Google hat mit der Einführung einer neuen Benutzeroberfläche für Zahlungskarten in Google Wallet begonnen. Das bisherige horizontale Karussell, durch das Nutzer seitlich wischen konnten, weicht schrittweise einer vertikalen Kartenstapel-Ansicht. Die Umstellung zielt darauf ab, die Struktur der digitalen Geldbörse neu zu ordnen und die Einhandbedienung auf Mobilgeräten zu erleichtern.
Neues Layout setzt auf vertikale Stapel
In der überarbeiteten Ansicht präsentiert Google Wallet eine vollständige Vorschau der primären Bezahlkarte direkt auf der Startseite. Dahinter sind die weiteren hinterlegten Zahlungsmittel gestapelt, wobei jeweils ein Streifen der nachfolgenden Karte sichtbar bleibt. Über ein Antippen oder eine Wischgeste nach unten lässt sich eine Vollbildliste sämtlicher hinterlegter Karten aufrufen.
Die festgelegte Standardkarte liegt dabei im Vordergrund, während zusätzliche Karten dahinter angeordnet sind. Über ein langes Drücken können Anwender die Reihenfolge manuell anpassen; die unterste Karte wird dabei zum neuen Standard für Zahlungen erklärt. Um die Erreichbarkeit mit dem Daumen bei einhändiger Nutzung zu verbessern, werden häufig verwendete Karten im unteren Bereich platziert.
Der Link zur Verwaltung der Zahlungsmethoden am unteren Bildschirmrand bleibt unverändert bestehen und bietet weiterhin Zugriff auf Einstellungen zur Standardkarte. Der eigentliche Ablauf von NFC-Zahlungen bleibt von der optischen Neugestaltung unberührt. Während Zahlungskarten in einer separaten Stapelansicht gebündelt werden, verbleiben Kundenkarten, Fahrkarten und Pässe auf der Startseite.
Kritik an Übersichtlichkeit und veränderten Bedienschritten
Das Redesign, das vor der breiteren Verteilung einige Wochen getestet worden war, stößt bei ersten Anwendern jedoch auch auf Kritik. Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Unterscheidbarkeit: Da Kartennamen und die letzten vier Ziffern in der neuen Stapelansicht nicht unmittelbar erkennbar sind, wirken Karten desselben Kreditinstituts optisch identisch. Dies birgt das Risiko versehentlicher Fehlgriffe, was insbesondere bei ÖPNV-Karten zu ungewollten Doppelabbuchungen führen kann.
Zudem gestaltet sich der Kartentausch bei einer kleinen Auswahl von zwei bis drei Karten im Vergleich zum bisherigen Karussell aufwendiger, da nun zusätzliche Bedienschritte erforderlich sind. Auch der Zugriff auf Transaktionshistorien und Kartendetails wurde verändert: Diese Informationen befinden sich nun hinter einem Zahnrad-Symbol in der oberen rechten Bildschirmecke, was einen weiteren Klick erfordert.
Server-seitiger Rollout und begleitende Funktionen
Die Verteilung der neuen Benutzeroberfläche erfolgt schrittweise und server-seitig über die Google Play-Dienste. Eine manuelle Aktualisierung über den Google Play Store reicht daher nicht aus, um das neue Design zu erzwingen.
Erste Sichtungen des Stapel-Layouts gab es bereits im September 2026, bevor die Anzeige Anfang Oktober auf weiteren Geräten aktiv geschaltet wurde. Ein fester Zeitplan oder eine Liste bestätigter Länder liegt nicht vor; die Ausweitung erstreckt sich sukzessive auf Pixel- und andere Android-Geräte, unter anderem in Italien.
Die visuelle Überarbeitung folgt auf frühere Aktualisierungen wie das Vollbild-Layout für Tickets und die Einbindung von Gemini. Neben optischen Anpassungen erweitert Google den Funktionsumfang der Wallet-Plattform fortlaufend: In den USA startete die Ausweitung digitaler Ausweisdokumente mit der Bereitstellung der Oklahoma Digital ID als elfter Bundesstaat-ID. Zudem ermöglichen aktuelle Schnittstellen eine Bestellverfolgung über Gmail auf Android sowie die Integration von Zahlungsverläufen auf Wear OS.
Eine Analyse der Google-App-Version 17.65.17 für Android deutet darüber hinaus auf künftige Budgetverwaltungs- und Analysefunktionen in Kombination mit Gemini hin, bei denen Nutzer Konten anbinden können, um Ausgaben und Abonnements nachzuvollziehen.

