Grafikkarten-Krise: Nvidia RTX 5090 kostet 4.000 Euro statt 1.850

SK Hynix warnt vor schlimmster Chip-Knappheit 2027. KI-Boom treibt Speicherpreise und verteuert Grafikkarten, Laptops und Konsolen massiv.

Die explodierenden Kosten für Speicherchips treiben die Preise für High-End-Hardware in nie gekannte Höhen. Branchenführer SK Hynix warnte nach seinem Börsengang am 10. Juli 2026, dass sich das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage weiter verschärfen werde – mit einem Höhepunkt der Engpässe im Jahr 2027.

SK Hynix debütiert an der Wall Street mit düsterer Prognose

Der südkoreanische Chipriese SK Hynix feierte am 10. Juli 2026 sein Debüt an der Nasdaq. Mit einem Emissionserlös von 24,5 Milliarden Euro übertraf der Börsengang sämtliche bisherigen Rekorde für internationale Debüts. Die Aktie legte am ersten Handelstag um 14,8 Prozent zu. Das Unternehmen war im Mai 2026 bereits mit einer Billion US-Dollar bewertet worden.

Doch trotz des erfolgreichen Kapitalzuflusses zeichnete Konzernchef Kwak Noh-jung ein düsteres Bild für die Branche: Das Jahr 2027 werde voraussichtlich das schwierigste in der Geschichte der Speicherchip-Verfügbarkeit. Der Bedarf – angetrieben vor allem durch Künstliche Intelligenz – werde die globale Produktionskapazität mindestens bis 2030 übersteigen.

Die Zahlen des Konzerns sprechen eine deutliche Sprache: 2025 erzielte SK Hynix einen Rekordgewinn von umgerechnet rund 30 Milliarden Euro. Für das zweite Quartal 2026 werden sogar Gewinne von über 42 Milliarden Euro erwartet.

Grafikkarten-Preise explodieren: VRAM-Kosten dominieren

Am deutlichsten zeigt sich die Krise im High-End-Grafikkartenmarkt. Die Nvidia GeForce RTX 5090 kostet auf Plattformen wie Amazon aktuell 4.000 Euro – mehr als das Doppelte des ursprünglichen UVP von 1.850 Euro. Branchenanalysten führen die extreme Preisvolatilität darauf zurück, dass der Videospeicher (VRAM) inzwischen über 80 Prozent der gesamten Materialkosten einer High-End-Grafikkarte ausmacht.

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Nvidia selbst verzeichnet im Rechenzentrumsgeschäft ein Umsatzplus von 92 Prozent im Jahresvergleich und kündigte kürzlich ein Aktienrückkaufprogramm über 74 Milliarden Euro sowie eine Dividendenanhebung an. Die Einführung der RTX-50-Super-Serie wurde jedoch auf 2027 verschoben. Um die Erwartungen der Kunden zu managen, verteilte Nvidia Anfang Juli kostenlose Sammelkarten an Enthusiasten – neue Grafikkarten für den Endverbrauchermarkt wird es dieses Jahr nicht mehr geben.

Auch der Wettbewerb reagiert: AMD hat seine Board-Partner über eine zehnprozentige Preiserhöhung bei Paketen mit Grafikkarten und GDDR6-Speicher informiert. Während aktuelle Modelle wie die Radeon RX 9070 XT in Europa noch relativ stabil bepreist sind, werden Neubestellungen die höheren Kosten sofort widerspiegeln.

Verbraucher zahlen drauf: Vom Laptop bis zur Spielkonsole

Die Speicherknappheit betrifft längst nicht mehr nur High-End-Gaming-Hardware. Smartphones, Laptops und Spielkonsolen werden ebenfalls teurer. Aktuelle Marktdaten zeigen, dass Kunden zwischen 50 und 200 Euro mehr für Geräte zahlen als noch zu Jahresbeginn.

Laptops: Apple erhöhte die Preise für seine Notebooks im Juni 2026 um rund 100 Euro. Weltweit sind Laptop-Preise um durchschnittlich 15 bis 20 Prozent gestiegen. Einige Windows-Hersteller liefern ihre Geräte inzwischen mit nur 8 statt 16 Gigabyte Arbeitsspeicher aus, um die Preise niedrig zu halten.

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Spielkonsolen: Die PlayStation 5 kostet aktuell 100 Euro mehr als im Januar 2026. In den Niederlanden sollen die Preise für Xbox-Konsolen ab August um 50 Euro steigen.

Smartphones: Samsungs Galaxy-A-Serie verteuerte sich um rund 50 Euro.

KI-Rechenzentren schlucken die globale Produktion

Der Haupttreiber der Krise ist die massive Verlagerung der Speicherproduktion hin zu High-Bandwidth-Memory (HBM) for KI-Rechenzentren. Marktforscher von IDC erwarten, dass diese Einrichtungen 2026 rund 70 Prozent der gesamten Speicherproduktion absorbieren werden. Die HBM-Herstellung ist besonders aufwendig: Sie benötigt die dreifache Waferfläche im Vergleich zu Standard-DDR5-Speicher.

Finanzanalysten gehen davon aus, dass bis 2027 rund die Hälfte der globalen DRAM-Kapazität in langfristigen Verträgen gebunden sein wird. Die Preise für HBM4 könnten bis 2027 auf vier bis fünf Dollar pro Gigabit steigen – von rund zwei Dollar in der zweiten Jahreshälfte 2026. Solange die Hersteller diese margenstarken KI-Verträge bevorzugen, bleibt die Verfügbarkeit von Speicherchips für Endverbrauchergeräte auf Jahre hinaus angespannt.