Der Konzern einigte sich auf eine Zahlung von umgerechnet rund 120 Millionen Euro an betroffene US-Verbraucher. Zudem führt der Tech-Riese neue Privatsphäre-Einstellungen ein, die Werbeplattformen den Zugriff auf persönliche Daten erschweren sollen.
Datenklau im Hintergrund: Was Android-Nutzern widerfuhr
Die Sammelklage Taylor v. Google LLC warf dem Konzern vor, heimlich kostenpflichtige Mobilfunkdaten seiner Kunden genutzt zu haben. Konkret ging es um Datenübertragungen im Hintergrund – selbst wenn das Smartphone ungenutzt herumlag oder alle Apps geschlossen waren. Die Kläger argumentierten, Google habe sie so gezwungen, die Datensammlung des Konzerns aus eigener Tasche zu bezahlen.
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Besonders pikant: Android priorisierte offenbar nicht automatisch WLAN-Verbindungen, sondern übertrug Daten auch über teure Mobilfunknetze. Für Nutzer mit begrenzten Datenvolumen bedeutet das bares Geld. Google räumt mit der Einigung kein Fehlverhalten ein, will aber 135 Millionen Dollar (rund 120 Millionen Euro) in einen Entschädigungsfonds einzahlen.
Wer bekommt Geld – und wie viel?
Anspruchsberechtigt sind alle US-Bürger, die zwischen dem 12. November 2017 und dem endgültigen Gerichtsbeschluss ein Android-Gerät mit aktivem Mobilfunkvertrag nutzten. Rund 100 Millionen Menschen kommen dafür infrage. Die Auszahlung pro Person fällt allerdings bescheiden aus: Analysten rechnen mit 1,00 bis 1,50 Dollar pro Kopf. Maximal sind 100 Dollar drin.
Bis zum 29. Mai 2026 können Betroffene Einspruch einlegen oder sich von der Klasse ausschließen. Die finale Anhörung vor dem zuständigen Bundesgericht in Nordkalifornien ist für den 23. Juni 2026 angesetzt.
Neuer Hebel gegen Werbe-Tracking: Die RTB-Kontrolle
Parallel dazu hat Google am 24. April 2026 ein neues Datenschutz-Tool ausgerollt: die „Real-Time Bidding Control“ (RTB Control). Diese Funktion war eine Auflage aus einem weiteren Rechtsstreit – In re Google RTB Consumer Privacy Litigation. Dabei ging es um Googles Echtzeit-Auktionssystem für Werbeanzeigen, das in Sekundenbruchteilen entscheidet, welche Anzeige ein Nutzer zu sehen bekommt.
Die Klage warf Google vor, sensible Daten wie Standortinformationen und Geräte-IDs an tausende externe Parteien weitergegeben zu haben. Mit der neuen Einstellung können Nutzer nun verhindern, dass ihre Werbe-ID und verschlüsselte Kennungen bei diesen Auktionen mitgesendet werden. Auch das sogenannte „Cookie Matching“ – eine Technik, mit der Datenbroker Profile aus verschiedenen Quellen verknüpfen – soll unterbunden werden.
Millionen Gmail-Nutzer in den USA erhielten am 24. April automatische Benachrichtigungen über das neue Tool. Es ist in den Werbeeinstellungen des Google-Kontos zu finden.
Das Problem mit der Opt-in-Logik
Der zuständige Bundesrichter, der die Einigung Ende März endgültig absegnete, wies auf einen entscheidenden Haken hin: Die RTB-Kontrolle ist eine Opt-in-Funktion – sie muss also aktiv eingeschaltet werden. Standardmäßig bleibt sie deaktiviert. Datenschützer kritisieren, dass die Wirksamkeit des Tools damit maßgeblich davon abhängt, wie viele Nutzer sich die Mühe machen, es zu finden und zu aktivieren.
Android-Updates: Was sich für Nutzer ändert
Über die finanziellen Entschädigungen hinaus verpflichtet sich Google zu strukturellen Änderungen an Android. So müssen die Nutzungsbedingungen für Google Play Services künftig klarer kommunizieren, dass bestimmte Hintergrunddatenübertragungen nicht vollständig deaktiviert werden können.
Besonders auffällig: Ein bisher vorhandener Schalter in den Android-Einstellungen, der es erlaubte, Hintergrunddaten für Google Play Services zu blockieren, wird ausgegraut. Google begründet das mit Sicherheitsaspekten – bestimmte Datenübertragungen seien für den Systembetrieb unverzichtbar. Dafür wird künftig eine Erklärung eingeblendet, die diesen Zusammenhang transparent macht.
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Zusätzlich verspricht Google, die Datensammlung tatsächlich zu stoppen, wenn Nutzer die Option „Hintergrunddatennutzung erlauben“ für einzelne Apps manuell deaktivieren.
Der große Zusammenhang: 700 Millionen Dollar warten noch
Die aktuellen Entwicklungen sind Teil einer ganzen Serie von Rechtsstreitigkeiten, die Google derzeit beschäftigen. Ein noch größerer Fall steht unmittelbar bevor: Am 30. April 2026 verhandelt ein Gericht über die finale Zustimmung zu einem 700-Millionen-Dollar-Vergleich (rund 620 Millionen Euro) rund um den Google Play Store.
Dabei geht es um wettbewerbswidrige Praktiken im Android-App-Ökosystem, insbesondere bei der App-Verteilung und In-App-Zahlungen. Sollte der Vergleich nächste Woche bestätigt werden, erhalten zig Millionen Nutzer, die zwischen 2016 und 2023 Einkäufe im Play Store getätigt haben, eine Rückerstattung. Anders als beim Mobilfunk-Fall soll die Auszahlung hier weitgehend automatisch erfolgen – zumindest für Nutzer von PayPal oder Venmo.
Was bedeutet das für den Datenschutz?
Die Gerichtsbeschlüsse zwingen Google zu mehr Transparenz. Die neuen Regelungen zeigen, dass passive Datentransfers und die Weitergabe von Nutzerdaten an Werbeplattformen künftig strengeren Auflagen unterliegen. Experten sehen darin einen wichtigen Schritt, warnen aber vor zu viel Optimismus.
Solange Datenschutz-Features auf Opt-in basieren, werden die meisten Nutzer sie nicht aktivieren. Die große Frage bleibt: Wie viele der 100 Millionen betroffenen Android-Nutzer werden tatsächlich von den neuen Kontrollmöglichkeiten Gebrauch machen? Die Antwort darauf wird zeigen, ob die rechtlichen Erfolge der Kläger auch im Alltag der Verbraucher ankommen.

