goVISCAN: Berührungslose Messung von Puls aus 1,3 Metern

Das Fraunhofer IOF misst Vitaldaten berührungslos aus bis zu 1,3 Metern. Die Laborwerte sind präzise, eine klinische Prüfung steht noch aus.

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) hat ein neues Verfahren zur berührungslosen Erfassung medizinischer Vitaldaten vorgestellt. Das System mit dem Namen goVISCAN ermöglicht es, die Herzrate, die Atemfrequenz sowie die Sauerstoffsättigung aus einer Distanz von bis zu 1,3 Metern zu bestimmen, ohne dass ein physischer Kontakt zum Probanden erforderlich ist.

Technischer Aufbau und Funktionsweise

Die Technologie basiert auf einer spezialisierten Multispektralkamera, die als Kernstück des Systems fungiert. Das Gerät ist mit Abmessungen von 10 x 7,5 x 2,5 Zentimetern kompakt gestaltet und verfügt über einen Blickwinkel von 40 Grad.

Die Besonderheit der Kamera liegt in der Verwendung von neun monolithischen Mikrolinsen. Diese sind so konzipiert, dass jede Linse einen spezifischen Wellenlängenbereich abdeckt. Das Spektrum reicht dabei von sichtbarem blauem Licht bis hin zum nahen Infrarotbereich.

Die Messung der Vitalparameter erfolgt in einem flexiblen Abstandsbereich, der zwischen 70 Zentimetern und 1,3 Metern liegt. Durch die multispektrale Erfassung können physiologische Veränderungen der Hautoberfläche analysiert werden, die Rückschlüsse auf die Herz-Kreislauf-Aktivität und die Atmung zulassen.

Studienergebnisse und Genauigkeit der Messwerte

Im Rahmen der Entwicklung wurde eine Laborstudie mit 12 Probanden durchgeführt, um die Präzision des Verfahrens zu validieren. Wie aus Berichten vom 23. September 2026 hervorgeht, lieferte das System dabei belastbare Ergebnisse. Bei der Atemfrequenz wurde ein mittlerer Fehler von 1,3 Atemzügen pro Minute festgestellt. Die Abweichung bei der Messung der Herzrate lag bei 2,8 Schlägen pro Minute.

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Das Fraunhofer IOF hat ein Verfahren vorgestellt, das Herzrate, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung aus 70 Zentimetern bis 1,3 Metern Distanz erfasst — ohne Kontakt zum Patienten. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die Laborwerte ein und zeigt in drei Schritten, wie Kliniken die Technologie für Überwachung und Telemedizin prüfen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Besonderes Augenmerk galt der Bestimmung der Sauerstoffsättigung im Blut. Hier verzeichnete goVISCAN eine mittlere Abweichung von 3,8 Prozentpunkten. Dieser Wert ist insofern bedeutsam, als die gängige Norm für medizinische Pulsoximeter eine maximale Abweichung von 4 Prozentpunkten vorschreibt. Damit erreicht das kontaktlose Verfahren bereits in der Laborphase eine Genauigkeit, die mit herkömmlichen, am Körper getragenen Sensoren vergleichbar ist. Eine umfassende klinische Erprobung des Systems steht zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch aus.

Förderung und zukünftige Einsatzszenarien

Das Projekt goVISCAN wurde innerhalb des Forschungsbündnisses AMI entwickelt, das über den Zeitraum von 2022 bis 2025 agierte. Unterstützt wurde das Vorhaben durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), welches Fördermittel in Höhe von rund 9 Millionen Euro bereitstellte.

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Personalmangel und Kontaktsensoren treiben das Infektionsrisiko auf Station. Ein kontaktloses Messverfahren könnte Überwachungsaufgaben entlasten — die klinische Erprobung steht allerdings noch aus. Der Leitfaden vergleicht Pulsoximeter mit dem multispektralen Ansatz und nennt fünf Einsatzszenarien für Klinik und Telemedizin. Vergleich und Einsatzszenarien sichern

Nach einer ersten öffentlichen Vorstellung auf der Fachmesse W3+ in Jena ist geplant, das System ab dem 6. Oktober 2026 auf der internationalen Fachmesse für Bildverarbeitung (VISION) in Stuttgart zu präsentieren. Das Fraunhofer IOF sieht für die Technologie vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis.

Dazu gehören neben der kontinuierlichen Patientenüberwachung im klinischen Umfeld auch die Telemedizin sowie die Integration in Fahrzeugcockpits zur Müdigkeitserkennung. Ebenso könnte das System in industriellen Leitständen eingesetzt werden, um den Belastungszustand des Personals in sicherheitskritischen Bereichen zu überwachen.