GPT-5.6: Microsoft rollt neues KI-Modell mit drei Preis-Varianten aus

Microsoft integriert GPT-5.6 in Office und erneuert die Copilot-Oberfläche. Parallel setzt der Konzern auf eigene KI-Modelle, um Kosten zu senken.

Microsoft rüstet seine KI-Assistenten massiv auf. Der neue GPT-5.6 wird zum Standardmodell, die Benutzeroberfläche erhält ein komplettes Redesign. Doch der Konzern verfolgt einen überraschenden Doppelkurs.

Am heutigen Freitag haben Microsoft und OpenAI ein umfangreiches Update für das Microsoft 365 Copilot-Ökosystem vorgestellt. Kern der Neuerungen: GPT-5.6 wird zum bevorzugten KI-Modell für Word, Excel, PowerPoint und die Cowork-Plattform. Parallel dazu bekommt die gesamte Oberfläche ein frisches Design.

GPT-5.6: Drei Varianten für unterschiedliche Ansprüche

Das neue Modell, das am 9. Juli nach einer US-Cybersicherheitsprüfung freigegeben wurde, soll frühere Qualitätsprobleme beheben. Nutzer müssen nichts tun – der Wechsel erfolgt automatisch. GPT-5.6 verspricht besseres logisches Denken, präzisere Befehlsausführung und ein feineres Gespür für komplexe Zusammenhänge.

OpenAI bietet das Modell in drei Varianten an:

  • Sol: Für Hochleistungsaufgaben, 80 Punkte im Coding Agent Index. Preis: umgerechnet etwa 4,60 Euro oder 27,50 Euro pro 1 Million Tokens.
  • Terra: Mittelklasse für 2,30 Euro oder 13,70 Euro pro 1 Million Tokens.
  • Luna: Die günstige Variante für 0,90 Euro oder 5,50 Euro pro 1 Million Tokens.

Die neue Oberfläche: Was sich ändert

Seit gestern rollt Microsoft ein umfassendes Redesign aus. Das klassische „Waffle“-Navigationsmenü kehrt zurück. Hinzu kommen mehrere Neuerungen:

  • Copilot Notebooks: Ein eigener Bereich für längere KI-Interaktionen und Entwürfe.
  • Work IQ: Eine verbesserte Suchfunktion, die organisationsweit Daten durchforstet.
  • Flexible Modellwahl: Nutzer können künftig zwischen GPT-5.5 und Anthropics Opus wechseln.
  • Bessere Bedienung: Hell- und Dunkelmodus, erweiterte Benachrichtigungen sowie verbesserte Sprach- und Diktierfunktionen.

Ein neues Flyout-Menü für Agents und die Cowork-Integration sollen die Zusammenarbeit im KI-gestützten Arbeitsplatz erleichtern.

Microsofts heimlicher Plan: Eigene Modelle sparen Kosten

Trotz der engen Partnerschaft mit OpenAI zeigt sich ein strategischer Spagat. Bereits am 9. Juli wurde bekannt, dass Microsoft in Excel und Outlook zunehmend auf eigene MAI-Modelle setzt. Der Grund: Kostendruck.

Das hauseigene MAI-Code-1 verarbeitet Berichten zufolge bereits Zehntausende Anfragen pro Woche. Die Leistung sei mit Anthropics Opus 4.6 vergleichbar – bei deutlich geringeren Betriebskosten. Zwar bleibt GPT-5.6 das „bevorzugte“ Modell für anspruchsvolle Aufgaben, doch die Einführung eigener KI deutet auf eine komplexe Multi-Modell-Strategie hin.

SharePoint und Viva: Neue KI-Funktionen im Anmarsch

Das Update erfasst auch die Zusammenarbeitsplattformen. Seit gestern ist die öffentliche Vorschau von SharePoint Copilot Apps verfügbar. Entwickler können damit interaktive Komponenten wie Dashboards und Formulare direkt in die Copilot-Oberfläche einbetten. Der weltweite Rollout ist für den 20. Juli geplant.

Ein weiteres SharePoint-Feature ist in Planung: Unter der Roadmap-ID 567009 arbeitet Microsoft an einem Tool, das Power Automate-Workflows per natürlicher Sprache erstellt. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für Dezember 2026 vorgesehen.

Bei Viva Engage können Community-Agenten seit gestern in einer aktualisierten Vorschau Antworten aus Community-Inhalten und ausgewählten SharePoint-Seiten generieren. Der offizielle Start ist für September 2026 geplant.

Die große Herausforderung: Kaum jemand nutzt Copilot bezahlt

Die Updates kommen zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Interne Daten zeigen ein massives Wachstumspotenzial: Weniger als 4,5 Prozent der 450 Millionen gewerblichen Microsoft-365-Kunden zahlen derzeit für Copilot. Und selbst von diesen Nutzern ist die wöchentliche Aktivität auf 20 bis 30 Prozent begrenzt.

Microsoft reagiert mit einer Vereinfachung: Bis August 2026 sollen alle bisher verstreuten Copilot-Anwendungen in einer einzigen App zusammengefasst werden. Zudem expandiert der Konzern in neue Branchen – etwa mit einer Integration, die Ingenieuren erlaubt, Autodesk-Daten aus Revit und Forma direkt in Microsoft Teams per natürlicher Sprache abzufragen.