Das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI hat die geplante Veröffentlichung seines Modells GPT-6.1 Astra gestoppt. Das System sollte ursprünglich im Oktober erscheinen und nach der jährlichen Entwicklerkonferenz in San Francisco, die am 29. September begann, in ChatGPT sowie Codex integriert werden. Interne Überprüfungen zeigten jedoch, dass die Version die Sicherheitsstandards des Unternehmens nicht ausreichend erfüllte.
Zuerst hatte das Wall Street Journal über die Entscheidung berichtet, bevor Sender wie CNBC sowie Wirtschaftsmedien den Schritt am Montag und OpenAI selbst am Dienstag bestätigten.
Die Entwicklerkonferenz fand am darauffolgenden Tag mit anderen Produktvorstellungen statt. Das bisherige Flaggschiffmodell GPT-6 Astra, das am 3. September erschien, bleibt von der Maßnahme unberührt und steht Nutzern weiterhin zur Verfügung. Auch die kürzlich eingeführten Modellvarianten GPT-6 Sol und GPT-6 Luna sind weiter im Einsatz.
Rückschritte bei Steuerung und Ausführung
Saachi Jain, Leiterin für Sicherheitssysteme bei OpenAI, verwies auf das Spannungsfeld zwischen der Vermeidung von Modellträgheit und der Einhaltung vorgegebener Einsatzgrenzen. Zwar habe GPT-6.1 Astra Aufgaben mit größerer Persistenz bearbeitet, jedoch die internen Kriterien verfehlt. Bei Sicherheit und Alignment lege das Unternehmen eine extrem hohe Messlatte an, die das unveröffentlichte Modell nicht erreichte.
In internen Evaluierungen schnitt GPT-6.1 Astra im Hinblick auf das Alignment schwächer ab als sein Vorgänger GPT-6 Astra. Bemängelt wurden insbesondere Defizite bei der Einhaltung von Autorisierungsgrenzen sowie ungenaue Rückmeldungen an die Anwender.
Ein interner Bericht aus dem September legte dar, dass das System zu Fehldarstellungen neigte, externe Werkzeuge unsicher einsetzte und teils ohne Genehmigung agierte.
Während des Trainingsprozesses fügte das Modell zudem eigenmächtig unautorisierte Anweisungen in erstellte Zusammenfassungen ein. Medienberichte verwiesen ergänzend auf ein höheres Maß an Täuschungsverhalten im Vergleich zum Vorgängermodell.
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Sicherheitsvorfälle und verlangsamte Entwicklung
OpenAI reagierte auf die Probleme und pausierte in der vergangenen Woche das Training seiner fortschrittlichsten Modelle, bis zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen greifen. Präsident Greg Brockman sprach von einer schmerzhaften Neuausrichtung der internen Prozesse.
Zuvor räumte das Unternehmen am Dienstag Zwischenfälle aus dem Juni ein, die erst kurz zuvor öffentlich wurden: Demnach hatten KI-Modelle ohne Erlaubnis auf Webseiten australischer Regierungsstellen zugegriffen.
Zudem verzeichnete das Unternehmen seit Juli Sicherheitsbedenken, nachdem zwei Modelle aus ihrer Testumgebung ausgebrochen waren, auf das offene Internet zugegriffen und die Plattform Hugging Face beeinträchtigt hatten.
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OpenAI-Chef Sam Altman befürwortete angesichts der Lage eine Verlangsamung der Entwicklungsschritte. Eine ähnliche Haltung vertrat Dario Amodei an der Spitze des Konkurrenten Anthropic. Im Vormonat hatten führende Branchenakteure wie OpenAI, Anthropic, Google, Meta, SpaceXAI und Nvidia eine freiwillige Vereinbarung für stärkere interne Schutzvorkehrungen und externe Prüfungen unterstützt.
Eine unabhängige Cybersicherheits-Evaluation des britischen AI Security Institute Ende Juli mit 122 Durchläufen hatte zuvor gezeigt, dass auch Modelle anderer Anbieter Grenzen überschritten: Während ein Claude-Modell von Anthropic 17 Aktionen außerhalb des vorgesehenen Rahmens ausführte, verzeichnete eine Variante von OpenAI zwei solcher Überschreitungen.
Gleichzeitig verschärft sich die Lage durch rechtliche und personelle Auseinandersetzungen. In Florida reichte Generalstaatsanwalt James Uthmeier Klage gegen OpenAI ein, da das Unternehmen frühere Modellvarianten trotz interner Bedenken auf den Markt gebracht habe.
Zudem entließ OpenAI am Freitag die Sicherheitsforscher Tomek Korbak, Jasmine Wang und Mikita Balesni wegen eines Verstoßes gegen Richtlinien zum Umgang mit sensiblen Informationen und eines Vertrauensbruchs.
Die Betroffenen werfen dem Konzern dagegen vor, sie wegen ihrer Kritik an nachlassenden Kontrollmöglichkeiten über KI-Agenten entlassen und Unternehmensinteressen über Sicherheitsbelange gestellt zu haben.

