Google verklagt Hacker-Gang: KI-Missbrauch für 2,5 Mio. Spam-SMS

Google verklagt chinesische Bande wegen KI-Betrugs, OpenAI stoppt Einflussoperationen. Neue Bedrohungen durch KI-gestützte Desinformation.

Die Aktionen dieser Woche zeigen ein neues Ausmaß KI-gestützter Desinformation und Finanzkriminalität – mit möglichen Folgen auch für den deutschen Markt.

Google reicht Klage gegen „Outsider Enterprise“ ein

Am 12. Juni 2026 hat Google eine Zivilklage gegen die chinesische Cyberkriminalitätsgruppe „Outsider Enterprise“ eingereicht. Gemeinsam mit dem FBI und den Telekommunikationsriesen AT&T, T-Mobile und Verizon wirft der Konzern der Organisation groß angelegten Finanzbetrug vor.

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Die Bande nutzte Googles KI-System Gemini für ihre kriminellen Machenschaften. Laut Klageschrift setzte sie 131 Software-Kits ein, um 9.000 betrügerische Websites und über eine Million täuschende URLs zu generieren. Allein in zwei Wochen im Mai verschickte die Gruppe rund 2,5 Millionen Nachrichten an Android-Nutzer. Die Opfer wurden auf sogenannte „Phishing-as-a-Service“-Plattformen gelockt, die darauf ausgelegt waren, Finanzdaten zu stehlen.

Das FBI beziffert die gesamten Cybercrime-Verluste für 2025 auf umgerechnet rund 19,5 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 830 Millionen Euro auf KI-bezogenen Betrug. Google fordert nun Schadensersatz nach dem US-amerikanischen RICO-Gesetz gegen organisierte Kriminalität sowie dem Markenschutzgesetz Lanham Act. Die Schäden für die Geschädigten gehen in die Millionen.

OpenAI sperrt Accounts von Einflussoperationen

Parallel dazu veröffentlichte OpenAI Anfang der Woche einen Sicherheitsbericht. Das Unternehmen hat zwei chinesische Einflusskampagnen aufgedeckt und gestoppt, die mit ChatGPT die US-amerikanische Meinungsbildung manipulieren wollten.

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Die als „Data Center Bandwagon“ und „Tech and Tariffs“ bezeichneten Operationen zielten auf konkrete Bereiche der US-Technologie- und Infrastrukturpolitik. „Data Center Bandwagon“ produziert von Ende 2025 bis Anfang 2026 Social-Media-Kommentare und politische Comic-Strips. Die Botschaft: Der Ausbau von KI-Rechenzentren werde die Stromkosten für amerikanische Familien drastisch in die Höhe treiben. Die zweite Kampagne „Tech and Tariffs“ attackierte die US-Handelspolitik und Technologiezölle. Interne Anweisungen, die OpenAI entdeckte, verboten den Operateuren ausdrücklich, den chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu erwähnen.

OpenAI-CEO Sam Altman betonte, sein Unternehmen arbeite eng mit der US-Regierung zusammen, um „demokratische KI“ zu schützen. Die Analyse ergab jedoch: Trotz der hochentwickelten Werkzeuge erreichten die Operationen keine nennenswerte öffentliche Reichweite oder echte Interaktion.

Politische Folgen in Washington

Die Enthüllungen haben in Washington sofortige Reaktionen ausgelöst. Senator Tom Cotton, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, forderte am 11. Juni 2026 in einem Brief an Generalstaatsanwalt Todd Blanche eine bundesweite Untersuchung des chinesischen Einflusses auf die US-Datenzentrumspolitik. Cotton verwies auf Berichte, wonach über 1,85 Milliarden Euro ausländischer Gelder in US-Interessengruppen geflossen sein sollen, die sich gegen KI-Infrastruktur aussprechen.

Republikanische Abgeordnete nutzen den OpenAI-Bericht, um zu suggerieren, dass der innenpolitische Widerstand gegen den Bau von Rechenzentren durch ausländische psychologische Operationen beeinflusst sein könnte. Mitten in dieser Debatte erklärte EPA-Chef Lee Zeldin am 11. Juni, die Umweltbehörde werde keine bundesweiten Regulierungen für Rechenzentren erlassen. Stattdessen setze man auf lokale Entscheidungen bei Landnutzung und Energiemanagement.

Die chinesische Botschaft wies die Vorwürfe staatlich gesteuerter Einflusskampagnen zurück. Branchenbeobachter sehen jedoch einen wachsenden Trend: Der Einsatz amerikanischer KI-Tools zur Generierung von Propaganda gegen amerikanische Technologieinteressen wird für die Sicherheitsteams im Silicon Valley zur immer größeren Herausforderung.