Das Pixel 9a kommt im Juni 2026. Gerüchte über Gemini-Lautsprecher und Google-eigene Fernseher halten sich hartnäckig. Und eine Xbox-App für Google TV könnte noch dieses Jahr kommen – ein Trumpf im Kampf ums Gaming-Wohnzimmer.

Die 300 Millionen Geräte sind ein starkes Fundament. Doch der Weg zu den nächsten 100 Millionen wird steinig. Ob Googles KI-Offensive reicht, um die Partner bei der Stange zu halten? Das dürfte die spannendste Frage der nächsten Jahre sein.