GPU-Markt: KI-Boom treibt Preise ins Unermessliche

Die Nachfrage nach KI-Hardware lässt die Straßenpreise für High-End-Grafikkarten explodieren. NVIDIA-Modelle sind besonders betroffen, während Intel und AMD andere Wege gehen.

Der globale Markt für Grafikkarten steckt in einer schweren Krise. Getrieben durch die unersättliche Nachfrage der KI-Branche nach Hochleistungs-Speicher explodieren die Straßenpreise für High-End-Modelle – und entkoppeln sich komplett von den offiziellen UVPs.

High-End-Segment: Preise entgleiten komplett

Die alarmierendsten Entwicklungen zeigen sich im Flaggschiff-Segment. Laut einer aktuellen Analyse von Tom’s Hardware hat sich der Straßenpreis für NVIDIAs RTX 5090 in den letzten vier Monaten um etwa 32 Prozent erhöht. Die Karte mit einer UVP von 1.999 US-Dollar ist praktisch nicht zu diesem Preis erhältlich. Stattdessen verlangen Händler in den USA zwischen 3.500 und 4.500 Dollar. In internationalen Märkten wie Indien sind sogar Preise von über 4.400 Dollar (rund 403.000 Rupien) keine Seltenheit.

Der Grund? Die RTX 5090 wird kaum noch als reines Gaming-Produkt genutzt. Ihr großer 32-GB-GDDR7-Speicher macht sie zur begehrten Hardware für KI-Profis und Start-ups, die keinen Zugang zu teuren Enterprise-Chips wie dem H100 haben. Diese „Prosumer“-Nachfrage schafft eine Preisschwelle, die den klassischen Enthusiasten-Gamer zunehmend ausschließt.

Mittlere Klasse: Künstliche Verknappung treibt Preise

Die Inflation betrifft nicht nur die Top-Modelle. Auch die beliebte Mittelklasse, wie die RTX 5070 Ti für 1440p-Gaming, hat seit Ende 2025 Preissteigerungen von 25 Prozent erlebt. Berichte deuten auf eine künstliche Verknappung hin: NVIDIA soll die Produktion der RTX 5070 Ti gedrosselt haben, um mehr Kapazitäten für lukrativere KI-Produkte mit GDDR7-Speichern freizumachen.

Die Folge: Ein Budget von 1.000 Dollar, für das Ende 2025 noch eine RTX 5080 zu haben war, reicht heute in vielen Regionen kaum noch für eine aufgeblähte RTX 5070 Ti. Im Einsteigersegment sind die Preise in den USA mit 3-4 Prozent noch moderat gestiegen. In Deutschland und Indien hingegen müssen Käufer für Modelle wie die RTX 5060 bereits mit Aufschlägen von 14 bis 21 Prozent rechnen.

Treiber der Krise: Der Kampf um den VRAM

Im Kern der Krise steht der explodierende Bedarf an Video-RAM (VRAM). Moderne generative KI-Modelle benötigen enorme Mengen an Hochgeschwindigkeitsspeicher, was die Lieferketten für GDDR7 und andere Hochdichtemodule extrem unter Druck setzt.

Speicherkosten machen inzwischen einen deutlich größeren Teil der Herstellungskosten einer GPU aus als in früheren Generationen. Da die Speicherhersteller priorisiert Verträge mit Rechenzentren bedienen, muss der Konsumentenmarkt um die verbleibenden Restkapazitäten kämpfen. Händler geben diese gestiegenen Einkaufskosten direkt an die Kunden weiter – und vergrößern so die Kluft zwischen UVP und tatsächlichem Verkaufspreis.

Intel und AMD: Zwei unterschiedliche Wege

Während NVIDIA mit den Preisexplosionen kämpft, verfolgen die Wettbewerber andere Strategien. Intels „Battlemage“-B-Serie wirkt als Stabilisator. Die Arc B570 hat in mehreren Regionen sogar Preissenkungen erfahren und ist damit eine rare Gelegenheit für budgetbewusste Gamer.

AMDs Preispolitik liegt dazwischen. Die Radeon RX-9000-Serie verzeichnet einen moderaten durchschnittlichen Preisanstieg von 10 Prozent. Das Modell RX 9070 XT, ein direkter Konkurrent zu NVIDIAs oberer Mittelklasse, ist global um etwa 7 Prozent teurer geworden. AMD scheint von einer stabileren Lieferkette zu profitieren und zeigt weniger dramatische Preissprünge als das „Green Team“.

Ausblick: Keine Entspannung in Sicht

Branchenexperten warnen: Eine baldige Entspannung ist unwahrscheinlich. Da das Training großer KI-Modelle 2026 weiter hochgefahren wird, dürfte die Nachfrage nach GPUs mit viel Speicher anhalten.

Die Ära des Flaggschiffs für 1.999 Dollar scheint in der Praxis vorbei zu sein. Solange NVIDIA die Produktion für den Consumer-Markt nicht massiv ausweitet – was angesichts der lukrativeren KI-Sparte unwahrscheinlich erscheint –, wird die „KI-Steuer“ auf Gaming-Hardware ein Marktmerkmal des Jahres 2026 bleiben. Verbrauchern bleibt derzeit nur, auf Lagerzugänge der UVP-treuen „Founders Edition“ zu hoffen oder auf alternative Plattformen wie Intel Arc auszuweichen, wenn Raytracing nicht oberste Priorität hat.

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