Der Suchmaschinenriese Google hat am heutigen Freitag eine Zivilklage gegen die in China ansässige Cyberkriminalitätsgruppe „Outsider Enterprise“ eingereicht. Der Vorwurf: Die Organisation habe Googles KI-System Gemini genutzt, um eine gigantische Phishing- und SMS-Betrugsmaschinerie aufzubauen und zu betreiben. Es ist der bislang deutlichste juristische Schritt eines Tech-Konzerns gegen die missbräuchliche Verwendung seiner eigenen KI-Tools.
Phishing als Dienstleistung
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Die Klage, die unter dem US-amerikanischen RICO-Gesetz (ursprünglich gegen organisierte Kriminalität) und dem Lanham Act (Markenrecht) eingereicht wurde, wirft Outsider Enterprise vor, Gemini eingesetzt zu haben, um Code für betrügerische Webseiten zu schreiben und Phishing-Kampagnen zu steuern. Laut den Gerichtsunterlagen betrieb die Gruppe ein „Phishing-as-a-Service“-Modell: Sie stellte anderen Kriminellen über den Messenger Telegram ihre Werkzeuge zur Verfügung – Abonnements ab umgerechnet rund 80 Euro pro Woche.
Zwischen Ende 2025 und dem Frühjahr 2026 soll die Organisation für die Erstellung von rund 1,59 Millionen betrügerischen Internetadressen verantwortlich gewesen sein. Besonders intensiv war die Aktion im Mai 2026: Innerhalb von nur zwei Wochen versendete die Gruppe 2,5 Millionen betrügerische SMS an Android-Nutzer. Die Nachrichten lockten die Empfänger auf mehr als 9.000 gefälschte Webseiten, die täuschend echt aussahen – darunter Nachbauten von Google, YouTube, der US-Post (USPS) und des elektronischen Mautsystems E-ZPass.
Milliardenschaden und Millionen gestohlener Daten
Das Ausmaß der Operation ist gewaltig. Ermittlungen des FBI und von Branchenpartnern zeigen, dass die Kampagne Hunderttausende Opfer erreichte. Die US-Bundesbehörden schätzen, dass die Gruppe für den Diebstahl von rund 3,87 Millionen Kreditkartennummern verantwortlich ist.
Die Gesamtschäden, die das Netzwerk seit Juli 2023 verursacht haben soll, belaufen sich auf schätzungsweise 1,9 Milliarden Euro. Der Fall fügt sich in einen größeren Trend ein: Daten des FBI aus dem Jahr 2025 zeigen, dass KI-bezogene Cyberkriminalität Schäden von fast 900 Millionen Euro verursachte – innerhalb eines Gesamtschadens von rund 21 Milliarden Euro durch gemeldete Cyberangriffe in jenem Jahr.
Gemeinsame Ermittlungen und politische Forderungen
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Die rechtlichen Schritte von Google erfolgten in Abstimmung mit mehreren großen Telekommunikationsunternehmen und Strafverfolgungsbehörden. Der Konzern arbeitete mit dem FBI sowie den US-Netzbetreibern AT&T, T-Mobile und Verizon zusammen, um die Infrastruktur der Gruppe zu identifizieren und zu stören.
Es ist bereits die zweite große Zivilklage, die Google innerhalb von sieben Monaten gegen in China ansässige SMS-Betrugsorganisationen einreicht. Ein erster Fall richtete sich gegen eine Gruppe namens „Lighthouse“.
Obwohl es sich bei der aktuellen Klage um ein zivilrechtliches Verfahren handelt, führen die Bundesbehörden parallele strafrechtliche Ermittlungen gegen das Netzwerk durch. Zeitgleich mit der Klageeinreichung signalisierte Google seine Unterstützung für sieben überparteiliche Gesetzesvorschläge im US-Kongress. Diese zielen darauf ab, die Bundesgesetze gegen KI-gestützten Betrug und Cyberkriminalität zu verschärfen. Das Unternehmen betont die Notwendigkeit moderner rechtlicher Rahmenbedingungen, die mit den sich rasant entwickelnden Fähigkeiten generativer KI in den Händen von Kriminellen Schritt halten können.

